MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Vorjahresvergleich

Mehr Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte trotz weniger Asylbewerber

Obwohl weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen verzeichnet das Bundeskriminalamt mehr Straftaten gegen Asylunterkünfte. In diesem Jahr rechnet das BAMF deutlich weniger als 300.000 Flüchtlinge.

Scheibe, kaputt, fenster, gewalt, einbruch, angriff, übergriff
Zerbrochene Fensterscheibe © iwanp. auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Trotz sinkender Flüchtlingszahlen liegt die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte bisher höher als im Vorjahr. Das Bundeskriminalamt verzeichnete laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung in den ersten zehn Monaten des Jahres 832 Angriffe gegen Flüchtlingsheime in Deutschland. Das sei fast ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Im vergangenen Jahr seien von Januar bis Ende Oktober 637 solcher Straftaten registriert worden.

Nach vielen Fällen zu Jahresbeginn gehen die Zahlen dem Bericht zufolge jedoch nach und nach zurück. Mit 772 sei der größte Teil der Übergriffe auch in diesem Jahr rechts motiviert gewesen, hieß es. Bei 60 Delikten könne eine politische Motivation noch nicht sicher ausgeschlossen werden.

In 330 Fällen kam es zu Sachbeschädigung. Bei 188 Delikten verteilten die Täter rechtsextreme oder fremdenfeindliche Propaganda. Bei 144 Straftaten wurde Gewalt angewandt. Es habe 63 Brandstiftungen und zwölf Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz gegeben. In vier Fällen brachten die Täter Sprengstoff zur Explosion.

Bundesamt: Weniger Flüchtlinge

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rechnet mit deutlich weniger als 300.000 neuen Flüchtlingen in diesem Jahr. Voraussetzungen dafür seien jedoch, dass das Abkommen mit der Türkei halte und die Absprachen mit Griechenland und Italien verlässlich funktionierten, sagte Bundesamtschef Frank-Jürgen Weise dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Halle.

Weise sprach sich gegen ein Bundesmigrationsministerium aus. Nach seiner heutigen Erfahrung würde er dazu „eher nein“ sagen. Viele Themen rund um die Flüchtlingsfrage müssten zwischen Bund, Ländern und Kommunen bearbeitet werden. „Ein Amt, das in einer modernen Form arbeitet, nämlich sich abstimmt mit allen Beteiligten und dann in seinem Bereich gute Arbeit macht, ist der bessere Weg.“

Weise, der auch Chef der Bundesagentur für Arbeit ist, nahm zugleich die Wirtschaft in Schutz. Aus seiner Sicht tue sie genug für die Integration von Flüchtlingen, sagte er. Gute Chancen auf einen direkten Einstieg in die Arbeit gebe es im Handwerk. Allerdings räumte Weise auch ein: „Die wirklich industrialisierten Arbeitsplätze sind für geflüchtete Menschen im Moment fast unerreichbar.“ (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...