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Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Nordrhein-Westfalen

Grüne gegen Ditib-Anerkennung aber für Islamunterricht

NRW-Grünen sind gegen eine Anerkennung des türkischen Islamverbandes Ditib. An der Zusammenarbeit beim islamischen Religionsunterricht wolle man aber festhalten. Da müsse man differenzieren. Die Ditib habe ohnehin keinen Einfluss auf den Islamunterricht.

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Islamischer Religionsunterricht © karindalziel auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen haben sich dafür ausgesprochen, beim islamischen Religionsunterricht an der Zusammenarbeit mit dem türkischen Islamverband Ditib festzuhalten. „Der Sache ist nicht geholfen, wenn wir ausgrenzen statt integrieren“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mehrdad Mostofizadeh am Dienstag in Düsseldorf. Das Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Land NRW und der Ditib beim „Wegweiser“-Präventionsprojekt in Köln bezeichnete er hingegen als richtig. Auch einer möglichen Anerkennung des Verbands als Religionsgemeinschaft stünden die Grünen skeptisch gegenüber.

Beim islamischen Religionsunterricht sei es aber notwendig, zu differenzieren, betonte Mostofizadeh. Die Ditib stelle in NRW einen von acht Vertretern im Beirat für den Unterricht und habe keinen unmittelbaren Einfluss auf Lehrmaterialien. „Ich warne davor, die Legitimation des islamischen Religionsunterrichts durch unsachliche und inhaltlich falsche Argumente zu beschädigen“, sagte er.

Beim islamischen Religionsunterricht für rund 300.000 Schüler muslimischen Glaubens handele es sich „nicht um eine Predigt im Klassenzimmer, sondern die pädagogische Auseinandersetzung mit einer der großen Weltreligionen“, erklärte Mostofizadeh nach einer Diskussion der Grünen-Fraktion mit dem Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, Haci-Halil Uslucan.

Uslucan:

Uslucan verwies auf Untersuchungen, wonach Inhalte und Durchführung des islamischen Religionsunterrichts eine außerordentlich hohe Akzeptanz unter Schülern, Lehrern und Eltern hätten. Auch die Neugier der Schüler, sich mit anderen Weltreligionen auseinanderzusetzen, sei sehr hoch. „Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass mit dem islamischen Religionsunterricht zentrale religiöse Begrifflichkeiten des Islam auch auf Deutsch kommuniziert werden können“, sagte der Leiter des Forschungsinstituts der Universität Duisburg-Essen. „Der islamische Religionsunterricht trägt zur Integration bei.“

Die Ditib ist einer von vier muslimischen Verbänden, die zusammen mit vier Islamexperten den Beirat für den islamischen Religionsunterricht in NRW bilden. Anfang vergangener Woche war bekanntgeworden, dass die Ditib nicht mehr länger Träger des Präventionsprojekts „Wegweiser“ gegen islamistischen Extremismus in Köln ist. Hintergrund war eine Kontroverse um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, mit der die Ditib eng verbunden ist. In dem Comic für Kinder wird der Märtyrertod positiv dargestellt.

Weil sich die Ditib aus Sicht des Innenministeriums nicht ausreichend von der Darstellung distanzierte, beendeten beide Seiten ihre Zusammenarbeit. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) betonte, dass die Entscheidung keine Auswirkungen auf den islamischen Religionsunterricht habe. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. A.F.B. sagt:

    Der Märtyrertod wird im Islam als positiv gesehen, das geht aus zahlreichen Aussagen im Koran zweifelsfrei hervor. Es ist jedoch die Frage, was man unter einem Märtyrertod versteht. Ganz gewiß ist es kein Märtyrertod, wenn man sich zusammen mit unschuldigen Menschen in die Luft sprengt. Selbstmord ist im Islam verboten, ebenso wie Angriffe auf Zivilisten es sind.
    Leider wird immer nur darüber berichtet, daß es solch ein Comic gibt, jedoch nicht, wie oder als was genau der Märtyrertod dort dargestellt wird. Nach den Begriffen selbst vieler Nichtmuslime sind Soldaten, die in Verteidigung ihres Landes fallen, Märtyrer. Demnach darf man z. B. auch irakische Kämpfer dazu rechnen, die im Kampf gegen die US-Invasion ihrer Heimat und deren anschließende Besetzung getötet wurden – soweit sie einen „sauberen“ Dschihad ohne Angriffe auf zivile Ziele führten, denn nach internationalem Recht war diese Besetzung die Folge eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs.
    Den Muslimen in der BRD (und anderen westlichen Ländern) versucht man jedoch zu suggerieren, die Verteidigung dieses staatlichen Gebildes mit einer nichtislamischen Ordnung sei für sie (in Form von Soldaten der Bundeswehr) der einzig zulässige Weg, mit der Waffe zu kämpfen, während der Islam seine Angehörigen lehrt, ihren Glaubensgeschwistern überall auf der Welt zu Hilfe zu kommen, wenn sie in ihrer Heimat von einer ausländischen nichtmuslimischen Streitmacht überfallen und ihr Land von dieser besetzt wird – sofern sie Hilfe dieser Art benötigen.
    Es ist diese islamische Sichtweise der Verbundenheit mit der weltweiten islamischen Umma, die derjenigen der heutigen Nationalstaaten entgegensteht und daher unerwünscht ist (deutsche Muslime haben ihre deutsche Staatsangehörigkeit und Identität über ihre Zugehörigkeit zur islamischen Umma und ihre Identität als Muslime zu stellen), insbesondere, wenn sich die Streitkräfte eines solchen Staates, wie bspw. die Bundeswehr, als Vasallen an einem (als Friedens- oder Demokratisierungsmission getarnten) Raubzug der transatlantischen Supermacht gegen ein muslimisches Land beteiligen („Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“). Daher will man es nicht dulden, daß der Märtyrertod im Islam positiv dargestellt wird.



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