MiGAZIN

Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Ausschreitungen in Flüchtlingsunterkünften

Kriminologe warnt vor zunehmender Gewalt in Erstaufnahmestellen

Nach Ausschreitungen in Flüchtlingsunterkünften warnen Kriminologen vor möglichen weiteren Konflikten. Ursächlich dafür sei die gemeinsame Unterbringung von Konfliktgruppen. Auch die Langeweile steigere das Gewaltpotenzial.

VONCharlotte Morgenthal

DATUM21. August 2015

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Gesellschaft

SCHLAGWÖRTER ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Nach den Ausschreitungen in einer Flüchtlings-Erstaufnahmestelle im thüringischen Suhl hat der hannoversche Kriminologe Dirk Baier vor weiteren Konflikten gewarnt. „In den Einrichtungen treffen viele mögliche Auslöser aufeinander, da muss man sich nicht wundern, dass es zu gewalttätigen Konflikten kommt“, sagte der stellvertretende Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen dem Evangelischen Pressedienst. Bisher sei vergleichsweise wenig passiert, aber die Anzeichen für weitere Vorfälle mehrten sich.

Um derartige Konflikte zu vermeiden, müsse stärker darauf geachtet werden, verfeindete Ethnien und Gruppen getrennt voneinander unterzubringen, forderte Baier. „Unterschiedliche kulturelle oder religiöse Auffassungen können, wie in Suhl, schnell zu Auslösern für gewalttätige Konflikte werden.“ Auch Langeweile könne das Gewaltpotenzial der Menschen steigern. „In den Einrichtungen herrscht ein großes Maß an Nichtstun.“

Grund für ein erhöhtes Risiko von Gewalt und Aggression sei zudem, dass zwei Drittel der Bewohner männlich seien, sagte Baier. Weitere Auslöser seien etwa die beengten Wohnverhältnisse oder auch die Hitze der vergangenen Wochen. Um Ausschreitungen zu verhindern, müsse die Polizei zum einen in den Einrichtungen „Flagge zeigen“. Zudem müssten die Flüchtlinge schneller auf die Kommunen verteilt werden, wo sie längerfristig bleiben könnten.

Viele wollen keinen Konflikt
Dass es bisher bundesweit relativ wenige Vorfälle gegeben habe, liege vermutlich an dem Wunsch der Flüchtlinge, sich anzupassen. „Viele sind zunächst froh, in Deutschland und in Sicherheit zu sein und wollen daher nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen“, sagte der Kriminologe. Nach einer gewissen Zeit steige bei den Menschen aber die Unzufriedenheit. Manche fühlten sich dann gegenüber der deutschen Gesellschaft benachteiligt und stellten mehr Ansprüche.

Bei den Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen in einer Erstaufnahmestelle im thüringischen Suhl waren am Mittwochabend 15 Menschen verletzt worden. Der Polizei zufolge begann der Konflikt mit einem Streit über den Koran. Der Streit entwickelte sich den Angaben zufolge zu einer handfesten Auseinandersetzung, an der 100 Flüchtlinge beteiligt waren. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...