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Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Lebenslage junger Erwachsener

Junge Migranten erzielen immer höhere Bildungsabschlüsse

Junge Menschen erzielen immer bessere Schulabschlüsse. Das gilt besonders für Jugendliche mit ausländischen Wurzeln, wie neue neuen Zahlen zur Lebenslage junger Erwachsener in NRW zeigen. Gleichzeitig steigt aber für die gering qualifizierten jungen Erwachsenen das Armutsrisiko.

39,0 Prozent der jungen Männer hatten im Jahr 2012 eine Hochschulreife (2005: 35,9 Prozent) und 48,9 Prozent der jungen Frauen (2005: 41,1 Prozent). Der Anteil der jungen Männer mit Hauptschulabschluss ist von 25,3 auf 21,7 Prozent zurückgegangen, bei Frauen von 18,0 auf 14,2 Prozent. Noch deutlicher ist der Trend bei den gleichaltrigen Migranten: Bei ihnen ist der Anteil mit einer Hochschulreife von 28,7 auf 35,3 Prozent gestiegen, der Anteil mit Hauptschulabschluss von 31,3 auf 24,0 gesunken.

„Insbesondere vor diesem Hintergrund kann ich nicht verstehen, warum sich Unternehmen über mangelnde Qualifikation von Schulabgängern beklagen“, erklärte Nordrhein-Westfalens Integrations- und Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag in Düsseldorf. „Künftig kommt es auf jeden einzelnen jungen Menschen an. Die Unternehmen sollten die Potenziale der jungen Leute erkennen und ihnen eine Chance geben.“ Ende 2012 lebten in NRW rund 2,6 Millionen junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren (14,4 Prozent der Gesamtbevölkerung). Berechnungen zufolge wird ihre Zahl auf 2,0 Millionen im Jahr 2030 zurückgehen.

„Eine gute schulische und berufliche Bildung ist letztlich auch ein Schutz gegen unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Erwerbslosigkeit“, so Schneider. So zeigen sich gerade bei der atypischen Beschäftigung (Teilzeit, geringfügige Jobs und Befristungen) deutliche Unterschiede nach Qualifikationsstufen: Bei den gering qualifizierten jungen Erwachsenen beträgt der Anteil dieser Beschäftigungsformen mehr als die Hälfte und ist weiter gestiegen (von 51,7 Prozent im Jahr 2005 auf 52,3 Prozent in 2012). Bei den Qualifizierten und hoch Qualifizierten ist er dagegen gesunken von 32,3 auf 29,4 Prozent bzw. von 39,5 auf 31,4 Prozent.

Download: Die Kurzanalyse „Lebenslage junger Erwachsener“ ist Teil der Sozialberichterstattung NRW, im Internet zu finden unter sozialberichte.nrw.de.

Arbeitslosigkeit
Überdeutlich wird der Unterschied bei den Erwerbslosenquoten: Bei den gering qualifizierten jungen Erwachsenen sind diese 2012 mit 32,4 Prozent nach wie vor sehr hoch. Allerdings gab es gegenüber 2005 einen leichten Rückgang um 4,7 Prozentpunkte. Dagegen hat sich die Erwerbslosenquote bei den Qualifizierten nahezu halbiert (von 12,7 auf 6,5 Prozent) – und bei den Hochqualifizierten sogar von 6,1 auf 1,8 Prozent reduziert.

Über alle Qualifikationsgruppen hinweg fällt auf, dass bei den jungen Erwachsenen die befristete Beschäftigung eine große Rolle spielt: 21,5 Prozent von ihnen haben ein befristetes Arbeitsverhältnis, bei den über 30-Jährigen nur sechs Prozent. Minister Schneider: „Diese berufliche Unsicherheit trägt offenbar dazu bei, dass weniger junge Erwachsene bereit sind, eine Familie zu gründen.“ Von 2005 bis 2012 ist der Anteil unter 30-jähriger Männer, die in einer Paarbeziehung mit einem oder mehreren Kindern leben, von 8,3 auf 6,6 Prozent gesunken; bei den Frauen sogar von 16,8 auf 13,1 Prozent. (etb)

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