MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Nach "Wer betrügt, der fliegt."

Bundesbürger halten Zuwanderung für größtes Problem

Erstmals steht die Zuwanderung im ZDF Politbarometer bei der Frage nach dem wichtigsten Problem in Deutschland an erster Stelle. Zurückzuführen ist das auf die von der CSU angestoßenen Debatte um vermeintliche Armutseinwanderer – alles andere als Willkommenskultur.

Die kurz vor dem Jahreswechsel von der CSU angestoßene Debatte über vermeintliche Armutseinwanderer zeigt Wirkung. Das Thema Zuwanderung steht im ZDF Politbarometer zum ersten Mal bei der Frage nach dem wichtigsten Problem in Deutschland an erster Stelle. Mit 22 Prozent hat es im Vergleich zum Dezember (10 Prozent) stark an Bedeutung gewonnen und liegt nun knapp vor dem Bereich Arbeitsmarkt und Jobs (21 Prozent).

Seit dem 1. Januar 2014 gilt innerhalb der EU auch für Rumänen und Bulgaren die volle Freizügigkeit. Zwar stimmen mit 56 Prozent die meisten darin überein, dass Deutschland generell die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte braucht (nicht: 38 Prozent; weiß nicht: 6 Prozent), dennoch rechnet rund die Hälfte der Befragten (51 Prozent) bei einer verstärkten Zuwanderung von Bürgern aus diesen Ländern eher mit Nachteilen. Nur 10 Prozent erwarten dadurch Vorteile, und 35 Prozent glauben, dass sich Vor- und Nachteile ausgleichen werden (weiß nicht: 4 Prozent).

CSU Vorwurf ohne Grundlage
Der erhobene Vorwurf, dass viele dieser Zuwanderer nur nach Deutschland kommen, um Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen, wird von 62 Prozent geteilt, knapp ein Drittel (32 Prozent) der Befragten glaubt, dies komme nicht häufig vor (weiß nicht: 6 Prozent). Dabei zeigen offizielle Zahlen der Bundesregierung sowie zahlreiche Studien, dass diese Angst unbegründet ist. Ganz im Gegenteil: Vielmehr profitiert Deutschland von der Einwanderung aus diesen Ländern und kann so den Fachkräftemangel abmildern.

Wieso die CSU dennoch und trotz heftiger Kritik an seinem zugespitzt formulierten Slogan – „Wer betrügt, der fliegt“ – festhält und weiter Stimmung gegen die Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien macht, wirft Fragen auf. Eine mögliche Erklärung sind die im März anstehenden Kommunalwahlen. Mit einer ausländerfeindlichen Politik wolle die CSU verhindern, dass rechte Parteien in die Stadträte ziehen. Kritiker dieser Strategie wenden jedoch ein, man könne das Erstarken rechtsextremer Parteien nicht damit verhindern, indem man Wasser auf deren Mühlen gieße. So begebe man sich in einen Teufelskreis.

Fatale Folgen
Außer Frage dürfte jedenfalls stehen, dass die CSU mit ihrer Politik gegen Bulgaren und Rumänen der vielfach geforderten Willkommenskultur großen Schaden zugefügt hat, ebenso dem Bemühen Deutschlands, Fachkräfte aus dem Ausland anzuziehen. Wenn deutlich mehr als die Hälfte der Bundesbürger Einwanderern misstrauisch begegnen und meinen, sie bringen nur Nachteile, dürfte das zudem integrationspolitisch fatal sein. Dabei waren Ausgrenzung, Benachteiligung oder gar Gewalt gegen Ausländer auch schon vor dem CSU-Slogan ein großes Problem, dass nach dem CSU-Slogan sicher nicht kleiner geworden ist. (bk)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

3 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. […] dass im ZDF Politbarometer Zuwanderung bei der Frage nach dem wichtigsten Problem in Deutschland erstmals an erster Stelle […]

  2. non-german sagt:

    Schön, dass man uns nach Jahrzehnten immer noch als ein Problem sieht, aber es geht noch schlimmer. Auf der offiziellen Webpräsenz des Bundesministeriums für Verteidigung ist der Jahresbericht der Jungoffiziere 2012 zu finden, in dem Migration als eine Bedrohung für Deutschland gesehen und im gleichen Atemzug mit internationalem Terrorismus genannt wird.

  3. […] befürchten, durch billigere Einwanderer ausgetauscht zu werden. Wie das ZDF Politbarometer zuletzt zeigte, halten Bundesbürger die Zuwanderung derzeit sogar für das größte Problem in […]



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...