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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Interreligiöser Dialog

Die katholische Kirche und der Islam

Vor einigen Jahren zog das ehemalige Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI. mit seiner Rede den Zorn vieler Muslime in der ganzen Welt auf sich. Seither sind hochrangige Vertreter der großen Religionen um einen interreligiösen Dialog bemüht, darunter auch Papst Franziskus, der am Wochenende die Türkei besuchen wird.

Seit der umstrittenen Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. hat das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Muslimen neue Aufmerksamkeit gefunden. Im September 2006 hatte das damalige Kirchenoberhaupt über Gewalt im Islam gesprochen. Dabei zitierte er den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350-1425): „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“

Die Rede löste heftige Reaktionen aus. Islamvertreter sprachen von einer „Hasspredigt“. In mehreren muslimischen Ländern kam es zu Demonstrationen und schweren Ausschreitungen. Der Vatikan wandte sich gegen Interpretationen, Benedikt XVI. habe sich die Aussagen des mittelalterlichen Kaisers zu eigen gemacht. Ein Jahr nach der Ansprache veröffentlichten 138 muslimische Theologen einen Appell zu einem verstärkten Dialog der Religionen.

Historisch waren die christlich-muslimischen Beziehungen zunächst geprägt vom Schock über die Ausbreitung der islamischen Reiche seit dem 7. Jahrhundert auf vormals christlichem Gebiet. In der Folge kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch zu friedlichem Miteinander und fruchtbarem Austausch. Über die Kirchenspaltungen hinweg waren sich die Christen indes einig, dass die Muslime vom wahren Glauben abgefallen seien.

Während die reformatorischen Kirchen schon mit der Entstehung der modernen Islamwissenschaft neue Zugänge zur islamischen Welt fanden, bedeutete auf katholischer Seite das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) eine entscheidende Wegmarke. In dem Konzilstext „Nostra Aetate“ betont die katholische Kirche die Gemeinsamkeiten von Juden, Christen und Muslimen in der Tradition des Glaubensvaters Abraham. Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog ist seither im ständigen Austausch mit hochrangigen Islamvertretern, ebenso der Ökumenische Rat der Kirchen.

Die Päpste haben seit Aufnahme ihrer Reisetätigkeit mehrere islamische Staaten besucht. Johannes Paul II. war unter anderem in Marokko, Nigeria und Indonesien. Wie schon sein Vorgänger besuchte Benedikt XVI. Ende November 2006 die Türkei. Papst Franziskus reiste nach Jordanien, in die Palästinensergebiete sowie in das mehrheitlich islamische Albanien. In seinem apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ heißt es, der wahre Islam sei gewaltlos. Nun besucht auch Franziskus die Türkei, wo das Oberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomäus I., seinen Sitz hat.

In Deutschland haben die katholischen Bischöfe vor mehr als 30 Jahren die Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle (Cibedo) eingerichtet. Themen des Dialogs sind zum Beispiel Integrationsfragen, religionsverbindende Ehen oder die Frage, ob Christen und Muslime gemeinsam beten können. Das Gebetstreffen, zu dem Franziskus im Juni den damaligen israelischen Präsidenten Shimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in den Vatikan einlud, hatte im Vorfeld Irritationen über ein mögliches gemeinsames Gebet ausgelöst. Bei der Begegnung beteten schließlich Juden, Christen und Muslime getrennt und nacheinander. (epd/mig)

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