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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004
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Die typisch Deutschen

Dies ist unser Land!

Habt nur den Mut und traut euch gegen Unrecht aktiv zu werden. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, muss die Initiative ergreifen und dagegen vorgehen. Und genau dies tue ich heute.

VONNecip Murat Cepaye

 Dies ist unser Land!
Der Autor, geboren 1984, stammt aus der türkischen Stadt (Antakya), Hatay. lebt in Kamen, Kreis Unna (Dortmund), ist IT-Systemelektroniker und vierfacher Vater. Der Name Necip kommt aus dem Altarabischen und bedeutet, der Ehrliche/der Aufrechte. Er ist besonders stolz auf vorbildliche Entwicklung, die weltweite Spitzenleistung in Bereichen wie Sozial- und Gesundheitswesen sowie der Wirtschaft. Er fühlt sich als typisch Deutscher und bezeichnet sich als Humanist. Auslandserfahrungen in Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Belgien. Darüber hinaus appelliert er an die Altdeutschen: „Wenn ich als Neudeutscher stolz auf Deutschland sein kann, dann können und sollten es die Altdeutschen ebenso!

DATUM3. Mai 2012

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Ich bin ein offener und ehrlicher Mitbürger und verdiene eine Chance, meine Heimat für unsere Kinder mitzugestalten. Und diese Chance verdienen alle hier lebenden Menschen, unabhängig von ihrem Aussehen, ihrer Hautfarbe oder Herkunft.

Mir ist selbstverständlich bewusst, dass die Landtagswahl am 13. Mai in NRW kurz bevorsteht. Auch deshalb habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben soll. Ich denke, dass es an der Zeit ist, meine Erfahrungen mitzuteilen. Vor allem weil Diskriminierungen und rassistische Beleidigungen in unserem Land keinen Platz haben sollten.

Während meines dreimonatigen Praktikums beim ‘Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen‘ musste ich immer wieder erleben, wie ein Mitarbeiter mich systematisch diskriminierte und mit rassistischen Beleidigungen um sich warf. Ich war empört und stellte den Sachverhalt unserem Vorgesetzten dar. Dieser versuchte mich zu beschwichtigen und bagatellisierte das Verhalten seines verbeamteten Kollegen. Der Gang zum Dienststellenleiter, welcher wirklich sehr hilfsbereit und vorbildlich war, sollte mir nicht erspart bleiben. Unterm Strich habe ich trotz seiner Hilfe, meinen Praktikumsplatz verloren.

Ich weiß nicht, ob sich jemand vorstellen kann, wie sehr ein Mensch von derartigen Beleidigungen beeinträchtigt werden kann. Es kam so weit, dass ich täglich Magenbeschwerden hatte, die mit jedem Tag schlimmer wurden. Die während dieses Praktikums erduldeten rassistischen Beleidigungen und unwürdigen Umgangsformen haben mich zutiefst getroffen. Daher ist jede Art von Rechtfertigung, wie es z. B. mein Vorgesetzter in meinem Fall versucht hat, schlicht und einfach inakzeptabel. Und nicht nur in diesem Zusammenhang finde ich es despektierlich, von „Integration“ zu sprechen.

Mein Mut mich zu beschweren, hat mir zwar ein offizielles und persönlich unterzeichnetes Entschuldigungsschreiben eingebracht, mit der ich nicht gerechnet hatte. Denn bereits gemachte Erfahrungen aus der Vergangenheit haben mir gezeigt, dass es eine traurige Tendenz gibt, derartige Gegebenheiten unter den Teppich zu kehren.

Aber ist es mit dieser Entschuldigung wirklich getan? Immerhin wurde mir durch diese Vorfälle die Chance auf ein Weiterführen des Praktikums, und damit vielleicht auch eine feste Anstellung, genommen.

Und die offene Frage lautet: Ist eine Entschuldigung genug? Ändert eine Entschuldigung denn irgendetwas an dem ungerechten Vorgehen dieser Beamten? Werden sie es in Zukunft unterlassen? Gab es irgendwelche Konsequenzen?

Bisher nicht! Hier geht es aber um Prinzipien. Danach sollte niemand wegen seiner Rasse, Hautfarbe, seines Alters, seiner Herkunft etc. diskriminiert werden. Punkt.

Trotzdem liebe ich Deutschland
Auch wenn ich in der Vergangenheit – so während meiner Wehrdienstzeit bei der Bundeswehr – und auch heute noch negative Erfahrungen machen musste und muss, bin ich doch der festen Ansicht, dass Menschen, die aus rassistischen Gründen ausgrenzen, eher einen geringen Prozentsatz unseres Landes ausmachen.

Ich habe, wie alle von uns, meine eigenen Erfahrungen (gute sowie schlechte) machen müssen. Was ich aber in meinem Leben glücklicherweise gelernt habe, ist, dass nur Rechtschaffene in ihrem Bestreben vorwärtskommen. Und gerade, weil ich in der Vergangenheit kein Vorbild hatte, so bin ich der Meinung, dass WIR das beste Vorbild für unsere Kinder und den kommenden Generationen sein werden. Getreu dem Motto: „Ehrlichkeit währt am längsten.“

Daher fordere ich: Lasst uns die Gesellschaft gemeinsam gestalten!

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8 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Aytun sagt:

    Da hat doch endlich mal einer den Mut die Wahrheit auszusprechen. Es ist Realität. Menschen wie dich sollte es vermehrt auf dieser Welt und besonders in Deutschland geben.

    Meinen Respekt und Daumen hoch

    🙂

  2. Zensus sagt:

    Herr Necip Murat Cepaye unterstellt, dass sogenannte Altdeutsche Deutschland verachten.
    Herr Necip Murat Cepaye irrt auf ganzer Linie, deswegen klappts auch nicht mit dieserart Neudeutsche, die die Kultur verachten, die sie ernährt.

  3. lilli buthmann-condé sagt:

    In Hollywoodfilmen sind typische Deutsche blond und haben blaue Augen: Wieviel % der Bevölkerung in Deutschland sind blond und blauäugig?
    Vielleicht 20 bis 25 %.
    Mindestens 20 bis 25% aller Deutschen haben einen Migrationshintergrund und wenn man wie Carl Zuckmayer schon bei den römischen Legionären vor 2000 Jahren anfängt und all die folgenden Migrationsbewegungen mitzählt, zum Beispiel die Hugenotten in Berlin und die polnischen Bergarbeiter im Ruhrgebiet, sind es bestimmt 50 % und mehr. Wer ist also typisch Deutsch?

  4. andres sagt:

    Mal ein ganz sachlicher und ehrlicher Artikel zu einem Problem in diesem Land, ohne gleich die ganze westliche Welt zu verteufeln…..Respekt!!!

    @zensus

    ganz schwach!…….und ohne Sinn und Verstand!

  5. nanina sagt:

    „Danach sollte niemand wegen seiner Rasse, Hautfarbe, seines Alters, seiner Herkunft etc. diskriminiert werden. Punkt.“

    Dafür meine volle Unterstützung!
    Allerdings hätte ich auch gern einige Beispiele dafür gelesen sonst bleibt es doch eher pauschal.
    Etwas anderes wäre es, wenn die „“Diskriminierung“ wegen einer Religion oder einer Ideologie erfolgt wäre. Hier sollte man ganz klar unterscheiden. Atavistische Religionen und Religionspraktiken können in einer freiheitlich humanistischen Gesellschaft nicht auf Toleranz hoffen.

    Vielleicht sollte man auch bei ihnen, ihrem Migazin eine Atheistenquote (so um die 30%) einführen, das hielt ich für zeitgemäß.

  6. pepe sagt:

    @zensus: schon perfide die Weise, wie Sie sich des ewigen Märchen des nicht arbeitenden Moslems bedienen. Warum reden Sie von Ernährung?

  7. Migrantin sagt:

    @Zensus
    Ist das Ihre Sorge? Dass Sie von Menschen, die Sie ernähren, verachtet werden könnten? Gibt es da irgendwelche persönlichen Erfahrungen in Ihrem Leben, die den Ursprung Ihrer Angst erklären könnten? Vielleicht sollten Sie sich mal damit auseinandersetzen. Ich würde Psychotherapie (oder auch Eheberatung) empfehlen…

  8. Musiziös sagt:

    Sie klingt wie eine fließende Melodie einer bevorstehenden Symphonie. Herr Necip Murat Cepaye ist meines Erachtens kein Einzelfall. Cepaye scheut nicht mit Recht als gutes Beispiel in unserer Gesellschaft voranzugehen und zu beweisen was viele verkennen, indem er deutlich sagt das Herr Necip Murat Cepaye unser Land liebt. „Trotzdem liebt.“
    Deutsch sein heisst Necip Murat Cepaye und er hat vollkommen Recht! Necip Murat Cepaye, Sie haben meine Anerkennung.



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