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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Gaucks Rede

Ein Paradigmenwechsel?

„Es gibt ein neues deutsches Wir“, erklärte der Bundespräsident Joachim Gauck am Donnerstagvormittag im Schloss Bellevue. Manche sprechen bereits von einem Paradigmenwechsel. Doch seine Rede ist wohl eher ein Ankommen in der Realität als eine bahnbrechende Revolution. Ein Kommentar von Hakan Demir.

VONHakan Demir

 Ein Paradigmenwechsel?
Der Autor ist Mitherausgeber des MiGAZIN

DATUM23. Mai 2014

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RESSORTAktuell, Meinung

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In der Wissenschaft sprechen Forscher von Paradigmenwechseln, wenn ein grundlegender Wandel oder gar eine Revolution der Rahmenbedingungen einer Theorie oder einer Aussage stattfindet. Die Gauck-Rede anlässlich des 65. Jahrestags des Grundgesetzes und Einbürgerungsfestaktes am Donnerstag im Schloss Bellevue gehört nicht dazu.

Denn Gaucks Rede wird weder einen revolutionären Wandel des öffentlichen Diskurses anstoßen noch war sie selbst revolutionär mit Blick auf die Migrations- und Integrationspolitik. Sie stellt eine Reform des Vorhergesagten dar. Und eine Reform ist eine Änderung mit kleinen Schritten, wenn man in diesem Fall nicht eher von einem gähnenden Tempo hin zu einer tatsächlichen Einwanderungsgesellschaft und -diskurs sprechen will.

Dessen ungeachtet hat Gauck in seiner Rede einen wichtigen Schritt hin zur gesellschaftlichen Realität unternommen: Der Bundespräsident gestand sich und der deutschen Gesellschaft ein, dass Deutschland ein neues „Wir“ hat und es immer vielfältiger wird.

„Hören wir auf, von ‚wir‘ und ‚denen‘ zu reden. Es gibt ein neues deutsches ‚Wir‘, die Einheit der Verschiedenen. Und dazu gehören Sie genauso selbstverständlich wie ich“, so Gauck.

Dieser Satz ist weder bahnbrechend noch allzu mutig. Doch er ist notwendig und ist wie ein Gläschen Wasser für die trockenen Kehlen der Menschen, die seit Jahren für die nötige Anerkennung in diesem Land kämpfen – für einen gleichberechtigten Zugang zu Arbeit, Bildung und Politik.

Der Bundespräsident erkennt mit seiner Rede die Lebenswirklichkeit in der Einwanderungsgesellschaft an. Eine Vision, eine Handlungsempfehlung zu konkreten politischen Fragen hat er an diesem Tag nicht, aber er hat eine klare Überzeugung von einem neuen Deutschland. Die Quintessenz seiner Rede fällt auch deshalb ebenso einfach wie genial aus: Deutschland bzw. der Bundespräsident sagt „ja“ zu den Einwanderern.

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Ein Kommentar
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  1. Ochljuff sagt:

    Naja, die Anerkennung hält sich aber offensichtlich in grenzen, wenn immer noch betont werden muss (seinerseits), dass Zuwanderung nur auf gemeinsamer Anerkennung der Gedanken des Grundgesetzes stattfinden müsste. Diese Verquickung ist doch selbstverständlich, warum wird dies immer wieder beim Thema Zuwanderung aufgewärmt? Das impliziert doch immer erneut, dass es eben nicht so sein könnte, dass dies ausdrücklich erwähnt werden muss. Und das ist kein positiver Effekt für eine Willkommenskultur, sondern im gegenteil: destruktiv.

    Ich würde mir wünschen, dass das Thema „zu den Leitgedanken des Grundgesetzes stehen“ vom Bundespräsidenten lieber in anderen Zusammenhängen thematisiert würde. Z.B. wenn die Bundesregierung ihre Bürger ausspioniert. Oder Bundestagsabgeordnete wieder mit kruden Ideen auffallen, wie die Nichtbezahlung von notwendigen Gesundheitsmaßnahmen für alte Menschen, oder die Asylpolitik…
    Da ist aber Schweigen im Walde bei Herrn Gauck, oder er verteidigt sogar grundgesetzwidrige Politik.



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