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Umfrage

Deutsche Eliten lehnen Flüchtlingsobergrenze ab

Die Eliten der deutschen Wirtschaft und Politik sind gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Kurzfristig sehen sie die Flüchtlingsaufnahme zwar als Risiko an, doch langfristig sind sie weitaus optimistischer als die Bevölkerung.

Eine Mehrheit von 58 Prozent der deutschen Wirtschafts- und Politik-Eliten sind gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge. Gleichzeitig denken 85 Prozent, dass die Regierung den Flüchtlingszustrom nicht mehr unter Kontrolle hat, wie das „Capital-FAZ-Elite-Panel“ ergab, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. „Die Eliten sind sich einig, dass andere Wege als Obergrenzen gefunden werden müssen“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Umfrageinstituts IfD Allensbach, das die Erhebung gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und dem Wirtschaftsmagazin Capital durchgeführt hat.

„Bemerkenswert ist, dass die Eliten die Risiken der Flüchtlingskrise kurzfristig ebenso hoch, langfristig aber deutlich niedriger einschätzen als die Bevölkerung“, teilte Köcher mit. Sehen 72 Prozent der Führungsspitzen kurzfristig mehr Risiken im Flüchtlingszustrom als Chancen (19 Prozent), wendet sich das Verhältnis auf langfristige Sicht: 71 Prozent werten hier die Chancen höher, für 16 Prozent überwiegende Risiken. Die Bevölkerung sieht die Risiken sowohl kurz- (67 Prozent) als auch langfristig (51 Prozent) als größer an.

Obwohl nur etwas mehr als die Hälfte mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin einverstanden sind, bewerten 78 Prozent Angela Merkels (CDU) Kanzlerschaft rückblickend als gut (59 Prozent) oder sehr gut (19 Prozent). Ihr wird insbesondere ein hohes Durchsetzungsvermögen, hohe Glaubwürdigkeit und große Sachkenntnis bescheinigt. „Dass das Urteil über die Flüchtlingspolitik der Regierung gespalten ist, schadet dem Vertrauen in Kanzlerin Merkel offenbar nicht“, sagte Köcher.

Das Elite-Panel wird seit 1987 von der FAZ, Capital und dem IfD Allensbach erstellt. Teilnehmer der Umfrage, die von Mitte November bis Anfang Dezember durchgeführt wurde, sind 750 sogenannte „Top-Entscheider“ aus den Bereichen Politik und Wirtschaft. Darunter befinden sich etwa 70 Chefs von Firmen mit über 20.000 Beschäftigten, 22 Ministerpräsidenten und Minister sowie 44 Fraktions- und Parteispitzen. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. Volker K. sagt:

    Tja, die Spitzen der Wirtschaft und unsere so genannten Eliten haben ja auch langfristig nichts mit den Folgen der Flüchtlingswelle zu tun. Also warum sollten sie sich da Sorgen machen? Da kann man auch die Manager eines Fußballvereins fragen ob sie besorgt seien das in USA der Leitzins angehoben wurde. Kurzum: Einfach nur Propaganda um die Massen zu beruhigen, mehr nicht.

  2. Margit Stock sagt:

    Ich denke, dass Wirtschaft u. Politik einfach mehr Erfahrung haben. Als Bürger kann man immer einfach nörgeln. Ich bin froh, dass auch die Mehrheit der Bürger dies ebenfalls so sieht und die Flüchtlinge willkommen heißt.



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