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Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Ausstellung

"Ich wünsche mir Anerkennung und Würdigung"

Der Familiennachzug zu Flüchtlingen wurde eingeschränkt. Die Folgen solcher politischer Entscheidungen zeigt die Ausstellung „Generation Einskommafünf“ in Bildungsstätte Anne Frank. Dort kommen Kinder von einstigen Gastarbeitern zu wort, die in der Heimat bleiben mussten. Auch ihr Familiennachzug war Anfangs nicht gewollt.

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Ausstellung: "Generation Einskommafünf" in der Bildungsstätte Anne Frank

MiGAZIN: Frau Acet, Sie bemängeln, dass die Generation Einskommafünf bis heute unbeachtet geblieben ist in der politischen Diskussion. Was wünschen Sie sich?

Olcay Acet: Ich wünsche mir Anerkennung und Würdigung unserer Erlebnisse – für mich, für diese Gruppe und für alle anderen, die aufgrund politischer Entscheidungen von ihren Eltern zurückgelassen werden müssen oder Trennungen erfahren, weil politische Strukturen das erfordern.

Ich wünsche mir zudem, dass die Erfahrungen der Generation Einskommafünf mehr in die politischen Debatten einfließen, wenn es um Migration oder Integration geht; dass ein Auge auf die Kinder und die Familiengeschichte geworfen wird. Wenn ich mitbekomme, dass der Familiennachzug für Flüchtlinge verboten wird, regt sich ein großer Ärger und Unverständnis in mir. Längerfristig gesehen sind diese Kinder, die Trennungen erfahren, die Erwachsenen in der Zukunft mit Wunden in ihren Seelen.

MiGAZIN: Herr Fassing, wie sieht das Programm der Bildungsstätte in den nächsten Jahren aus? Gibt es Themenschwerpunkte, die verstärkt in den Fokus Ihrer Arbeit rücken werden?

Oliver Fassing: Zum einen eröffnen wir mit der Beratungsstelle „response. Beratung für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt“ die erste Einrichtung ihrer Art in Hessen, die auch aus der jahrelangen Arbeit der Bildungsstätte im Rahmen des „beratungsnetzwerks hessen – mobile Intervention gegen Rechtsextremismus“ hervorgegangen ist. Daran knüpft die Sonderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ an, die wir am 6. April, dem zehnten Todestag von Halit Yozgat, eröffnen werden. In der Ausstellung und ihrem Begleitprogramm möchten wir vor allem die Opfer des NSU, die Perspektiven der Angehörigen und weiterer Betroffener rassistischer Gewalt in den Vordergrund stellen.

Außerdem findet nächstes Jahr zum dritten Mal ein Plakatwettbewerb für junge Künstler statt, dieses Mal zum Thema Flucht & Asyl. Und wir organisieren in Kassel vom 9.-10. Juni 2016 die 7. Tagung der Reihe „Blickwinkel. Antisemitismuskritisches Forum für Bildung und Wissenschaft.“ Und dazwischen: Wie jedes Jahr, jede Menge Workshops mit Jugendlichen, Fortbildungen für Erwachsene… Wir haben eine Menge vor. (hs)

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