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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Viele Umfragen

Einwanderung ist Zukunftsthema

Das Thema Einwanderung steht derzeit hoch im Kurs. Eine Umfrage jagt die andere – mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen. Brauchen deutsche Unternehmen qualifizierte Einwanderer oder nicht? Und wie steht die Bevölkerung dazu?

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Die Lösung für vom Fachkräftemangel betroffene Branchen in Deutschland sind qualifizierte Arbeiter aus dem Ausland. Von der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte profitieren nicht nur Unternehmen, auch Staat und Wirtschaft können einen hohen Nutzen daraus ziehen. Besonders im Bereich des Gesundheits- und Pflegewesens besteht in den kommenden Jahren ein erhöhter Bedarf an Fachkräften. Die Studie zeigt auch, dass Mathematiker, Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt immer gefragter sind.

Migranten fördern das Land
Laut dieser Studie wird bis 2030 die Zahl der Fachkräfte in Deutschland aufgrund des demografischen Wandels um 2,4 Millionen zurückgehen, obwohl in die Berechnung bereits die Zahl von rund 100.000 Zuwanderern einbezogen wurde. Unschwer erkennbar könnte dieser Rückgang verringert werden, würde Deutschland ausländischen Arbeitern hinsichtlich Einwanderung und Arbeitsgesetze mehr Türen öffnen.

Die Studie zeigt außerdem, dass unter den Migranten mehr Hochschulabsolventen zu vermerken sind als bei den Deutschen. Außerdem liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Zuwanderern mit 41,9 Prozent eindeutig höher als bei den in Deutschland Geborenen mit 35,5 Prozent.

Ausländerquote in Führungspositionen steigt
In der Automobilindustrie setzen bereits viele Unternehmen auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Unternehmen wie Volkswagen, BMW oder Mercedes haben bereits die Zeichen der Zeit erkannt. Im letzten Jahr etwa führte Daimler eine Ausländerquote für Top-Positionen ins Unternehmen ein und kündigte an, zukünftig den Nachwuchs in Sachen Führungsmanagement noch mehr zu fördern.

Die Erkenntnis, dass ein Unternehmen ausländische Mitarbeiter braucht, musste insbesondere die Automobilbranche bereits vor vielen Jahren machen. Ohne die Arbeitskraft der damaligen Gastarbeiter wären beispielsweise viele BMW-Werke bis auf Weiteres lahmgelegt worden. Stattdessen gehören BMW und Co. zu den weltweit größten Automobilherstellern. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, die Branche kennt kein Halten, wie man allein am Verkauf der BMW M3 Reihe auf Gebrauchtwagen-Portalen wie Autoscout24.de sehen kann. All das wäre bis zum heutigen Tag nicht möglich, hätte BMW aufgrund des Personalengpasses nicht auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückgegriffen.

Wie steht Deutschland zum Thema „ausländische Fachkräfte“?
Das hätte viele Arbeitsplätze gekostet – auch die von deutschen Arbeitnehmern. Dennoch wird mit der Zuwanderung in Deutschland die Angst vor Konkurrenz im Arbeitsalltag zunehmend größer. Arbeitnehmer befürchten, durch billigere Einwanderer ausgetauscht zu werden. Wie das ZDF Politbarometer zuletzt zeigte, halten Bundesbürger die Zuwanderung derzeit sogar für das größte Problem in Deutschland.

Auf der anderen Seite gibt es andere Umfragen jüngeren Datums und weitere zahlreiche Studien, die genau das Gegenteil belegen – nämlich, dass Deutsche aller Generationen das Thema „Migration“ im Allgemeinen eher positiv ansehen. Welche dieser Umfragen der Wahrheit näher liegt, lässt sich nicht sagen. Sicher ist lediglich: Demografie und Zuwanderung ist das Zukunftsthema und wird weiterhin kontrovers diskutiert werden.

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Ein Kommentar
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  1. Han Yen sagt:

    Diese Sorte Berichterstattung führt zu nichts, sondern man muss die Umfragen kritisieren, die Migration aus der Nutzenperspektive für den Standortnationalismus betrachten.

    Migration sollte richtigerweise ausschließlich aus der Perspektive der Migranten selber diskutiert werden, damit institutioneller Wandel möglich ist. Dafür gebe ich gerne einige Argumente.

    Die Rücküberweisungen haben in vielen Staaten das Volumen der Entwicklungshilfe und der Auslandsdirektinvestitionen überholt. Durch die Regionalisierung des Welthandels durch mächtige Handelsblöcke, in denen Zollunion, Währungsunion und Freiheit für Kapital, Güter, Arbeit und Technologie praktiziert wird, entsteht ein Anpassungsdruck auf die Arbeitsmärkte. Regionaler Freihandel bedeutet nämlich eine neue Arbeitsteilung zwischen regionalen Arbeitsmärkten innerhalb der Handelsblöcke.

    Für die Auswanderungsstaaten außerhalb dieser Handelsblöcke bedeutet das Unterwerfung unter der neuen Verhandlungsmacht der Handelsblöcke. Sie werden gezwungen unvorteilhafte bilaterale Abkommen zu unterzeichnen. Da das Kapital mobiler wird und Entwicklungshilfe an Militärpolitik und Außenhandelspolitik der Einwanderungsstaaten gebunden ist, wird die Lohnsumme der Diasporas als Kapitalquelle, Devisenquelle, Tourismuseinnahmen, Absatzmarkt relativ zu den Entwicklungshilfe und Auslandsdirektinvestitionen immer wichtiger.

    Transnationale Familien haben eine Sonderstellung für die Stabilität der Weltökonomie, weil deren transnationale Familiensolidarität den kostenlosen makroökonomischen Versicherungsmechanismus für die Nationalökonomien spielt. Es st der einzige private monetäre Geldfluß, der Nationalökonomien gegen Rezession, Regentage, Erdbeben, Flut, Währungsschwankungen, Immobilienpreisschwankungen und Nahrungsmittelpreisschwankungen und Rohstoffpreisschwankungen versichern kann.

    Diese Preisrisiken sind für die Wirtschaft der meisten Menschen von den Bauern, Facharbeitern, Beamten, Frauen und Kindern in den Auswanderungsstaaten sehr wichtig unter Kontrolle zu halten. Bisher hat die Ökonomie diesen Versicherungsmechanismus immer aus der mikroökonomischen Perspektive studiert. Durch die Superdiversität der Finanzmarktinstitutionen, Steuerpolitiken und der Handels- und Arbeitsmarktpolitiken kann man aber keine allgemeine Politikempfehlung abgeben.

    Nach den Rating-Agenturen die die Rating-Noten der Auswanderungsstaaten mit Anrechnung der Rücküberweisungen in den Investmentbereich für eine Schar von Auswanderungsstaaten anheben, folgen nun auch erste Ansätze optimale Steuersysteme bei Anwesenheit von Rücküberweisungen zu designen.

    Entsprechende Design-Ansätze für den Finanzmarkt existieren in Form von GDP-Bonds, Aggregate Income Risk Märkte für Berufsgruppen und Regionen und in Form von Lottery-Bonds und spezialisierten Märkten für Immobilienpreisrisiken, die man auf die Diasporas zuschneiden kann.

    Ebenfalls existieren z.B. zwischen Brasilien und der brasilianischen Diaspora institutionelle Regeln, über die die Zentralbank über die Zinspolitik die Devisenzufuhr durch Rücküberweisungen und Tourismus steuern kann. Tourismus und Rücküberweisungen können den Währungskurs beeinflussen und einige Exportsektoren benachteiligen. Von einem Land zum anderen ist der Effekt unterschiedlich hoch. Zentralbanken können durch spezialisierte Sparbücher für Diaspora Tourismus in den Währungen des Ein- und Auswanderungsland die Zufuhr regulieren.

    Das Problem mit dem optimalen Steuerdesign in den vom Spezialisierungsdruck betroffenden Auswanderungsstaaten wird durch einen hohes Verhältnis von Rücküberweisungen-Bruttonationalprodukt verändert. Die optimale Regulation ist schwierig, weil ein Teil der Rücküberweisungen über inoffizielle Kanäle kommt und nicht durch die Zentralbanken an die Weltbank berichtet werden. ein signifikanter Teil hat ihren Ursprung in der undokumentierten Migration. Das Design einer optimalen Steuerpolitik erfordert die Zusammenarbeit von Ökonometrie, Rechtsanthropologie und experimenteller Feld- und Laborforschung, um in den die Umsatzsteuer und die Steuern auf Zinserträge der transnationalen Haushalte anzupassen. Die Weltökonomie braucht eine neue Steuerklasse für die transnationalen Haushalte. Typischerweise existiert in den entwickelten Staaten eine Einkommenssteuer und in den peripheren Staaten wird mehr auf die Umsatzsteuer gesetzt.

    Da es keine World Tax Organisation gibt, um die Kapitalmobilität durch harmonisierte Steuern auf die Konzernerträge abzuschöpfen, um die Sozial- und Wohlfahrtsfonds gegen zu finanzieren, wird die Rolle des Stabilitätsgaranten für die Sozialsysteme weltweit auf die Einkommens- und Verbrauchssteuern der Diasporas verlagert. In den Einwanderungsstaaten funktioniert die Abschöpfung über die Einkommens- und Verbrauchssteuer und in den Auswanderungsstaaten wird bei den transnationalen Familein eher über die Umsatzsteuer abgeschöpft, sowie an bestimmten Zeitpunkten im Jahr über die Tourismussteuer.

    Die ökonomische Machtverschiebung durch die Austeritätspolitik und die Finanzmarktregulation zugunsten der Diasporas macht sie politisch zu einem Opfer, da ihre Forderungen durch Wahlrechtshindernisse in den Ein- und Auswanderungsstaaten behindert werden. Die Diasoras sind also auf Bündnispartner in den Ein-und Auswanderungsstaaten angewiesen und auf interethnische Koalitionsbildung. Regelmässig sind das Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Bauern, Frauen- und Jugendverbände und Lokalpolitiker in den Auswanderungsregionen. Der Spezialisierungsdruck in Folge der Regionalisierung des Freihandels macht sie ökonomisch als kollektiver Akteur einerseits wichtiger, andererseits wird sie durch den institutionellen Rassismus in der Kultur-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik marginalisiert. Spezialisierungsdruck initiiert Umverteilungskämpfe. Wenn Migranten diese Umverteilungskämpfe zugunsten der verängstigten Kleinbürgermilieus verlieren, hat das ernsthafte Folgen für die Facharbeiterschaft, Bauern, Frauen und Kinder in den Ein- und Auswanderungsstaaten. Der Verfall der Lohnsumme der Diasporas reißt sie dann mit.

    Aus einer Managementsicht ist es sinnvoll die Bildung- und Arbeitsmärkte der Diasporas mit Hilfe der Staatsfonds zu reparieren und besondere Preferential Trade Agreements mit Firmen mit diskriminierungsfreien Arbeitsangebot abzuschließen, um die Lohnsumme der Diasporas hinauf zu setzen. Es gibt viele Sorten dieser Staatsfonds für Öl, Gas und Regentage. Staatsfonds haben die macht durch Finanzierung von Wagniskapitalgebern systematisch Jobs für transnationale Haushalte im Ein- und Auswanderungsland zu schaffen.

    Ein rationale Kooperationsstrategie lässt sich nur außerhalb der Institutionenökologie der Nationalstaaten umsetzen. Diasporas müssen ihre Heterogenität und ihren Interessenspluralismus signalisieren können und durch Bevölkerungsstatistiken untermauern. Regelmässig ist das mit den uneinheitlichen und für das Migrationsmanagement wertlose amtliche Statistik unmöglich. Staatsfonds können nur dann Diaspora-Interessen in ihre Investmentpolitik für Jobs und Existenzgründung berücksichtigen, wenn sie wissen, wieviele Akademiker, Arbeiter und Erfinder in den Diasporas leben und vor allem muss man wissen, welche Haushalte überhaupt Rücküberweisungen durch Anreize durch Kleinkinder, Eltern und Hypotheken in den Auswanderungsstaaten tätigen. Die Integrationsindustrie und ihre wissenschaftlichen Berater in der Migrationsforschung der Einwanderungsstaaten sind auf Repression und Pazifizierung angelegt und nur nützlich um neue Repressions-Diskurse nach dem „Ende des Multikulturalismus“ zu erfinden. Der neue Repression-Diskurs heißt Vielfalt und Diversität. Aus der Perspektive der Menschenrechte ist das Unsinn. Migranten brauchen das Recht auf Rechte damit die Arbeiterschaft und die Bauernschaft in den Auswannderungsstaaten ihre Familien und ihre Mitbürger ernähren können, weil Diasporas den Fiskus dieser Staaten gegen Einnahmeschocks versichern. In den Einwanderungsstaaten geht es um die Verhinderung einer ethnischen Arbeitsteilung die das Kapitalwachstum zu rasch anwachsen lässt und den Job-Export durch die Politik des Rechtspopulismus, des Alltagsrassismus und des Sozialdarwinismus einleitet.

    Es macht überhaupt keinen Sinn für Diasporas im Denkraum des Nationalismus sozialen Fortschritt erzielen zu wollen. Das Gefangendendilemma mit den wechselnden Gegenspieler (Einwanderungsstaat, Auswanderungsstaat) wird immer zuungunsten der Diaspora-Interessen entschieden. Es ist einfach rational für Nationalstaaten zu defektieren anstatt zu kooperieren.

    Diasporas brauchen eine neue supranationale Organisation mit einer deutlichen Erweiterung der Interessensgruppen gegenüber dem traditionellen Ansatz des Tripartismus der ILO. Der Tripartismus der ILO gibt nur Regierungen, Arbeitgeberseite und Arbeitnehmerverbände Stimmrechte. Diasporas brauchen aber eine supranationale Institution ohne die Regierungen mit der Repräsentation von Handelskammern, Zentralbanken, Entwicklungsbanken, Gewerkschaften, Medienleuten, Religionsgemeinschaften, Bauernverbänden, Akademikern, Geldüberweisungsinstituten und Frauen- und Jugendverbänden.

    Es ist ein Vorurteil, dass man nur mittels Staaten Regulationsrahmen setzen kann. Bei der World Commissions On Dams gab es auch keine Beteiligung der Regierungen. Trotzdem folgt die Weltbank und die Nationalstaaten den Guidelines für milliardenschwere Dammprojekte, die die Umsiedlung von Millionen von Menschen erfordern mit gewaltigen Risiken für Mensch und Natur. Diasporas nutzen noch viel zu selten das Weltsozialforum, um transregionale Bündnispolitik einzuleiten um der politische Ideologie der Integration im Einwanderungsland und des Transnationalismus des Auswanderungslandes etwas entgegen zu setzen.

    Diaspora-Politik hat nichts mit Klientelpolitik für Minderheiten zu tun, sondern war zu allen Zeiten seit Beginn der europäischen Massenmigration und der nachfolgenden postkolonialen Migration eine Politik für Bevölkerungsmehrheiten. Man muss nur den ethnozentrischen Standpunkt verlassen, und den Standpunkt der Menschheit einnehmen.



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