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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Theater

Asyl-Monologe

Das dokumentarische Theaterstück „Die Asyl-Monologe“ erzählen von Menschen, die Grenzen überwunden, Verbündete gefunden, ein „Nein“ nie als Antwort akzeptiert und unter aussichtslosen Bedingungen immer weiter gemacht haben.

VONJamal Tuschick

 Asyl-Monologe
Der Verfasser, geboren 1961 in Kassel, arbeitet seit 1987 als Autor und Journalist vor allem für die Frankfurter Rundschau und die junge welt. Herausgeber der 2000 im S. Fischer Verlag erschienenen Anthologie "Morgenland", die Einfluss gewann auf die Kulturdebatte innerhalb des Migrationsgeschehens. Stichwort: Das Ende der Gastarbeiter-Literatur Tuschick trug zu einem neuen Verständnis der Literatur von Autoren mit einer ethnischen Differenz zur Mehrheitsgesellschaft bei. Er veröffentlichte im Suhrkamp Verlag Keine Große Geschichte, Kattenbeat, Bis zum Ende der B-Seite Zuletzt erschien von ihm im Martin Schmitz Verlag Grobzeug im Rindermix.

DATUM7. Oktober 2013

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In seiner Not sträubt sich Felleke gegen Beamte, die seine Abschiebung erzwingen wollen. Man hat ihn bereits in ein Flugzeug genötigt. Doch der Widerstand findet Wege, Felleke ertrotzt sein Bleiberecht und wird vorbildlich. Anderen zu helfen sei alles, was ihm vom Leben geblieben ist, sagt er in einem Interview, das im Wortlaut Gegenstand der „Asyl-Monologe“ wurde.

Regisseur Michael Ruf kommt es darauf an, die Dokumente der Verzweiflung nicht zu verfremden oder ihre spektakulären Noten herauszustreichen. Die Aufzeichnungen werden keinen Dramatisierungen ausgesetzt. Ein abgelehnter Asylbewerber kämpft im Flugzeug um ein ungewisses Leben. Das sagt er so schlicht. Das muss genügen.

Das genügt, Folterpassagen folgen Landschaftsschilderungen. Felleke stammt aus Äthiopien, er berichtet: „Die Bäume in Äthiopien sind staatlich geschützt.“ Doch darf kein Mensch offen aussprechen, „was er im Herzen trägt“. Felleke erzählt von „Affen, die wie Hunde aussehen und sich wie Menschen verhalten.“ Er studierte Veterinärmedizin, „es war dann meine Aufgabe“, die Wehrtauglichkeit junger Männer zu bescheinigen. Sie ziehen in den äthiopisch-eritreischen Krieg (1998 – 2000). Felleke weigert sich, Kranke gesund zu schreiben. Man bemängelt und reglementiert zuerst, schließlich muss der Arzt um sein Leben fürchten. Er entschließt sich zur Flucht. In Deutschland landet er eher zufällig. Die Behörden lassen seine Angaben vom äthiopischen Geheimdienst überprüfen.

Info: Weitere Termine und Afführungen von „Asyl-Monologe“ unter anderem im Heimathafen Neukölln.

Die „Asyl-Monologe“ lassen sich jederzeit und überall aufführen. Rufs dokumentarisches Theater verzichtet auf inszenatorischen Aufwand. Es geschieht wenig mehr als das: Schauspieler tragen biografische Abrisse von Flüchtlingen vor. Sie verstehen sich als Aktivisten im Kampf gegen eine negative Asylpraxis.

Meri Koivisto, Asad Schwarz-Msesilamba und Matthias Scherwenikas spielen in Protestcamps und auf öffentlichen Plätzen. Sie machen Straßentheater (zu der Musik von Robert Würz) „für geschlossene Räume“. Hundertsechzig Auftritte in achtzig Städte: das ist die Bilanz nach zwei Jahren im Einsatz. Die „Asyl-Monologe“ überliefern Wege aus der Aussichtslosigkeit in einer Welt voller Armut und Gewalt. Es sind Traumpfade der Hoffnung.

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