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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Brückenbauer

Heute schon „Danke“ gesagt?

Sozial und politisch engagierte Menschen sind oft undankbar. Man ist nicht bürgernah und sozial, wenn man Dankbarkeit nicht äußern kann, findet Derya Ovalı.

VONDerya Ovalı

 Heute schon „Danke“ gesagt?
Die Autorin ist 1982 in Berlin geboren und lebt seit 28 Jahren in Kreuzberg. Ihre Eltern kommen aus Balıkesir (Türkei). Sie hat Erziehungs- wissenschaften, Deutsch als Fremdsprache, Gender Studies an der TU Berlin studiert und unterrichtet zurzeit Integrationskurse für Frauen. 2005 bis 2010 hat sie sich in verschiedenen Migrantenorganisationen engagiert. Seit Januar 2012 ist sie Mitglied der Bezirks- verordnetenversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg und migrationspolitische Sprecherin ihrer SPD-Frak- tion. Sie sitzt in den Aus- schüssen Integration und Schule. Außerdem ist sie Vorsitzende der Arbeitsge- meinschaft Migration der SPD Friedrichshain-Kreuzberg. Sie schreibt für das Forum der Brückenbauer, ein multieth- nisches und multikonfessio- nelles Netzwerk von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich in vielen Kommunen, auf Länder- und Bundese- bene für Integration engagieren. Hervorgegang- en ist das Forum aus dem Teilnehmerkreis des Leadership-Programms der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Das Forum versteht sich als visionärer, multiperspekti- vischer Impulsgeber zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der allen Menschen klar ist: „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“

DATUM26. April 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Ich engagiere mich seit 2005 in verschiedenen Verbänden und Projekten. Außerdem bin ich in der SPD. Ich möchte mich heute nicht zu den wichtigen Themen wie Migration, Teilhabe oder Diskriminierung äußern. Mit meinem Beitrag möchte ich insbesondere sozial und politisch Engagierte erreichen.

Leider muss ich vermehrt feststellen, dass Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, die eine Vorbildfunktion in sozialen Projekten übernehmen und die versuchen, eine bürgernahe Politik zu machen, sehr oft an ihren eigenen sozialen Kompetenzen scheitern.

Es fehlt mir insbesondere an Menschen, die dankbar sind.

Ohne ein ausgeprägtes soziales Verhalten kann es kein erfolgreiches politisches Engagement geben. Ohne Dankbarkeit ist man nicht glaubwürdig und kann nicht auf Dauer glücklich sein, in dem, was man tut.

Wir, auch ich als Kommunalpolitikerin, genießen Vorteile und sollten, viel mehr uneigennützige gute Taten ausführen. Wir sollten den Menschen, die uns in unserer Arbeit unterstützen, die Worte in Taten umsetzen, mit einem Lächeln danken.

Politiker leben von ihrem Wissen, Netzwerk und ihren Problemen, die sie alleine nicht lösen können. Sie sind angewiesen auf ihre Mitarbeiter, auf ihre Arbeitsgruppen und natürlich auf die Mithilfe der ehrenamtlichen Unterstützer. Menschen brauchen Menschen, die mit ihnen auf gleicher Augenhöhe reden, die ihr Engagement schätzen und es würdigen.

Nur weil man sozialdemokratisch ist oder Sozialpädagogik studiert hat, heißt das lange nicht, dass man sozial korrekt ist, wie manche glauben. Man sollte nicht aufhören, an sich zu arbeiten, sich selbst zu erziehen und Selbstkritik auszuüben. Denn einen guten Politiker macht es auch aus, dass er selbstreflektierend seine Arbeit kritisch bewertet. Als ein Zeichen dieses Verständnisses gehört es sich auch, sich mit den unterschiedlichen Positionen, die einem vielleicht weniger zusagen, auseinanderzusetzen. Jede alltägliche Begegnung sollte zu einem Diskurs der Meinungsfindung führen. So ist es auch keine Seltenheit, auf neue Gedanken und deren pragmatische Umsetzung zu stoßen.

In diesem Sinne lasse ich Euch mein bestes Wort zukommen: „Danke!“

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4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. ISI sagt:

    Ein sehr schöner Text…und an dieser Stelle ein „Danke“ an die Autorin. Weiter so …

  2. Merfin Demir sagt:

    Liebe Derya Ovali,

    ein sehr guter Meinungsbeitrag. Der zur Nachdenklichkeit auffordert. Sehr sehr gut.

    Viele Grüße,

    Merfin Demir

  3. Selma sagt:

    Liebe Derya,
    toll geschrieben und in diesem Sinne sage ich dir DANKE!



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