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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Die Gaza-Blogger

Bloggen für das Image

Auch im Gaza Steifen erleben wir eine Digitalisierung des sozialen und kulturellen Lebens. Themen zum Bloggen finden sich schließlich genug an diesem Ort: Von der Benzinkrise diesen Jahres bis hin zu den Problemen mit den hiesigen Nichtregierungsorganisationen, von der Gewalt und den Militäreinsätzen ganz zu schweigen.

VONJenin E. Abed

Die Verfasserin ist zurzeit am „Zentrum für Interkulturelle Islamstudien“ an der Universität Osnabrück tätig. Sie studierte Politikwissenschaften und absolvierte ein Master in „Internationale Migration und interkulturelle Studien“. Auslandserfahrungen machte sie sowohl in den USA als auch an der Amerikanischen Universität in Kairo. Sie engagiert sich für den sozialen und kulturellen Dialog sowie für mehr Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft.

DATUM4. Oktober 2012

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RESSORTAktuell, Ausland

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Der englischsprachige Blogger Omar Ghraieb schreibt zu Beginn seines Blogs: „My posts are the rantings of a civilian from Gaza.“ Es ist weder der Politiker, der spricht, noch ein mediales Organ, sondern jemand aus der Zivilgesellschaft. Das heisst gänzlich ungefilterte und unzensierte Stimmen. Wer wirklich wissen möchte, wie das Leben in Gaza ist, dem sind diese Blogs nahe gelegt.

Eine der aktivsten und bekanntesten Bloggerinnen der Stadt ist Yasmeen El Khoudary, die es sich mit ihren Freundinnen und Freunden zum Ziel genommen hat, das „kulturelle Vakuum“, wie sie es selbst beschreiben, zu füllen und der Stadt ein neues Image zu geben. Zu lange hätte ihre Heimatstadt unter negativen Stereotypen gelitten.

Seitdem sich die Blogger zusammen getan haben, wurden eine Vielzahl von Projekten entwickelt. Längst geht es nicht mehr nur um politisches Bloggen, sondern vor allem auch um das Entfalten kulturellen Lebens in einer Stadt, die nicht einmal ein Kino besitzt.

Ein zentrales Projekt ist der „Diwan Ghazza“. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Aktivitäten und Initiativen. Laut El Khoudary dienten Diwane in der arabischen und palästinensischen Kultur als Gästehäuser für Familien und Freunde, zum reden und diskutieren. Auch dieser Diwan dient dem Austausch von Ideen, Gedanken und Wissen. Die Gruppe hofft, dass der „Diwan Ghazza“ als Inspiration für andere wird, Gruppen wie diese auch in anderen palästinensischen Städten aufzubauen. Neben dem Bloggen sind es Projekte und Veranstaltungen, wie der „Books Club“ oder „Film Club“, Lesungen, Workshops, Filmvorführungen, „Tweet Ups“ und vieles mehr mit dem die junge Gemeinschaft das Leben in der Stadt verändern möchte. Schließlich gibt es für die Menschen in der Stadt weder Theater, Kulturzentren, noch Bibliotheken, die genügend gegenwärtige Kultur oder Literatur anböten. El Khoudary und ihre Freunde hält das nicht auf.

Dabei sind sich die Blogger selbst manchmal nicht ganz sicher, ob sie auf der richtigen Fährte sind. Yasmeen und ihre Freunde wurden schon oft dafür kritisiert, dass sie die Stimmung in der Stadt zu sehr romantisierten. „Es ist wahr,“ sagt einer der Blogger während einer Teambesprechung, „andauernd zu schreiben, wie schön und wundervoll unsere Stadt ist, macht angesichts der Lage einfach keinen Sinn.“

Blog-Tipps: gazatimes.blogspot.de
diwanghazza.com
100posts-contest.diwanghazza.com
yelkhoudary.blogspot.de
palinoia.wordpress.com

Als Treffpunkt dient den Jugendlichen das „Al-Mathaf Hotel“(auf dt. Museum) – Hotel und Veranstaltungsort zugleich – welches als Inspiration für die kulturellen Aktivitäten gelten soll. Hier kann sich die Gruppe treffen, ohne jemanden Rechenschaft ablegen zu müssen oder sich einer Agenda verpflichtet zu fühlen. Denn weder politisch noch finanziell möchte sich der „Diwan Ghazza“ abhängig machen.

Nichtdestotrotz: In einer Region, die wie keine andere, von internationaler Hilfe abhängig ist, wo Jugendarbeitslosigkeit nur ein Problem von vielen ist, wird das Internet zum Ventil und das Medium überhaupt, um die Kommunikation untereinander, übereinander, und nach Außen, zu gewährleisten.

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3 Kommentare
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  1. aloo masala sagt:

    Tatsächlich sehr lesenswert. Danke an Resul.



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