MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Migration, Bildung und Ungleichheit

Welche europäischen Bildungssysteme bieten mehr Chancengleichheit?

Schüler mit Migrationshintergrund erbringen in Europa durchweg schlechtere Leistungen als einheimische Schüler. Die Unterschiede variieren jedoch von Land zu Land. Welches Schulsystem bietet nun relativ das höchste Maß an Chancengleichheit? Eine empirische Untersuchung.

VONCamilla Borgna

Die Verfasserin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt. In diesem Jahr wurde die Politologin an der Graduate School for Social and Political Sciences (GSSPS) der Universität Mailand promoviert.

DATUM28. Januar 2015

KOMMENTARE14

RESSORTLeitartikel, Politik

QUELLE Erstveröffentlichung: WZB Mitteilungen

SCHLAGWÖRTER , , , , , ,

Seite 1 2 3

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Aus theoretischer Sicht lässt sich zunächst vermuten, dass hinter der migrationsspezifischen Bildungsbenachteiligung ein Mangel an Kenntnissen in der Sprache des Ziellandes steht. Dies betrifft zwar vor allem Kinder, die bei der Einwanderung bereits zur Schule gehen, aber dieser Faktor kann auch die Leistung von Migrantenkindern beeinträchtigen, die im Zielland geboren oder sehr früh dort angekommen sind, wenn sie in den ersten Jahren nicht ausreichend Gelegenheit zur Interaktion mit Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund hatten. Nach meinen Befunden könnte der späte Beginn der Schulpflicht das scheinbare Paradox mancher skandinavischer Länder erklären, wonach die Gesamtschulstruktur im Primar- und unteren Sekundarbereich zwar die durch soziale Schichtzugehörigkeit hervorgerufenen Bildungsungleichheiten reduzieren kann, nicht aber im gleichen Maße die migrationsbedingten Disparitäten.

Interessanterweise haben Schüler mit Migrationshintergrund in Schweden, Dänemark und Finnland – wo die Schulpflicht mit sieben Jahren einsetzt – weitaus größere Lernschwierigkeiten als in Norwegen, wo die Kinder bereits mit sechs Jahren schulpflichtig werden. In der frühen Phase des Lernens kann ein so kurzer Zeitraum ausschlaggebend sein. Ebenso wichtig für die kognitive Entwicklung von Migrantenkindern kann der Zugang zu frühkindlicher Bildung sein: In Frankreich, wo fast alle Drei- bis Fünfjährigen eine Vorschule besuchen, ist migrationsspezifische Bildungsbenachteiligung geringer als in den französischsprachigen Kantonen der Schweiz, wo weniger als 40 Prozent der Kinder eine Vorschule besuchen.

Ein zweites Hindernis für den Bildungserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund ergibt sich aus der Tatsache, dass deren Eltern oft nur wenig über das Bildungssystem im Gastland wissen und welche impliziten Werte, kulturelle Normen und Erwartungen es beinhaltet. Bildungssysteme, in denen elterliche Entscheidungen wesentlich für das schulische Fortkommen der Kinder sind, verstärken daher tendenziell die Diskrepanz zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund. Insbesondere das frühe Aufteilen der Schüler in starre Bildungsgänge mit unterschiedlichen Lehrplänen kann zu Benachteiligungen führen, denn je früher diese Aufteilung stattfindet, desto wichtiger ist es, dass die Familien sich aktiv an dieser Entscheidung beteiligen.

In Deutschland und Österreich, wo die Schüler sich sehr früh zwischen akademisch orientierten und berufsorientieren Bildungsgängen entscheiden müssen, findet sich die überwältigende Mehrheit der Einwandererkinder in den Randbereichen des Schulsystems wieder. In diesen marginalisierten Schulen wird die ursprüngliche, migrationsbedingte Benachteiligung durch die geringe Qualität des Lernumfelds (Mitschüler, Lehrpersonal und Bildungsressourcen) noch verstärkt. Es überrascht daher nicht, dass es in Deutschland und Österreich auch deutliche Unterschiede zwischen den Bildungsleistungen von Schülern unterschiedlicher sozialer Herkunft gibt: Genau wie die Kinder von Einwanderern werden Kinder aus bildungsfernen Familien durch die frühe Selektivität dieser Systeme bestraft.

Dort, wo Wohngebiete segregiert sind, kann es sogar sein, dass Schüler mit Migrationshintergrund von vornherein in benachteiligte Schulen abgedrängt werden, noch bevor irgendeine Art von Aufteilung nach Bildungsgängen stattfindet. In Schweden und Dänemark zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, die leistungsschwächsten Schulen zu besuchen, für Migrantenkinder schon in der Grundschule viermal so hoch wie für Kinder ohne Migrationshintergrund. Entgegen der öffentlichen Meinung zeigen zahlreiche Studien aus den USA und Europa, dass sich Schulen mit einem hohen Anteil an Migranten nicht per se nachteilig auf die Leistungen ihrer Schüler auswirken. Vielmehr scheint es vor allem auf die sozioökonomische Zusammensetzung sowie auf die personellen und finanziellen Ressourcen dieser „Ghetto-Schulen“ anzukommen. Aufgrund von Wahlfreiheit und/oder Zuweisungsverfahren arbeiten an den Brennpunktschulen oft geringer qualifizierte Lehrkräfte. Zwar dürften die meisten Eltern solche Schulen als problematisch betrachten, aber nur denjenigen mit ausreichend zeitlichen, wirtschaftlichen und informationellen Ressourcen wird es gelingen, ihre Kinder an anderen Schulen unterzubringen. Das wiederum trägt dazu bei, die benachteiligte Schule noch weiter zu marginalisieren. Konzentrieren sich Einwandererfamilien also stark auf einkommensschwache Wohngegenden, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihre Kinder einem Lernumfeld niederer Qualität ausgesetzt sind.

Was folgt nun aus diesen Befunden für die Politik? Jedes Bildungssystem lässt sich als eine komplexe Konstellation von Elementen betrachten, die eingebettet sind in einen gesellschaftlichen und historischen Kontext. Der Versuch, ein Patentrezept zur Herstellung gleicher Bildungschancen zu finden, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dennoch ergeben sich aus der empirischen Forschung zur Bildungsbenachteiligung von Migranten drei wesentliche Erkenntnisse. Erstens sollten Bildungssysteme so gestaltet werden, dass Einwandererkinder so früh wie möglich integriert werden, um ihnen die Interaktion mit Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund zu erleichtern und so ihren Sprachschwierigkeiten entgegenzuwirken. Dies kann entweder durch ein Herabsetzen des Einschulungsalters geschehen oder durch die Bereitstellung von allgemein zugänglichen und hochwertigen Vorschuleinrichtungen. Beide Optionen fördern die Teilnahme von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Seite: 1 2 3
Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

14 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Akademikerin sagt:

    Der Beitrag entpuppt sich als reines Wunschdenken. Das Problem liegt darin, dass sich alles an den Leistungsschwachen orientiert, aber wer will das schon hören …
    Im Grunde ist es doch ganz einfach: Sage mir aus welchem Milieu Du stammst und ich sage Dir wie gebildet Du bist. Gebildete Eltern können Defizite der Schulen leichter ausgleichen als ungebildete. Das hat mit Selektion nichts zu tun, sondern mit der Erkenntnis, dass man selber anpacken muss und nicht auf den Staat vertrauen darf.

  2. H.P.Barkam sagt:

    Ein ausgezeichneter Beitrag, wie ich meine.

    @ Akademikerin
    … Das Problem liegt darin, dass sich alles an den Leistungsschwachen orientiert…

    Solch eine Aussage impliziert geradezu mund- und denkgerecht, dass Bildungswillige Kinder mit Migrationshintergrund grundsätzlich als Leistungsschwach angesehen und entsprechend abgewertet werden müssen.
    Und das Milieu grundsätzlich gleich Bildung ist, stimmt so auch nicht. Dies widerspricht absolut meiner Lebenserfahrung.
    Wenn Sie mit dem anpacken meinen, dass es noch einer großen langatmigen Anstrengung aller gesellschaftlichen Kräfte bedarf, Zuwanderern – vor allem deren Kindern – eine ordentliche Bildung für die Zukunft zu bieten, bin ich auf Ihrer Seite. Denn es ist leider so, dass eine kleine elitäre Zunft politisch Einflussreicher ihrer höchstens gleich intelligenten Nachkommenschaft den durch ein blödes Schulsystem gegebenen Vorsprung zu erhalten versucht (sie 3-Wege-Schulsystem – Abitur mit teurer Nachhilfe), den diese durch eigene Leistung kaum selbst erarbeiten kann.
    Immer noch zählen nämlich Vitamin B und Herkunft, weniger die Leistungsfähigkeit des Einzelnen in unserer Gesellschaft.

    In diesem Sinne

  3. Magistrat sagt:

    @“Akademikerin“

    “ Sage mir aus welchem Milieu Du stammst und ich sage Dir wie gebildet Du bist.“

    Bitte?? Da hat wohl jemand Bildung mit Einbildung verwechselt… Typisch ignorante Aussage aus dem bildungsverwöhnten Wohlstands-Millieu, das selbst regelmäßig auf Vitamin B, überteuerte Nachhilfe und systematische Unehrlichkeit vertraut.

  4. Akademikerin sagt:

    H.P Barkham

    1. Doch: Milieu ist gleich Bildung, ganz einfach weil die „Prägung“ eine ganz andere ist. Die „Eliten“, darunter sind auch Schullehrer- und Akademikerkinder zu verstehen, die oft aus weniger vermögenden Verhältnissen stammen als viele Migrantenkinder, wissen ganz genau, dass die „Schule“ nicht der Maßstab für den späteren „Beruf“ sein kann. Sie wissen auch, dass eine gymnasiale Ausbildung grundsätzlich nicht für das 0815-Berufsleben gedacht ist, sondern – eigentlich – für die Laufbahn im höheren Staatsdienst bzw. für die Tätigkeit an einer Universität. Wenn ich erst darauf warte, dass mich mittelmäßige oder schlechte Lehrer ausbilden, bin ich selbst schuld. Wenn Vitamin B wirklich so eine große Bedeutung hätte, müssten Migranten bei der Pisastudie besser abschneiden, um Ihrem Argument Substanz verleihen zu können. Das tun sie aber nicht. Die Unterschiede zwischen biodeutschen Schülern und Migrantenschülern sind so groß, dass dies nicht allein mit einer sozioökonomischen Besserstellung erklärt werden kann. Ich denke der soziokulturelle Faktor spielt eine wesentlich größere Rolle.

    2. Die Deutschen waren aufgrund der Armut ihres Landes, ihrer Städte und Regionen darauf angewiesen, lerntüchtig und erfinderisch zu sein, um zu Geld zu kommen. Das erklärt, wieso wir eine leistungsstarke Handwerker-, eine leistungsstarke Akademikerschicht und eine immer noch recht politunabhängige Juristen- und Beamtenschaft haben. Das hat sich halt so historisch entwickelt. Im Grunde liegt das Problem darin, dass es den neuen Milieus an „Tradition“ und know-how fehlt. So etwas erarbeitet man sich nicht in 50 oder 100 Jahren. Der „Staat“ kann diese Tradition nicht herbeizaubern.

    3. Beispiel: Ich kenne selbst tüchtige Kollegen mit Migrationshintergrund, die ernsthaft glauben, dass eine 1,0 oder eine 1,5 etwas Besonderes ist. Der Insider weiß, dass derartige Noten heutzutage derart inflationär vergeben werden, dass sie nicht mehr aussagekräftig sind. Er weiß genauso, dass „Titel“ in der eigentlichen Forschung nicht wichtig sind, sondern die konkreten „Ergebnisse“.

    4. Letztendlich schafft sich Deutschland auf dem Bildungssektor ab, da Leistungsstarke sich immer mehr an Leistungsschwachen orientieren müssen und Leistungsschwache ihrerseits überfordert werden, weil ihnen zu viel abverlangt wird. Beides führt zu einer ständigen Reduktion und Simplifizierung der Lehrinhalte. Schulen sind keine Sozialreparaturwerkstätten oder Institute zur Verwirklichung gesellschaftlicher Politutopien. Genauso wenig sind Universitäten eine verlängerte Werkbank der Industrie. Wenn ich das Geistesleben profitabel machen wollte, müsste ich 90% einer Bibliothek verbrennen, da die meisten dieser Bücher nur sehr sporadisch gelesen werden.

  5. u. h. sagt:

    Liebe Schreiber und Leser des Migazins!

    Jeder ist seines Glückes Schmied. Das gilt für den Migranten wie für den seit Jahrhunderten Deutschen. Da habe ich durch Zufall von einer Familie aus der Türkei erfahren. Die Gro0mutter kam ohne Deutschkentnisse hierher, damit die Familie nicht verhungerte. Ihre Kinder wurden mangels „höherer“ Bildung Arbeiter und legten Wert darauf, daß ihre Kinder nun das Abitur machten. Sie konnten ihnen die in deutschen Familien möglichen Hilfen nicht geben und auch keine Nahchilfe bezahlen – diese Generation wurde dann vielleicht als streberhaft angesehen. Trotzdem durften sie sich von ihren Lehrern Sätze anhören wie : „Das Abitur schaffst du nie!“ Das Ergebnis bei meiner “ türkischen“ Freundin war so, daß ihr ein Stipendium zugesprochen wurde. Nach der Abschlußprüfung ging sie in die Staaten, und nach ihren dortigen Erfahrungen gründete sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland einen (multinationalen oder deutschen?) Verein, der sich gerade um die zurückgesetzte Migrantenkinder kümmert. Daß meine Freundin nebenbei auch Artikel im MiGazin veröffentlicht hat, zeigt doch, wenn der Ehrgeiz da ist, kann man die Schule auch ordentlich schaffen – die Schülersind oft besser als ihre Lehrer: Nach einer Motivationsveanstaltung des Vereins für Schüler der 9. und 10. Klassen kam eine der Teilnehmerinnen zu den Veranstaltern und sagte dem Sinne nach: „Die Lehrer wollten mich auf die Förderschule schieken. Jetzt traue ich mir zu, das Abitur zu machen.“ – –
    Leider muß ich jetzt sehen, wie unser früher vorbildliches Schulsystem aus parteiideologischen Gründen zugrunde gerichtet wird. Jetzt muß jeder sehen, daraus für sich das beste zu machen und sein Glück zu schmieden. Wer wählt die Ideologen ab?

    Freundliche Grüße,
    u.h.

  6. Magistrat sagt:

    @Akademikerin

    So unwissend von der Realität kann nur jemand reden, der sie nicht kennt und sein „Wissen“ hauptsächlich aus Populärliteratur oder TV-Dokus bezieht. Sie bringen einfach viel zu viel durcheinander. Nur so viel: Von dem Satz „Türkische/Russische/… [oder andere Variable einsetzen] Kinder kommen nicht aufs Gymnasium. Ich empfehle Ihrem Kind höchstens die Realschule“ haben Sie wahrscheinlich noch nie gehört. Und doch fällt er regelmäßig, wenn ausländische Migrantenkinder, oder in Ihrer Sprache: „Milieukinder“, die Noten für den Übertritt schaffen. Das ist die tägliche Realität in deutschen Grundschulen. Hören Sie sich einfach mal ein bisschen um anstatt so pseudo-abgehoben daher zu reden.

  7. Akademikerin sagt:

    @Magistrat Ach ja, die „Opfer der Gesellschaft“ …

    So unwissend bin ich nicht, denn ich habe mit Bildungsverlierern jeden Tag beruflich zu tun. Was meinen Sie, was das für eine Freude macht, mit Studenten Umgang zu haben, die noch nicht einmal die Satzzeichensetzung beherrschen. Es ist schon erstaunlich, je mehr man Fachmann oder Fachfrau ist, umso mehr wird man als „unwissend“ hingestellt. Typisch Deutschland.

    PS: Einen Fernseher habe ich nicht.

  8. Cengiz K sagt:

    Wow, dass Deutschlands Mißstaände seit Jahren bekannt sind, hindert nicht daran über die gleichen Mißstände auch seit Jahren zu diskutieren.. open end selbstverständlich.. Gegen Zensur könnte was unternommen werden, gegen Verblödung nicht viel, leider..

  9. Magistrat sagt:

    @Akademikerin

    Nun gut, Ihre berufliche Erfahrung in allen Ehren. Ich bin dennoch nicht Ihrer der Gleichung „Milieu = Bildung“ einverstanden. Das verkennt einfach die insitutiutionell betriebene Diskriminierung, es sind so viele Faktoren, die ärmere Kinder systematisch benachteiligen (siehe mein Beispiel).

  10. Tai Fei sagt:

    Akademikerin sagt: 28. Januar 2015 um 19:32
    „…Wenn Vitamin B wirklich so eine große Bedeutung hätte, müssten Migranten bei der Pisastudie besser abschneiden, um Ihrem Argument Substanz verleihen zu können. Das tun sie aber nicht.“
    Das müssen Sie mir aber mal erklären. Wieso verfügen Migranten über Vitamin B?

    Akademikerin sagt: 28. Januar 2015 um 19:32
    Die Unterschiede zwischen biodeutschen Schülern und Migrantenschülern sind so groß, dass dies nicht allein mit einer sozioökonomischen Besserstellung erklärt werden kann. Ich denke der soziokulturelle Faktor spielt eine wesentlich größere Rolle.“
    Auch hier sollten Sie Ihre Behauptung mal statistisch untermauern. Es gibt nämlich etliche Migrantenschüler, die gleichgute oder gar bessere Ergebnisse als „Biodeutsche“ haben. Umgekehrt ist nachgewiesen, dass Sozialschwache, dazu gehören auch „Biodeutsche“ schlechter Ergebnisse erzielen.

    Akademikerin sagt: 28. Januar 2015 um 19:32
    „Die Deutschen waren aufgrund der Armut ihres Landes, ihrer Städte und Regionen darauf angewiesen, lerntüchtig und erfinderisch zu sein, um zu Geld zu kommen. Das erklärt, wieso wir eine leistungsstarke Handwerker-, eine leistungsstarke Akademikerschicht und eine immer noch recht politunabhängige Juristen- und Beamtenschaft haben. Das hat sich halt so historisch entwickelt.“
    Wieso war Deutschland ein armes Land. Deutschland ist mit Bodenschätzen recht gut ausgestattet, was die industrielle Revolution ja begünstigt hat. Und was die „unabhängige“ Juristen- und Beamtenschaft in der dt. Geschichte angeht, erklären Sie das mal bitten den Juden, Roma, Sinti, Polen und Russen.

    Akademikerin sagt: 28. Januar 2015 um 19:32
    „3. Beispiel: Ich kenne selbst tüchtige Kollegen mit Migrationshintergrund, die ernsthaft glauben, dass eine 1,0 oder eine 1,5 etwas Besonderes ist. Der Insider weiß, dass derartige Noten heutzutage derart inflationär vergeben werden, dass sie nicht mehr aussagekräftig sind.
    Sie sollten sich mal über die Richtlinien zur Zensurvergabe erkundigen. Sie scheinen hier das Opfer von Fehlinformationen zu sein. Davon abgesehen gilt in der gymnasialen Bildung schon seit längerem ein Punktesystem.

    Akademikerin sagt: 28. Januar 2015 um 19:32
    „4. Letztendlich schafft sich Deutschland auf dem Bildungssektor ab, da Leistungsstarke sich immer mehr an Leistungsschwachen orientieren müssen und Leistungsschwache ihrerseits überfordert werden, weil ihnen zu viel abverlangt wird. Beides führt zu einer ständigen Reduktion und Simplifizierung der Lehrinhalte. Schulen sind keine Sozialreparaturwerkstätten oder Institute zur Verwirklichung gesellschaftlicher Politutopien. Genauso wenig sind Universitäten eine verlängerte Werkbank der Industrie. Wenn ich das Geistesleben profitabel machen wollte, müsste ich 90% einer Bibliothek verbrennen, da die meisten dieser Bücher nur sehr sporadisch gelesen werden.“
    In dem Punkt gebe ich Ihnen sogar Recht. Das Problem ist aber politisch gewollt, sprich der Bildungssektor soll privatisiert werden. Deutschland schafft sich damit zwar nicht ab aber damit wird dem Vorschub geleistet, was im Artikel steht, die soziale Mobilität nimmt ab. Das betrifft jedoch alle sowohl „Biodeutsche“ als auch Migranten. Reiche werden sich auch zukünftig gute Bildung leisten können, Arme müssen sich mit der Rumpfbildung staatlicher Schulen zufrieden geben. Der große Gewinner ist hier die private Bildungsindustrie, die zwar gerne öffentliche Zuschüsse in Empfang nimmt, sich aus dem öffentlichen Dienstleistungssektor und ja Bildung ist eine Dienstleistung, verabschiedet hat


Seite 1/212»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...