MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Gegen den Trend

Russen stellen deutlich weniger Visaanträge

Die Zahl der Visaanträge aus Russland sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Ganz anders der weltweite Trend. Insgesamt wurden 3,4 Prozent mehr Visaanträge gestellt. Das teilt die Bundesregierung mit.

visum, visa, reisepass, vize, reisen, grenze, stempel, pass
Visum © Ken Mayer auf flickr, CC2.0, bearb. MiGAZIN

Die Zahl der durch deutsche Auslandsvertretungen weltweit erteilten Visa ist im Jahr 2014 um 3,4 Prozent auf 2,15 Mio. gestiegen. Gesunken hingegen ist die Zahl der abgelehnten Visumanträge auf 132.000 (Vorjahr: 195.000). Das entspricht einer Ablehnungsquote von 5,73 Prozent. Das teilt die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei mit.

Wie aus der Antwort allerdings auch hervorgeht, sind die Ablehnungsquoten nach Ländern differenziert höchst unterschiedlich. Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden und afrikanische Staaten fallen dabei mit hohen besonders Ablehnungsquoten auf. In Afghanistan etwa betrug die Ablehnungsquote 24,9 Prozent, in Pakistan 23 Prozent. In afrikanischen Ländern wie Guinea wurde fast die Hälfte aller Anträge negativ beschieden. Zum Vergleich: In der Türkei betrug die Ablehnungsquote vergleichsweise niedrige 6 Prozent und in Russland nur 2,5 Prozent.

Russland, China, Türkei

Auffällig ist aber, dass die Zahl der Visaanträge in Russland stark zurückgegangen sind von 488.000 im Vorjahr auf 442.000. „Das ist auch Ausdruck der massiv verschlechterten deutsch-russischen Beziehungen“, erklärt Sevim Dağdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Trotz starken Einbusen führt Russland aber die Liste der Länder mit den meisten Visumsanträgen an, gefolgt von China (340.000), der Türkei (223.000), Indien (132.000) und Ukraine (110.000). Über 90 Prozent der erteilten Visa weltweit waren Schengen-Visa und 9,6 Prozent nationale Visa für längerfristige Zwecke wie Familiennachzug, Erwerbstätigkeit oder Studium. Hier lag die Ablehnungsquote mit 9 Prozent deutlich höher als bei Schengen-Visa (5,35 Prozent).

Menschen ohne Chance auf Visum

Dağdelen kritisiert, dass es immer noch viele Menschen gibt, die faktisch keine Chance haben, ein Visum zu erhalten. „Das betrifft insbesondere junge, ledige Menschen in ärmeren Herkunftsländern und Personen ohne geregelte, hohe Einkünfte. Ihnen wird häufig pauschal und unbegründet eine fehlende ‚Rückkehrbereitschaft‘ unterstellt. Reisefreiheit darf aber kein Privileg für Besserverdienende sein“, so die Linkspolitikerin.

Tatsächlich wurde rund ein Drittel der ausgestellten Schengen-Visa an Geschäftsreisende (500.000) erteilt. An zweiter Stellen folgen Visa an Touristen (448.000) und Besuchsvisa (393.000). Dağdelen ist überzeugt: „Die deutsche Visumpraxis ist immer noch zu restriktiv und muss dringend erleichtert werden. An dem in einigen Visastellen bzw. bei einigen Mitarbeitern immer noch verbreiteten Geist der Abwehr muss sich dringend etwas ändern.“ (eb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

2 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. pojarkow sagt:

    Hier irrt Frau Dagdelen ausnahmsweise. Der Rückgang der Anträge ist (auch) auf die verstärkte Erteilung von Mehrjahresvisa zurückzuführen. Das bedeutet ja, dass diese Vielreisenden im kommenden Jahr keinen neuen Antrag stellen müssen und trotzdem reisen können.

    Schlimm ist allerdings, dass die EU einseitig das neue Visaerleichterungsabkommen ausgesetzt hat. Dadurch sind nun auch Russland-Reisende aus der EU erhöhter Bürokratie ausgesetzt.

  2. Die Erklärung mit den Anträgen auf Mehrfachvisa erscheint plausibel, wenn sie auch für Außenstehende nicht nachzuprüfen ist. Andersherum findet diese Vorgehensweise auch Anwendung: Viele Russland-Reisende, vor allem Geschäftsreisende, nutzen Visa zur mehrfachen Einreise. Wer Russland bereisen will, sollte sich von der Bürokratie nicht abschrecken lassen. Das Visum Russland zu erhalten, ist keine unüberwindbare Hürde. Und es lohnt sich.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...