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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Vielfalt macht Schule

Internationale Vorbereitungsklassen

In internationalen Vorbereitungsklassen werden neu zugewanderte Schüler an der Karl-Simrock-Schule in Bonn auf den Regelunterricht vorbereitet. Vor allem aber stellt die Schule einen ersten Anlaufpunkt bei der Eingewöhnung in die neue Umgebung dar.

VONAnna Brunner

Die Verfasserin studierte von 2010 bis 2012 M.A. Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen an der Universität Osnabrück und von 2007 bis 2010 B.A. European Studies an der Universität Passau. Derzeit ist sie in Bonn wohnhaft, wo sie sich weiterhin für Initiativen rund um die Themen Migration, Integration sowie Entwicklungspolitik interessiert und engagiert.

DATUM31. Oktober 2014

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Am 20. August hat in Nordrhein-Westfalen die Schule wieder angefangen. Jeder Schuljahresbeginn bedeutet für Lehrer und Schüler eine Zeit des Sich-aufeinander-Einspielens. Dies gilt insbesondere für internationale Vorbereitungsklassen. Hier sollen neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in kleinen Klassen von etwa 15 Schülern auf den Übergang in die Regelklasse vorbereitet werden.

Ulrike Lechner ist Lehrerin in einer internationalen Vorbereitungsklasse an der Karl-Simrock-Schule für Berufsorientierung in Bonn, an der drei der derzeit 13 entsprechenden Klassen in Bonn beheimatet sind. Der Hintergrund der Schüler könnte gemischter kaum sein. Jugendliche aus Griechenland oder Spanien, deren Eltern ihr Glück nach der Wirtschaftskrise auf dem deutschen Arbeitsmarkt versuchen, lernen hier neben Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien, für die der Unterricht von Frau Lechner teilweise der erste Kontakt mit Schule überhaupt ist.

Die Schüler sind zwischen elf und fünfzehn Jahren alt und bringen die unterschiedlichsten Voraussetzungen mit, da ist es nicht leicht, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Bewährt haben sich Patenschaften zwischen den Schülern, in denen den Neuen geholfen wird, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden. Die Schüler helfen sich gerne gegenseitig bei der Bewältigung differenzierter Wochenpläne und zeigen große Lernbereitschaft, Probleme mit Schwänzen oder Zuspätkommen gibt es kaum. Durch dieses Miteinander entwickelt sich ein positives Klassenklima, das man Frau Lechner bei ihren lebendigen Erzählungen auch anmerkt. Da sie selbst mit ihren eigenen Kindern in drei verschiedene Länder umgezogen ist, kann sie sich gut in ihre Schüler hineinversetzen und so eine wichtige Grundlage für ein gutes Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern schaffen.

In diesem Schuljahr sind noch sechs der Schüler, die sie im letzten Jahr unterrichtete, in ihrer Klasse und nicht immer fällt es leicht, die Schüler weiterziehen zu lassen. Doch die Lehrer der Vorbereitungsklassen stehen in täglichem Austausch und unterrichten zum Teil auch in den jeweils anderen Klassen. So ist eine kontinuierliche Begleitung der Schüler bei einem Wechsel in die nächste niveauhöhere Vorbereitungsklasse und schließlich den Regelunterricht gewährleistet. Zudem werden Praktika organisiert, in denen die Schüler den Unterricht in den nächsten Klassen kennenlernen können.

In der Regel verbringen die Schüler etwa ein Jahr in Vorbereitungsklassen. In dieser Zeit findet gezielte Alphabetisierung und der Erwerb von Fachvokabular für die unterschiedlichen Unterrichtsfächer statt. Vor allem aber stellt die Schule einen ersten Anlaufpunkt bei der Eingewöhnung in die neue Umgebung dar. Wer sich mit der Umzugsentscheidung identifizieren kann, dem gelingt es leichter, Anschluss zu finden. Besonders wichtig sei hier auch die Arbeit des Christlichen Vereins Junger Menschen, bestätigt Frau Lechner. Der CVJM Bonn steht Längerem in Kooperation mit der Karl-Simrock-Schule und führt seit dem letzten Schuljahr ein Projekt zur Institutionenschulung durch, das durch den außerschulischen Kooperator Sterntaler Bonn e.V finanziert wird.

Mit sechs Schülern fing das Projekt im September an, Ende des Schuljahres waren es bereits 15 bis 20 Schüler, die gemeinsam verschiedene Jugendtreffs sowie Freizeit- und Beratungseinrichtungen kennenlernten. Erste Kontakte wurden auch während der Diakoniewoche im September des vergangenen Jahres geknüpft, in der Jugendliche beispielsweise auch in Altersheimen Freiwilligendienst leisteten und so eine stärkere Einbindung in die Jugendarbeit des CVJM stattfand. Besonders freute es Juliane Strub, die im letzten Schuljahr für das Projekt verantwortlich war, dass vier Schüler aus internationalen Vorbereitungsklassen an der Ferienfreizeit auf Korsika teilnehmen konnten.

Seit 1982 gibt es an der Karl-Simrock-Schule Internationale Vorbereitungsklassen, seither hat sich vieles getan. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Schulen auf eine zunehmend plurinationale und somit auch mehrsprachige Schülerschaft einstellt, sind Sprachfeststellungsprüfungen. So können Leistungen in der Muttersprache honoriert und anstatt Englisch bei der Versetzung berücksichtigt werden.

Mittlerweile gibt es in Bonn 7 internationale Vorbereitungsklassen an Hauptschulen, 4 an Realschulen und 2 an Gesamtschulen. An Gymnasien gibt es in Bonn keine entsprechenden Klassen, jedoch haben ehemalige Schüler internationaler Vorbereitungsklassen später auf ein Gymnasium gewechselt, und die schulformübergreifende Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut.

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