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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Gelichter

Dieses Land ist #nichtmehrmeinLand

Jan Böhmermann hat es letzte Woche auf den Punkt gebracht, es brennt der Busch. Ein Plädoyer für eine Armlänge Abstand zu Deutschland. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM9. Februar 2016

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Ein gewisser (fiktiver) Professor namens Hubert Farnsworth prägte vor einigen Jahren den Satz „I don’t want to live on this planet anymore“ (zu deutsch etwa: „Ich will auf diesem Planeten nicht mehr leben“) – in Reaktion auf eine fruchtlose Diskussion mit Kreationisten. Schaut man sich diese Welt heute an mit ihren Seehofers, Scheuers und Gabriels, Orbans, Putins und Trumps, Höckes, von Storchs und Petrys, kommt einem dieses inzwischen geflügelte Wort mit großer Regelmäßigkeit wieder in den Sinn.

Kein Tag mehr, an dem nicht Handgranaten auf Flüchtlinge geworfen, Häuser in Brand gesteckt und Menschen sonstwie körperlich angegriffen werden. Das noch kein Idiot im Deutschlandtrikot, der sich zuvor selbst vollgepisst hatte, gröhlend mit Hitlergruß in der Zeitung posierte, es liegt wohl allein daran, dass die Presse bereits mit Gewalt vertrieben worden ist und solche Bilder nicht mehr machen kann.

Man braucht keinen ausgedehnten Urlaub im Ausland machen, um Deutschland kaum mehr wiedererkennen zu können, allein der tägliche Blick in die Zeitung befremdet dieser Tage, Deutschland steht gefühlt an einer Schwelle, die zu überschreiten sich bereits einmal als fatal erwies. Eine Handgranate mag zwar noch keine „Bundeskristallnacht“ markieren, ist aber an sich eine so heftige Verschärfung der Situation selbst gegenüber den inzwischen alltäglichen Brandanschlägen, dass, auch wenn der Unterschied zwischen rechten „Bürgerwehren“ und braunbehemdeten Schlägertrupps noch merklich vorhanden zu sein scheint, diese überall sichtbare Eskalation des Hasses dunkle Schatten vorauswirft.

Wir hatten bereits den Wunsch nach Schießbefehlen, nach besonderen Pässen für Fremde, nach besonderen Lagern für diese und die Aussetzung der Genfer Konventionen der Menschenrechte. Und das kam nur von den sogenannten „bürgerlichen Parteien“, von der AfD will ich gar nicht erst anfangen.

Dass sich hierzulande überhaupt jemand über verstaatlichtes Fernsehen in Polen aufregt, verkommt so zu reiner Heuchelei: Deutschland selbst marschiert stramm nach rechtsaußen, Monate der konsequent hegemonialen Politik gegenüber Griechenland und angeblich einfacher Lösungen für komplizierte Probleme haben einen Eindruck auf „das Volk“ gemacht, das gerade in den Wintern nach Lebensraum im Süden lechzt und gern dem ein oder anderen EU-Mitglied seine sonnigen Mittelmeerinseln abgekauft hätte. Geschichte lehrt uns dabei vor allem eines: Rassismus, Nationalismus und Hass hat es überall und zu allen Zeiten gegeben, aber nur Deutschland hat sie je mit jenem verkniffenen Sinn für Ordnung und Sauberkeit umgesetzt, der dem Deutschen stets inhärent ist, und der in den Gaskammern der KZs gipfelte.

Den Planeten zu verlassen mag noch keine Option sein; das Land zu verlassen ist eines Tages vielleicht wieder die einzige Option. Die Mordaufrufe gegen Journalisten, Hetzjagden auf Migranten und Attentate gegen Politiker zeugen von dieser Gefahr. Dieses Land, ich habe das Gefühl, es ist #hashtag #nichtmehrmeinLand.

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3 Kommentare
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  1. Petra sagt:

    absolute Übereinstimmung mit dem Artikel.

  2. Magistrat sagt:

    In viele haben Sie Recht, Herr Bensmann, man sollte aber bei all den furchtbaren Schlagzeilen (wenn man das sich überhaupt noch antut) immer bedenken, dass eben nur negative Storys in den Nachrichten landen. Man stelle sich es einmal umgekehrt vor, wenn all die schon alltäglichen Erfahrungen, die ermutigen, staunen oder einfach nur ein positives Gefühl vermitteln lassen, täglich serviert würden: wir wären nicht nur optimistischer, sondern womöglich auch angespornt, selbst zu einer besseren Welt beizutragen. Wie es im Koran heißt,wir sind geschaffen worden „damit Er (Allah) euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht.“ (67:2) Also lasst uns wetteifern um die guten Taten, bis böse Menschen, Hetzer und Populisten feststellen: „das ist nicht mehr mein Land“

  3. religiöser Atheist sagt:

    Da der geschätzte Autor mehrfach auf die Handgranate eingeht: Eventuell sollte er die aktuellen Ermittlungsergebnisse berücksichtigen – die Granate wurde auf die Wachmänner geworfen – von „überwiegend osteuropäischen“ Konkurrenten eines anderen Sicherheitsunternehmens. Das Gewerbe lockte schon immer zwielichtige Gestalten an würde ich sagen.

    http://www.badische-zeitung.de/villingen-schwenningen/handgranate-galt-wachpersonal-polizei-kein-fremdenfeindliches-motiv

    Und so wie der werte Autor von „braunbehemdeten Schlägertrupps“ redet gibt es eben auch die andere Seite der „kraushaarigen Busengrapscher“.

    Und so findet jede Seite ihren ganz eigenen Blick auf die Gesellschaft. Was im Grunde auch gar nicht schlimm wäre, wenn nicht in den letzten Jahren immer deutlicher wird das es nur noch ins Extreme geht – entweder man ist stramm links, oder rechts. Die Mitte stirbt aus könnte man denken. So wenig wie die Millionen Sympathisanten der AfD Nazis sind – so wenig sind die Millionen Freunde der Linken alles Kommunisten. So wenig wie sämtliche Muslime Terroristen sind – sind alle Christen fundamentale Abtreibungsgegner.
    Leider hat Facebook meiner Meinung nach maßgeblichen Anteil daran. Schaue ich mir nur Hassbeiträge der AfD/Jungen Freiheit/Compact an oder eben welche der TAZ/Jungle World – Facebook merkt das und passt meinen „Flow“ an – und am Ende denke ich – so wie ich denken alle.

    Und das ist sehr sehr schade.



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