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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Ungewisse Zukunft

Nach dem Tod Fidel Castros rechnen viele Kubaner mit Veränderungen

Viele Kubaner sind unsicher, was der Tod von Fidel Castro für Kuba bedeutet. Sie befürchten einen Rückfall in wirtschaftlich schwere Zeiten. Während die Exilkubaner in Miami lautstark jubeln, bleibt es in Havanna still.

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Fidel Castro © vitor cheregati @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONSusann Kreutzmann

DATUM28. November 2016

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RESSORTAktuell, Ausland

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Yoani Sánchez wundert sich. Es ist kurz vor Mitternacht in Havanna. Das staatliche Fernsehen unterbricht sein Programm. Staatschef Raúl Castro sitzt in einer olivgrünen Uniform am Schreibtisch und verkündet sichtlich berührt den Tod seines älteren Bruders Fidel Castro. Kubas Revolutionsführer wurde schon oft tot gesagt. Doch dieses Mal ist es kein Gerücht.

Die regierungskritische Bloggerin ist erstaunt über die Stille in ihrem Wohnblock, die Ruhe in Havanna. Die Menschen laufen nicht auf die Straße und zeigen ihre Trauer. Nur in Nachtklubs wird die laute Musik abgeschaltet. „Stille breitet sich aus, doch liegt auch Angst in der Luft. Es werden schwierige Tage kommen“, schreibt Sánchez. Andere Oppositionelle twittern, dass die Polizeipräsenz in den Straßen zugenommen habe.

Für viele Kubaner erscheint die Nachricht vom Tod des „Máximo Lider“ unwirklich. Die staatlichen Medien scheinen wie im Schockzustand. Es dauert Stunden, bis das staatliche TV sein Programm umstellt und Dokumentationen des Revolutionsführers zeigt. Erst gegen Mittag erscheint ein Nachrichtensprecher wieder live. Auch die Staatszeitung „Granma“ brauchte fünf Stunden, um in ihrer Online-Ausgabe den Tod des Comandante bekannt zu geben. „Hasta la Victoria siempre“ ist danach auf den Titelseiten der Zeitungen zu lesen.

Eine moralische Instanz

Die meisten Kubaner wurden während der Castro-Ära geboren. Viele von ihnen reagieren bestürzt auf die Todesnachricht. „Für uns war er wie ein Vater. Ich kann es einfach nicht glauben“, sagt eine Bewohnerin aus Havanna mit Tränen in den Augen dem TV-Sender CNN Español. Sie sei nach Hause gelaufen und habe ihre ganze Familie geweckt. „Es wird viele Veränderungen für uns geben. Aber im Moment bin ich einfach nur traurig, eine schlechte Nachricht für Kuba“, fügt ein Jugendlicher hinzu. „Es kamen so viele Anrufe und Menschen fragten, ob das stimmt“, sagt Castros Neffe Ángel Daniel Castro. „Viele haben am Telefon geweint.“

Auch wenn sich Fidel Castro 2006 aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, war er doch für viele Kubaner eine moralische Instanz, die über sie wachte. Viele Menschen sind jetzt unsicher, befürchten eine Rückkehr in die dunkle Zeit der „Sonderperiode“, der „Periodo Especial“, in der Lebensmittel, Strom und Benzin streng rationiert werden mussten.

„Danke für Alles“

In öffentlichen Gebäuden werden Kondolenzbücher ausgelegt. Die Staatsführung verkündet eine neuntägige Staatstrauer. Theaterveranstaltungen werden abgesagt, Kinos geschlossen und der Alkoholausschank in Restaurants und Bars verboten. Auch ein lange erwartetes Konzert des Startenors Plácido Domingo in Havanna fällt aus.

Studenten der Universität Havanna halten auf der Treppe der Alma Mater eine stille Mahnwache. „Danke für Alles“ steht auf einem der Plakate. Doch für die meisten Kubaner geht das Leben seinen gewohnten Gang.

In Miami feiern Exilkubaner Neuanfang

„Aus ethischen Gründen feiern wir nicht den Tod eines Menschen, egal wie problematisch dieser war“, erklärt José Daniel Ferrer, Gründer der größten Oppositionspartei Unpacu. Auch er sieht unsichere Zeiten auf die sozialistische Insel zukommen. „Das Einzige, was ich sagen kann ist, dass sich viel verändern wird”, betont er in der spanischen Zeitung „El Español”. „Entscheidend wird sein, wie das Volk reagiert, wie sich das Szenario in Lateinamerika, in den USA und in der EU entwickelt.”

Anders als auf Kuba stürmen Hunderte Exilkubaner in Miami spontan auf die Straße und stoßen mit Sekt an. Hupend und mit kubanischen Fahnen geschmückt fahren Autos durch die Calle Ocho, das Zentrum von „Little Havana“. „Wir feiern nicht den Tod, sondern den Beginn einer neuen Zeit“, sagt einer der jubelnden Demonstranten. „Freiheit für Kuba“, skandiert die Menge. „Wir erwarten keine großen Veränderungen“, meint dagegen die kubanischstämmige republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen. „Der Albtraum geht weiter.” (epd/mig)

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