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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Übrigens

Schweizer Fernsehen übt Selbstkritik

Bei negativen Berichten über Zuwanderer spielt deren Herkunft meist die Hauptrolle, in positiven Berichten bleibt die Herkunft unerwähnt, die Gelobten werden journalistisch assimiliert. Fritz Goergen hat die Selbstkritik des Schweizer Fernsehens – ein Novum – unter die Lupe genommen.

VONFritz Goergen

 Schweizer Fernsehen übt Selbstkritik
Der Verfasser ist Kommunikations-Stratege und Publizist, war COO der FDP und CEO der Friedrich-Naumann-Stiftung.

DATUM18. Juni 2014

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RESSORTAktuell, Meinung

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Der seltene Fall ist eingetreten. Eine TV-Anstalt kritisiert sich selbst – im eigenen Magazin (3/2014) des Schweizer Fernsehens (SRF) steht: „Migranten sind ein Problem. Dieses Bild vermitteln die Schweizer Medien von einem Viertel der Bevölkerung, das sie zudem kaum zu Wort kommen lassen.“

In der ausführlichen Titel-Story berichtet das Magazin von mehreren aktuellen Studien über das weitgehende Ausklammern und die einseitige Darstellung von Zuwanderern. Für die Schweizer BILD, den „Blick“, wird dieser Befund genau so getroffen wie für die Schweizer FAZ, die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

An den Integrationsauftrag des SRF als Staatsrundfunk und –fernsehen erinnert das Magazin. Auch an den Bericht der Eidgenössischen Kommission für Migration von 2007, der damals eine überproportionale Vertretung von Migranten bei negativen Berichten konstatierte. Wogegen in positiven Berichten sportlich und wirtschaftlich erfolgreicher Zuwanderer die Herkunft unerwähnt blieb, die Gelobten journalistisch sozusagen eingeschweizert wurden.

„Auch von der internationalen Beratungsfirma Media Tenor wurde Kritik laut“, berichtet das SRF-Magazin, „in über 80 Prozent aller SRF-Nachrichten seit 2006, in denen von Ausländern die Rede war, seien diese ‚vorrangig als Problem präsentiert‘ worden, schrieb Media Tenor am 7. Februar 2014, zwei Tage vor der Abstimmung über die Einwanderungsinitiative der SVP. Und weiter: Solange dies so sei, ‚wäre jeder Entscheid zugunsten der Ausländer eine Überraschung‘. Media Tenor sollte Recht behalten.“

Warum das Medienbild so entscheidend ist, dazu zitiert das SRF-Magazin aus dem schon genannten Bericht der Eidgenössischen Kommission: „Die Medien prägen das Bild mit, das ‚wir‘ von den Zugewanderten haben. Vor allem Personen, die wenig direkten Kontakt mit Zugewanderten haben, stützen sich bei ihrer Meinungsbildung auf mediale Inhalte.“

Ich erinnere mich an keinen Fall solch offener Kritik in der Publikation einer anderen Fernseh- und Rundfunk-Einrichtung. Das lässt jedenfalls für die Themenauswahl und Tonalität des SRF hoffen. Fängt eine TV-Anstalt in Europa mit ausgewogener Themenpolitik an, werden andere nachziehen, auch wenn es dauert.

Dass es dauern wird, müssen wir aus der im SRF-Magazin auch zitierten Reaktion der eigenen Fernseh-Oberen schließen. Der Chefredakteur TV etwa sagt: „Dass wir wenig über Ausländer in der Schweiz berichten, würde ich allerdings glatt bestreiten.“ Allerdings sagte er auch, dass er die Studien im Detail nicht kennt. Und meinte, „dass Migranten selbst tendenziell zu wenig zu Wort kommen in den Beiträgen über sie.“ Das ist doch ein Anfang. Und die Studien kann er ja noch studieren.

Wie wirkungsvoll Medien-Berichterstattung ist, zeigt der Blick auf die gestiegene Zuwanderung nach Deutschland und die gesunkene nach Spanien aufgrund der Zahlen der OECD. Bewerten die Medien die Wirtschaftslage eines Landes negativ, kann dieses keine qualifizierten Migranten gewinnen. Im Gegenteil, es verliert gerade qualifizierte und junge Auswanderer, was die eigene Lage eher weiter verschlechtert. Die Medien tragen eine größere Verantwortung, als ihnen oft bewusst ist.

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