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Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

TV-Tipps des Tages

25.11.2012 – Islam, Khorchide, Muslime, Christen, Juden, Koran, Migranten

TV-Tipps des Tages sind: Das Sonntagsgespräch: Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Mouhanad Khorchide, Theologe und Islamreformer; Bibelrätsel – Die Karriere Gottes: Abseits theologischer Erklärungsversuche will die erste Folge des ZDF-Zweiteilers „Bibelrätsel“ den Werdegang des biblischen Gottes anhand von Fakten und Funden nachvollziehen

Das Sonntagsgespräch
Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Mouhanad Khorchide, Theologe und Islamreformer

Er ist gerade mal 41 Jahre alt und zählt bereits zu den führenden islamischen Theologen in Deutschland. An der Universität Münster bildet Mouhanad Khorchide angehende Imame und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht aus. „Der Koran wurde jahrelang falsch interpretiert“, bekommen seine Studenten von ihm zu hören. Khorchide fordert die Befreiung des Glaubens und wirft Fundamentalisten vor, mit ihrem traditionellen Islamverständnis den Glauben zu einer leeren Fassade zu reduzieren. Gott fordere keinen Gehorsam, sondern Mündigkeit, ist seine Botschaft.

Mouhanad Khorchide, 1971 als Sohn palästinensicher Flüchtlinge im Libanon geboren, zog mit seiner Familie ins streng religiöse Saudi-Arabien, dem Stammland des Salafismus. Hier durfte er – obwohl Muslim – als Ausländer nicht studieren, erhielt keine Krankenversicherung. Von den salafistischen Gelehrten bekam er stattdessen zu hören, den wahren, reinen Islam gebe es nur in ihrem Land. Später, als er zum Studieren nach Österreich zog, in ein nichtmuslimisches Land, erfuhr er dort eine andere Wertschätzung, die ihn zum Nachdenken brachte. Nicht nur diese Erfahrungen haben aus Mouhanad Khorchide einen Streiter für einen modernen Islam gemacht, der nichts Geringeres will, als den Islam von innen zu reformieren. Davon zeugt auch sein aktuelles Buch „Islam ist Barmherzigkeit“. Darin schreibt er gegen die traditionelle Auffassung, dass Allah ein zürnender und strafender Gott sei. Warum, so fragt Khorchide, beginnen 113 von 114 Suren im Koran mit der Formel „Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Allerbarmers?“ Hier zeige sich der Gott des Korans als liebender Gott. Khorchide tritt an, die Muslime von dem Bild eines archaischen Gottes zu befreien, das den Gläubigen in vielen Moscheen, im Religionsunterricht oder während der theologischen Ausbildung suggeriert werde. Ein Gespräch über seine Lesart des Korans, seine Kritik an liberalen Muslimen und darüber, warum die Scharia ein Widerspruch zum Islam ist. 10:15-10:45 • HR

Bibelrätsel – Die Karriere Gottes
Dokumentation (Kultur – Archäologie) – Terra X – Film von Friedrich Klütsch. Abseits theologischer Erklärungsversuche will die erste Folge des ZDF-Zweiteilers „Bibelrätsel“ den Werdegang des biblischen Gottes anhand von Fakten und Funden nachvollziehen. Begleitet von Margot Käßmann befasst sich die filmische Recherche mit den Stationen der Karriere Gottes, die ihn von einer lokalen Gottheit der Nomaden zum mächtigsten Himmelsherrscher der Geschichte führt.

Hat Gott eine Geschichte? Kann man seine „Karriere“ zum einzigen und allmächtigen Gott für Juden, Christen und Muslime nachzeichnen? Die Ausgangsfragen erscheinen nur auf den ersten Blick provokant. Tatsächlich hat Jahwe – so nennt sich der Gott der Bibel selbst – greifbare Spuren hinterlassen. 19:30-20:15 • ZDF

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Ein Kommentar
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  1. Sinan A. sagt:

    http://www.ardmediathek.de/wdr-fernsehen/aktuelle-stunde/auf-dem-rechten-auge-blind?documentId=12557106

    Thema:
    Die NSU-Nagelbombe in der Kölner Keupstraße 2004

    Experten vom Landeskriminalamt meldeten damals vom Tatort: „Terroristische Gewaltkriminalität“. Weiter ging die Information an das Innenministerium NRW. Nur 11 Minuten später kam vom Innenministerium die Anweisung, den Begriff „terroristischer Anschlag“ aus den Berichten zu streichen.

    Profiler von LKA und BKA kamen dennoch übereinstimmend zu dem Fazit: Motiv für den Anschlag ist wahrscheinlich „Abneigung gegen Ausländer“. Sogar der Verfassungsschutz wies auf Parallelen zu rechtsextremistischen Nagelbomben hin. Die Kölner Polizei ignorierte das. Noch im Krankenhaus wurden DNA-Proben entnommen. Die Opfer wurden anschließend intensiv beschattet, ohne Erfolg.

    Mehr zum Fall hier:
    http://www.migazin.de/2012/09/12/militargeheimdienst-wollte-nsu-terrorist-als-v-mann-anwerben/comment-page-1/#comment-34244



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