MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Keine Schläfenlocken

Juden fordern Überarbeitung von Schulbüchern

Männer mit Locken an den Schläfen? Solche Darstellungen vermitteln nach Ansicht des Zentralratspräsidenten Schuster ein falsches Bild von Juden in Deutschland. Entsprechende Schulbücher gehören auf den Prüfstand, finden auch die Kultusminister.

Jude, Juden, jüdisch, jüdische, Kind, Kippa, Religion
Ein Kind mit der jüdischen Kopfbedeckung Kippa © James Emery auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, dringt auf eine Überarbeitung deutscher Schulbücher, um die jüdische Religion und Lebensweise realistisch darzustellen. „Wenn man sieht, mit welchen Bildern das Judentum in deutschen Schulbüchern vermittelt wird, muss man sagen: So stellt sich das Judentum nicht dar“, sagte Schuster: „Natürlich gibt es Juden mit Schläfenlocken, aber die findet man nicht in Deutschland.“

„Es gibt leider eine ganze Menge an Unwissenheit, Falsch- und Pseudoerkenntnissen über das Judentum, die sich als Vorurteile seit der Nazizeit bis heute erhalten haben“, sagte Schuster der Heilbronner Stimme. Auch die Schulen trügen Verantwortung. Die Kultusministerkonferenz habe mit dem Zentralrat der Juden ein Projekt angestoßen, um eine pädagogisch sinnvolle Vermittlung des Judentums in den Schulen zu erreichen.

Der Pressesprecher der Kultusministerkonferenz (KMK), Torsten Heil, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), eine gemeinsame Arbeitsgruppe von KMK und Zentralrat werde im Dezember eine Unterrichtsempfehlung vorlegen. Den Kultusministern sei daran gelegen, „dass Schulbücher bei aller notwendigen didaktischen Reduzierung keine einseitigen, verkürzten oder verzerrten Darstellungen enthalten“. In der Regel achteten die Länder bei der Genehmigung von Schulbüchern auf solche Defizite.

Dass Bücher aber in einzelnen Bereichen auch Überarbeitungsbedarf haben, hätten erst im vergangenen Jahr die Erkenntnisse einer deutsch-israelischen Schulbuchkommission gezeigt, sagte Heil. Für die Untersuchung hatte die vom Braunschweiger Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung koordinierte Kommission Bücher der Fächer Geschichte, Geografie und Sozialkunde überprüft. Mehr als 90 deutsche Schulbuchkapitel wurden auf die Darstellung Israels untersucht und mehr als 40 israelische Lehrwerke auf ihr Deutschlandbild. Dabei waren beiderseits teils lückenhafte und verzerrende Darstellungen offenbar geworden. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...