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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

V-Mann Felten

Europa liebt seine Migranten

V-Mann Felten war im deutschen WM-Quartier in Brasilien, um die Spieler unter die Lupe zu nehmen. Er sah Spieler aus Polen, Ghana, Türkei, Tunesien und Bayern; deutsche Spieler waren in der Minderheit.

VONWerner Felten

 Europa liebt seine Migranten
Der Autor übernahm 1999 die Leitung des ersten türkischsprachigen Radios in Berlin. Von Radio hatte er eine Ahnung, von Türken nicht. Radio ist Radio dachte er sich. Das änderte sich aber schlagartig am 11.9.2001, als die Deutschen entdeckten, dass die Türken Muslime sind. Da ging es dann mit Integrationsdebatten los. Felten fand sich schnell in unzähligen Debatten, Gipfeln und Podiumsdiskussionen zu diesem Thema wieder. Ihn wunderte es, dass seine von ihm geschätzten türkischen Kollegen, Mitarbeiter und Freunde auf einmal alle Problemfälle sein sollten. Nachdem er 2007 die Leitung des Radiosenders abgegeben hatte, veröffentlichte er sein Buch „Allein unter Türken“, in dem er auf die Absurditäten der Debatte über die Integration hinwies. Heute schreibt er u.a. für die Deutsche Welle, moderiert und macht Comedy zum Thema Integration. Felten lebt gerne in Berlin, auch wenn er manchmal überlegt, ob er in die Türkei emigrieren solle.

DATUM27. Juni 2014

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RESSORTAktuell, Meinung

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Waren das noch Zeiten: Bei der Fußball WM 1998 in Frankreich schoss der tunesischstämmige Franzose Zinedine Zidane im Finale gegen Brasilien Les Bleus mit zwei Toren in Führung. Als dann Emmanuel Petit mit dem Dritten alles klar machte, begeisterte sich der Fernsehkommentator des französischen Staatsfernsehens: „Endlich schießt auch mal ein Franzose ein Tor.“

Auch bei der jetzigen WM in Brasilen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Franzose für die Grand Nation ein Tor schießt, gering. Denn mehr als die Hälfte der Équipe Tricolore ist nicht französischer Herkunft.

Ganz weit vorne mit ihrer Migrationspolitik sind die Schweizer. Sie schicken ihre eigenen Landessöhne lieber zur Schweizer Garde in den Vatikan zur Bewachung des Papstes. Zum Fußballspielen nehmen sie die viel talentierteren Söhne ihrer Migranten. Da rennt kein Egli, Xaver oder Johann auf dem Platz, sondern Diego Benaglio, Ricardo Rodriguez, Xherdan Shaqiri oder Josip Drmic. Und schon klappt’s, die Eidgenossen sind im Achtelfinale.

Bei den Italiener ist allerdings etwas schiefgelaufen, ein Migrantensohn von ghanaischen Eltern macht noch keinen WM Titel aus. Hätten sie lieber mal bei den Niederländern vorbeigeschaut. Die haben die richtige Mischung aus Ureinwohner ihres Landes und dem Schatz ihrer Kolonien hingekriegt.

Und die Engländer? Die können so viele Migranten einsetzten, wie sie wollen, ausscheiden tun sie eh. Außerdem waren Inder noch nie gute Fußballspieler.

Natürlich wie immer ganz vorne, nicht nur bei Exportieren von Waffen: Deutschland. Die Mannen um Jogi Löw haben die Schätze an Fußballern aus vielen Ländern um sich geschart: Polen, Ghana, Türkei, Tunesien, Albanien und Bayern.

Übrigens der Bundestrainer stammt nicht aus Indien, sondern aus dem Schwarzwald. Und natürlich wird Deutschland Weltmeister so wie 1994, 1998, 2002, 2006 und 2010.

Damit sich auch alle wohlfühlen, ist irgendeinem, wahrscheinlich ein Mitarbeiter aus der Integrationsindustrie, die selten dämliche Idee gekommen, Deutschland jetzt Schland zu nennen. Da stört es auch keinen Politiker von der CDU, wenn Mesut Özil wieder einmal die Nationalhymne nicht mit singt. Denn wer kennt schon den Text der Schland-Hymne?

Egal wie er ausgeht, eine europäische Mannschaft wird in Rio Weltmeister werden. Stammen doch die Südamerikaner von den Europäern ab.

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3 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. pierpalla sagt:

    Oder besser gesagt, es wird eine afrikanische Mannschaft gewinnen, da wir alle ursprünglich aus Afrika abstammen.
    Danke für den tollen Beitrag, weiter so.

  2. H.P.Barkam sagt:

    „Ich habe in meinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht – bin ich dann ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke? Warum denken wir immer so in Grenzen? Ich will als Fußballer gemessen werden – und Fußball ist international, das hat nichts mit den Wurzeln der Familie zu tun.“
    – Mesut Özil[10] aus Wikipedia zitiert.

    Wieso also sollte Herr Özil, dessen familiäre Wurzeln in der Türkei zu finden sind und dem dazu auch noch eine doppelte Staatsbürgerschaft verwehrt wird, ein nationalistisches Liedchen mitsingen, nur weil der DFB einen guten Fußballer zur Eigenwerbung (aus-) nutzen möchte.
    Seien wir doch froh, dass sich trotz des miesen rassistischen Verhaltens gerade auch vieler sogenannter Fußballfans, selbstbewusste multikulturell reife Menschen bereit erklären, ohne nationalistisches Gedankengut einfach nur guten Fußball zu zeigen.
    Und wenn sie es dann auch noch für ‚unser‘ Deutschland tun, um so besser.

    In diesem Sinne

  3. Songül sagt:

    Verstehe ich nicht …

    Ganz ehrlch Herr Felten, ich hätte eher erwartet, dass Sie diesen Kommentar scharf kritisieren, als dass sie ihre Argumentation auf diesen aufbauen. Oder ist der französische Nationalspieler Zidane etwa kein vollwertger Franzose?

    So einen Kommentar hätte sich ein deutscher Kommentator nicht erlauben dürfen …



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