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[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

OECD-Studie

Migrantenkinder haben große Jobprobleme

Europaweit sind Migrantenkinder deutlich höher von Arbeitslosigkeit betroffen als Einheimische. In Deutschalnd klafft ebenfalls eine riesige Lücke – auch bei gebildeten Hochschulabsolventen. Laut OECD ist Diskriminierung die Ursache und die Nichtöffnung des öffentlichen Dienstes.

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Eine junge Frau © A6U571N auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Junge Menschen mit ausländischen Eltern haben in Deutschland und den übrigen EU-Ländern noch immer große Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag vergangener Woche in Paris und Berlin vorstellte. Demnach liegt die Jugendarbeitslosigkeit unter Einwandererkindern in Deutschland derzeit bei 15 Prozent. Bei jungen Menschen ohne Migrationshintergrund ist sie nur halb so hoch. Europaweit liegt die Arbeitslosigkeit bei 20 Prozent für Migrantenkinder und 14 Prozent für Einheimische.

„Die Länder machen nicht genug Fortschritte darin, Einwanderern und ihren Kindern bei der Integration zu helfen“, unterstrich OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Die Jobschwierigkeiten vieler im Inland geborener Einwandererkinder haben laut OECD mit einem niedrigen Bildungsgrad und schlechteren Startchancen, aber auch mit Diskriminierung zu tun. In Deutschland habe sich das Gefälle zwischen jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund seit dem Beginn der Wirtschaftskrise 2008 verschärft, so die OECD-Experten.

Auch die Einwanderer selber haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht. So seien Migranten mit Hochschulabschluss in Europa öfters arbeitslos als einheimische Akademiker, berichtet die OECD. Diejenigen mit Job seien häufig überqualifiziert und schlecht bezahlt – gerade, wenn sie im Ausland studiert hätten. „42 Prozent der hochqualifizierten Einwanderer mit ausländischem Abschluss haben Jobs, für die ein niedrigerer Bildungsgrad ausreichen würde“, erläutern die Pariser Experten.

Von einer besseren Integrationspolitik würden nicht nur die Migranten selbst, sondern auch die Wirtschaft und die Gesellschaft des Aufnahmelandes profitieren, betonte Gurría. Für Deutschland empfehlen die OECD-Fachleute unter anderem, mehr jungen Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Sektor eine Chance zu bieten. „In anderen Ländern wirkt dieser Sektor als starker Motor für Integration“, erläutern sie. (epd/mig)

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