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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Migrationsforscher Oltmer

Einteilung „guter Migrant schlechter Migrant“ ist Diskriminierung

In Deutschland gelten Syrer als die guten Flüchtlinge, Marokkaner und Algerier als die schlechten. Muslime werden ohnehin mit Argwohn betrachtet, Christen mit Verständnis. Migrationsforscher Oltmer warnt vor solchen Zuweisungen.

Der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer hat Politik und Gesellschaft davor gewarnt, Zugewanderte in nützliche und weniger nützliche Flüchtlinge einzuteilen. „Wenn sich pauschale Hierarchisierungen nach dem Motto ‚guter Migrant schlechter Migrant‘ in der Gesellschaft verfestigen, führt das zu gefährlichen Diskriminierungen“, sagte Oltmer dem Evangelischen Pressedienst.

Der Professor am Institut für Migrationsforschung der Uni Osnabrück bezog sich dabei auf Demonstrationen von Aussiedlern gegen Flüchtlinge am vergangenen Wochenende in zahlreichen deutschen Städten. Anlass war eine vermutete Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens durch Flüchtlinge in Berlin. Diese hat es laut Polizei so jedoch gar nicht gegeben.

Einwanderer vergangener Jahrzehnte betrachteten Neuzuwanderer häufig als Konkurrenten um knappe Güter wie Arbeit, Wohnung oder Sozialleistungen, erläuterte Oltmer. Unter Russlanddeutschen gebe es die Meinung, ihnen sei die staatliche Unterstützung, die Flüchtlinge jetzt erhielten, in den 1990er Jahren nicht zuerkannt worden. Zudem hätten sie den Eindruck, ihre eigenen Integrationsleistungen würden vielfach nicht anerkannt.

In der deutschen Gesellschaft gelten laut Oltmer vielfach die Syrer als die besseren Flüchtlinge. Nach den Ereignissen von Köln habe sich die Meinung verbreitet, dass Marokkaner und Algerier als potenziell Kriminelle am unteren Ende der Skala rangierten. Die Muslime unter den Flüchtlingen würden ebenfalls mit Argwohn betrachtet, Christen und Jesiden hingegen mit viel Verständnis.

Im vergangenen Herbst seien die vom Balkan kommenden Zuwanderer abgestempelt worden, weil sie nur ihre Lebensverhältnisse verbessern wollten. Auch derzeit forciere die Politik unter dem Druck der großen Flüchtlingszahlen wieder die Unterteilung in Wirtschaftsflüchtlinge und Schutzbedürftige, kritisierte der Historiker.

„Es ist richtig, dass wir vereinfachen und Kategorien bilden. Sonst wäre die komplexe Welt gar nicht zu durchschauen“, räumte Oltmer ein. „Aber wir müssen uns diesen Mechanismus immer wieder bewusstmachen und bei Bedarf gegensteuern, um die pauschale Zuweisung angeblicher Gruppeneigenschaften zu vermeiden.“ (epd/mig)

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