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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Übrigens

Das menschlich Verpflichtende mit dem wirtschaftlich Nützlichen in Einklang bringen

Asylanten, Ausländer, Flüchtlinge, Migranten, Zuwanderer: Human und intelligent zugleich muss der Umgang mit ihnen werden. Fritz Goergen plädiert für einen Task Force „Jetzt und gleich“. Ein Vorschlag für Politiker mit Herz und Verstand.

MiGAZIN Kolumnist Dr. Fritz Goergen © privat, bearb. MiG
MiGAZIN Kolumnist Dr. Fritz Goergen © privat, bearb. MiG

VONFritz Goergen

Der Verfasser ist Kommunikations-Stratege und Publizist, war COO der FDP und CEO der Friedrich-Naumann-Stiftung.

DATUM18. März 2015

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RESSORTAktuell, Meinung

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Für 39 Prozent ist das wichtigste Thema „Ausländer, Asyl, Integration und Flüchtlinge“. Sagt mit dem neuesten ZDF-Politbarometer eines der bekanntesten deutschen Meinungs-Umfrageinstitute. Damit rangiert dieses Themenfeld deutlich vor dem von Euro, EU und Griechenland, das nur 21 Prozent als wichtigstes einstufen – Ukraine und Russland lediglich neun Prozent. Ob es in ihrem Umfeld Probleme mit Flüchtlingen gibt, verneint die Mehrheit.

Bund, Ländern und Gemeinden sollten einen unkonventionellen Weg gehen. In den Institutionen der Arbeitsvermittlung und Ausländerbehörden, bei Industrie-, Handels- und Handwerkerkammern, der Gewerkschaften und sicher noch anderswo lassen sich die Erfahrensten für eine Task Force „Jetzt und gleich“ finden. Für fliegende Teams zur schnellen, weil unbürokratischen Integration von Neuankömmlingen aller Art in die deutsche Gesellschaft. Zusätzlich brauchen die Teams Mitglieder, die mit den Angekommenen in ihrer Muttersprache kommunizieren.

Sofort nach ihrer Ankunft können diese Teams als erstes feststellen, welche Kenntnisse, Ausbildung, Neigungen und Begabungen die einzelnen haben. Unabhängig vom gesetzlichen Verwaltungsgang sollten jene, die für freie Arbeitsplätze geeignet sind, auf diesen ohne weiteren Zeitverzug beschäftigt werden. Für Unterkunft und Betreuung können die Teams der Task Force „Jetzt und gleich“ mit Unternehmen und Gemeinden, vor allem aber auch ehrenamtlichen Organisationen und Initiativen – von denen es viele gibt – flexible Lösungen finden.

Wo heute die schier unüberwindliche Hürde der amtlichen Anerkennung ausländischer Zeugnisse und Qualifikationsnachweise aus Hochqualifizierten aus anderen Ländern Taxifahrer machen und Sozialempfänger, können Fachbeurteilungs-Teams der Task Force „Jetzt und gleich“ den Weg zur direkten Aufnahme einer entsprechenden Tätigkeit freimachen. Die Verfahren können parallel nachholend stattfinden. Verwaltung darf keinen Vorrang haben, wo sie doch versagen muss, wenn Vorschriften immer nur für inländische „Normalfälle“ gemacht sind.

Für jugendliche Hinzugekommene gibt es unbesetzte Ausbildungsplätze, vorhandene Vorbehalte lassen sich systematisch ausräumen. Begleitende Pressearbeit sollte als Fähigkeit in jedem Team personell vorhanden sein. Es gibt arbeitssuchende Journalisten, vor allem auch freie Journalisten, die dringend mehr Aufträge brauchen.

Es gibt aber auch viele ältere Mitmenschen, die keinen neuen Job mehr kriegen, aber über profunde berufliche – auch sprachliche – Erfahrungen verfügen. Und sich nichts mehr wünschen, als wieder gebraucht zu werden. Viele von ihnen würden gern ehrenamtlich und nicht wenige gern gegen vergleichsweise bescheidene Bezahlung in den Teams der Task Force „Jetzt und gleich“ mitwirken.

Der wichtige Unterricht in deutscher Sprache kann für alle, die unbürokratisch ins deutsche Arbeits- und Ausbildungs-Leben integriert werden, auch von den Teams der Task Force „Jetzt und gleich“ für Einzelne und Gruppen ergänzend organisiert werden. Heute schon ist der Anteil der Zuwanderer in Vereinen im Steigen begriffen. Nicht zuletzt Jugendliche finden den Weg in Sportvereine und werden dort schneller akzeptiert als anderswo. Womit die vielfältigen Möglichkeiten der Teilnahme von neu Hinzugekommenen am ganz normalen Alltagsleben der Einheimischen nur beispielhaft beschrieben sind.

2,1 Kinder muss im Durchschnitt jede Frau zur Welt bringen, wenn eine Nation ihren Standard halten soll, gilt als Regel. Ob das auch noch Mitte des Jahrtausends gilt angesichts von eher noch schneller voranschreitender Automation und Roboterisierung, bezweifle ich. Aber bis auf weiteres werden Länder wie Deutschland wohl nicht weniger, sondern mehr Fachkräfte brauchen. Was auch immer die Regierungen gegen die Ströme von politischen wie wirtschaftlichen Flüchtlingen unternehmen, die Wanderungsbewegungen werden nicht aufhören.

Bringen wir also das menschlich Verpflichtende mit dem wirtschaftlich Nützlichen so weit wie nur möglich in Übereinstimmung. Die Zahl der Kommenden, mit denen das nicht geht, könnte sich als sehr überschaubar herausstellen.

Gestalten statt verwalten ist angesagt. Jetzt und gleich.

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Ein Kommentar
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  1. […] zu bringen, wo sie als Arbeitskraft oder auf Ausbildungsplätzen dringend erwünscht sind, ist mein Gegenvorschlag. Wer in unsere Arbeits- und Ausbildungswelt einsteigt, wird sich bald integrieren können. […]



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