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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Regierung soll was tun!

1,5 Millionen ohne Berufsausbildung trotz Schulabschluss

1,5 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 haben keine Berufsausbildung, obwohl 80 Prozent von ihnen mindestens einen Hauptschulabschluss haben. Besonders betroffen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Rund 1,5 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Diese hohe Zahl ist seit Jahren unverändert. „Die Ausbildungslosigkeit dieser Menschen ist die Folge einer nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernden Ausbildungskrise“, schreibt die Linke in ihrem Antrag „Perspektiven für 1,5 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss schaffen – Ausbildung für alle garantieren“.

Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, die grundgesetzlich verankerte „freie Wahl der Ausbildungsstätte“1 zu garantieren. Die Betriebe müssten verbindlich in die Pflicht genommen werden, ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen bereitzustellen, das die Zahl an Bewerbern um mindestens 12,5 Prozent übersteigt.

Hierzu müsse eine solidarische Finanzierung der Berufsausbildung durch ein Umlagesystem auf den Weg gebracht werden, an der sich alle Betriebe einzelner Branchen beteiligen. Ferner fordert die Linke, ein Sofortprogramm mit einem Umfang von 1,5 Milliarden Euro und einer Laufzeit von drei Jahren aufzulegen. Insbesondere sollte das Programm die 1,5 Millionen jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung erreichen.

Migranten besonders betroffen
Bemerkenswert ist, dass laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) mehr als 80 Prozent der 1,5 Millionen jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung einen Schulabschluss besitzen. Rund 550.000 haben laut BiBB sogar einen Realschulabschluss oder Abitur. Offenkundig blieb diesen jungen Menschen nicht etwa aufgrund mangelnder Kenntnisse und Fähigkeiten der Zugang zu einer Ausbildung verwehrt, sondern durch einen eklatanten Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen in den zurückliegenden Jahren, schreibt die Linke. Jugendliche mit Migrationshintergrund seien hiervon besonders betroffen: Sie stellen 46 Prozent der genannten Gruppe.

Im Rahmen des Sofortprogramms für Ausbildung fordert die Linke auch eine gezielte Förderung von Betrieben, die verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund ausbilden. Abhilfe könne auch die Fortbildung des Personals in Arbeitsagenturen und Jobcentern in Gender und Migration schaffen. (hib/rol/bk)

  1. Artikel 12 Absatz 1 Grundgesetz: Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.  []
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Ein Kommentar
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  1. glamorama sagt:

    Von einer Regierung, die – egal ob SPD/Grüne, CDU/SPD oder CDU/FDP – seit mehr als einem Jahrzehnt eine neoliberale Politik verfolgt, Sozialsysteme drastisch abbaut und den Arbeitsmarkt auf Teilzeit, Dumpinglöhne und Zeitarbeit umgestellt hat, ist nicht zu erwarten, dass sie eine Kehrtwende macht und plötzlich die Schaffung von Arbeits- oder Ausbildungsplätzen fördern wird. Mit der Parole vom „Fachkräftemangel“ wird zwar eifrig Wahlkampf betrieben — wenn es aber darum geht, in die Ausbildung der benötigten Fachkräfte zu investieren, redet man sich mit dem Totschlag-Argument von den „zu hohen Kosten“ aus der Affäre. In Berlin gibt man die Steuergelder halt lieber fürs Militär oder für die Profite von Finanzspekulanten aus und nicht für die Berufsausbildung. Schon mal eine Berufsschule von innen gesehen? Da stehen teilweise noch die Möbel aus den 70ern herum. Auszubildende werden eben vorrangig als Kostenfaktor und insofern als Ärgernis gesehen — das gilt leider erst recht, wenn diese das Kainsmal eines Migrationshintergrunds tragen und das Risiko besteht, dass sie nach erfolgter Ausbildung frustriert vom deutschen Arbeitsmarkt in die Heimatländer ihrer Eltern auswandern.



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