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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Ali konkret

Halal-Challenge – Auf Furzkissenniveau

Angelehnt an den viralen Social-Network-Schlager „Ice Bucket Challenge“ macht derzeit eine besonders dämliche Adaption namens „Halal-Challenge“ die Runde durch die Sümpfe des Internets. Das ist ungefähr so lustig wie Hoserunterlassen im Park und wohl der neue intellektuelle Tiefpunkt des antimuslimischen Rassismus. Von Ali Baş

Halal, Schweinefleisch, Halal-Challenge, Islamfeindlichkeit
Unbekannte mischen in Supermärkten Schweinefleischprodukte unter Halal-Produkten - Foto: Facebook/Halal-Challenge

VONAli Baş

 Halal-Challenge – Auf Furzkissenniveau
Ali Baş, geb. 1976 in Ahlen, arbeitet als Lehrer für Englisch und Politik in Dortmund. Baş promoviert in Münster in Erziehungswissenschaft und engagiert sich seit 2002 bei Bündnis 90/Die Grünen, wo er Sprecher des Kreisverbandes Warendorf und als Kreistagsmitglied für Schul- und Integrationspolitik zuständig ist. Baş ist Mitgründer und Sprecher des "Arbeitskreises Grüne MuslimInnen NRW", der sich auf politischer Ebene mit Themen rund um Muslime in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzt, und seit März 2013 Abgeordneter der grünen Landtagsfraktion NRW, wo er u.a. Sprecher für berufliche Bildung und interreligiösen Dialog ist.

DATUM18. April 2016

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RESSORTLeitartikel, Meinung

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Das verwackelte Video zeigt sowas wie einen Gang im Supermarkt. Im Hintergrund hört man ein hastiges Atmen und schnelle Schritte. Fast stolpert der „Halal-Challenger“ über eine Kiste Bananen. So einen Kick hat er anscheinend schon länger nicht mehr gehabt. Ob ihn vielleicht die Verkäuferin von der Käsetheke entdeckt hat?

Atemlos durch den Markt

Egal, jetzt gilt es bloß keine Nerven zu verlieren. Geschwind greift der „Challenger“ in den Korb nach einer Dose Würstchen, natürlich von „Deutschländer“. Die Handykamera schwenkt nach links und nach rechts, die Luft ist rein, im Hintergrund dudelt das Supermarktradio mit Schlager: Atemlos… ertönt es. In dieser Situation müsste wohl eher „Atemlos durch den Markt…“ heißen.

Die Kamera schwenkt auf das Supermarktregal zu den „Internationalen Lebensmitteln“ und den türkischen Geflügelwürstchen. Eine Sekunde und schwupps stehen die Deutschländer neben den Halal-Würstchen. Wie ein Held grinst der „Challenger“ jetzt selbst in die Kamera und nominiert den nächsten. Hohoho… wie mutig! Keine 5 Minuten später befindet sich das frisch produzierte Machwerk im Internet, Klickzahl steigend.

„Besorgte Tierschützer“

Halal, das sind Fleischwaren, die muslimischen Speiseregeln entsprechen, ähnlich wie koschere Lebensmittel in jüdischen Speisevorschriften. Muslime kaufen diese Waren und die Auswahl dafür wird zunehmend größer. Die Initiatoren der „Halal-Challenge“ geben in ihren Statements vordergründig an, für das Wohl der Tiere zu streiten, da das Schächten beim Schlachten ein Bestandteil des Halal-Konzeptes ist. Ein Blick in die Kommentarleiste der geposteten Filmchen offenbart jedoch übelste rechte Hetzkommentare statt Diskussionen über Tierwohl. Unter den „besorgten Tierschützern“ findet sich die Crème de la Crème aus dem Umfeld von Pegida, AfD und Co.

Blutrünstige Muslime, ahnungslose Schafe

Das Bild vom blutrünstigen Muslim, der ahnungslosen Schafen die Gurgel durchschneidet spielt in der beabsichtigten Empörung eine wesentliche Rolle und lässt sich gut in die negative Darstellung von Muslimen einfügen. Was dabei gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass Schlachtungen ohne Betäubung (was der Gesetzgeber vorschreibt) nicht gestattet sind. Vielen „Halal-Challengern“ dürfte das aber egal sein. Der Anlass ist gefunden, hauptsache er ist aufsehenerregend.

Islamophobe Würstchendosenversteller

Die Frage dürfte sein, was denn das eigentliche Ziel neben dem beabsichtigten Islam-Bashing sein soll. Glauben denn unsere islamophoben Würstchendosenversteller ernsthaft, dass sie Halal-Produkte „entweihen“ können, wenn sie daneben eine Packung Billig-Salami mit Schweinefleisch aus konventioneller Massentierhaltung ablegen? Zerfallen muslimische Kunden augenblicklich zu Staub, wenn sie in Berührung mit diesem „Haram“(wörtl. „verbotenen“)–Produkt kommen?

Plump-rassistische Spielchen auf Furzkissenniveau

Egal was sich Teilnehmer von dieser alles andere als „herausfordernden“ Aktion versprechen, beim Teil der denkenden Bevölkerung dürften diese plump-rassistischen Spielchen auf Furzkissenniveau für einen anderen Trend aus dem Internet sorgen: die kollektive Facepalm!

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3 Kommentare
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  1. derkritiker sagt:

    ja ja damals war es ja auch so . das braune gesindel war um das wohl der tiere so besorgt , das sie zum schluss kinder lebendig in die brennöfen warfen .

    ich bekomm schon magen geschwüre wenn ich diesen scheiß lese .

    diese kreaturen ,menschen kann man sie ja nicht mehr nennen , haben wirklich in 70 jahren nichts dazu gelernt .

  2. Magistrat sagt:

    Wie primitiv

  3. Volker K. sagt:

    Vielleicht beruhigen wir uns erst einmal. Natürlich sind diese „Spielchen“ auf Furzkissenniveau. Da Teile ich die Meinung des Autors. Aber wie so oft kann man lediglich festhalten, daß es wohl auch in unserer Zeit Menschen gibt die mit ihren sinnlosen Provokationen glauben die Welt in ihrem Sinne zu verändern. Oder soll es nur ein Spaß sein? Schwer zu sagen.
    Schon immer gab es „Spaßvögel“ die sich irgendwelchen blödsinnigen Kram ausgedacht und umgesetzt haben. Je nach dem wem diese Attacke galt, der konnte natürlich nicht so herzlich drüber lachen und baute innerlich bestimmt auch Wut und vielleicht sogar Haß gegen den Ausführenden auf. Aber sollen wir jetzt hingehen und einen politischen Skandal aus solchen Kindereien machen, oder aber hakt man es einfach ab und heftet es unter die Kategorie „Idioten fällt oft nichts besseres ein“ ab. Ich halte Letzteres für klüger, da man ansonsten so einen Kinderkram nur aufwertet. Niemandem ensteht doch durch diese Form der Produktvertauschung ein Schaden, außer vielleicht dem Einzelhändler der alles wieder zurücksortieren muß. Aber das Ausmaß dieser Aktionen scheint doch eher übersichtlich und nicht signifikant höher als bei den üblichen Aufräumaktionen. Also nur nicht aufregen!

    Wenn ich dann allerdings schon lese daß nun schon der Vergleich mit den KZ-Schärgen herhalten muß, die Menschen auf brutalste Weise umbrachten, dann weiß ich nicht ob da nicht dem ein oder anderen die Gäule durchgehen. Die Typen die das tun sind vielleicht Spinner, oder vielleicht sogar Trottel, aber bestimmt keine Kreaturen. Wir wollen doch nicht überteiben!



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