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Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Kardinal Marx

„Wenn ich mein Bild vom Islam nur aus dem Fernsehen beziehen würde…“

Kardinal Marx warnt vor Stimmungsmache gegen Muslime. Es sei „entsetzlich, den Islam insgesamt und alle Muslime als Bedrohung darzustellen.“ EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm plädiert für mehr Selbstkritik im Gewalt-Kontext.

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Bildschirm © martinhoward auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kritisiert Verunglimpfungen von Muslimen. „Es ist entsetzlich, den Islam insgesamt und alle Muslime als Bedrohung darzustellen. Damit wird Stimmung gemacht“, sagte Marx in einem Doppelinterview zusammen mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten sagte: „Wenn ich mein Bild vom Islam nur aus dem Fernsehen beziehen würde, wo Berichte dominieren über IS-Kämpfer, die Menschen ermorden und sich dabei auf Gott berufen, dann hätte ich auch Angst vor dem Islam.“

„Ganz entscheidend für Integration ist, dass Menschen sich begegnen“, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Viele Millionen Muslime wollten nichts anderes, als friedlich mit anderen Menschen zusammenleben. „Das muss man immer wieder deutlich machen“, betonte er.

Marx: Erst mal den Menschen sehen

Marx sagte, wer muslimischen Glaubens sei, werde ja nicht allein von seiner Religion geprägt. „Wir müssen doch erst einmal den Menschen sehen! Wir sagen ja auch nicht: Der ist Katholik, und deswegen hat er diese Eigenschaften“, betonte der Münchner Erzbischof.

Marx beklagte auch Versäumnisse in der bundesdeutschen Einwanderungspolitik in der Vergangenheit. „In den 50er, 60er Jahren haben wir türkische Gastarbeiter angeworben, um unseren Wohlstand zu steigern. Aber kein Mensch hat sich anfangs über Integration überhaupt nur Gedanken gemacht, auch die Kirche nicht“, sagte er. Jetzt gehörten die Muslime ins Land, „die meisten leben hier über Jahrzehnte“. „Sollten wir jetzt sagen: Ihr gehört nicht dazu?“ fragte er.

Bedford-Strohm: Gewalt nicht auf eine Religion zuordnen

Bedford-Strohm sagte, jede Religion müsse selbstkritisch auf ihre eigene Geschichte schauen. Vielfach habe sich die Frage „Wie hältst du es mit der Gewalt?“ an Christen gerichtet. „Im Moment sind die Schauplätze, an denen sich diese Frage stellt, stärker aufseiten des Islam. Aber man kann das nicht einer Religion zuordnen“, sagte der bayerische Landesbischof.

Religionen seien keine Privatsache, sie hätten öffentliche Bedeutung. „Und ich wünsche mir für alle Religionen, auch für die Muslime, dass wir Kräfte des Friedens und der Versöhnung in der Gesellschaft werden“, sagte Bedford-Strohm. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Fritz Basseng sagt:

    Die Aussage: Kein Mensch hat sich anfangs Gedanken gemacht ist NICHT KORREKT!! Und deshalb zumindest nur teilweise richtig!!
    Die Gewerkschaften und auch die SPD haben schon vor VIELEN JAHREN
    Aktionen gestartet:

    „MACH MEINEN KUMPEL NICHT AN!!“

    Wir (die Mitglieder im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD im Altkreis Wetzlar, also vor 1975) haben damals mit vielen, vielen Gleichgesinnten gegen 5:30 Uhr vor den a) Werkstoren von „Buderus-Edelstahl“ in Wetzlar und b) „Küster“ in 65630 Ehringshausen sowie an den anderen Industriestandorten kreisweit unsere Einstellungen zu dieser Thematik mündlich und auch schriftlich deutlich gemacht und die Verbundenheit mit unseren -andersaussehenden und nur wenig der Deutschen Sprache mächtigen- Kollegen bekundet!!

    UND WIR TUN DAS AUCH HEUTE NOCH!! JEDEN TAG!!



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