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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

TV-Tipps des Tages

23.04.2012 – Köln, Muslime, Religion, Afghanistan, Integration, Ausländer

TV-Tipps des Tages sind: Lebenslinien: Der Krieg in meinem Kopf . Robert war begeisterter Stabsunteroffizier, Elitesoldat und Hundeführer; Was lebst du? porträtiert drei heranwachsende muslimische Freunde aus Köln. Ali, Kais und Alban sind zwischen 16 und 20 Jahre alt

VONÜmit Küçük

DATUM23. April 2012

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Lebenslinien
Der Krieg in meinem Kopf . Robert war begeisterter Stabsunteroffizier, Elitesoldat und Hundeführer. Als Fallschirmjäger kämpft er erst im Kosovo, später in Afghanistan. Am 2. März 2002 explodiert zwei Meter neben ihm eine Rakete. Fünf Soldaten vor ihm werden getötet, auch zwei seiner Kameraden. Er selbst überlebt wie durch ein Wunder.

Die äußeren Wunden verheilen, aber für ihn ist nichts mehr wie zuvor. Denn der Krieg geht nach seiner Rückkehr in Deutschland weiter: in seinem Kopf. Robert leidet unter Schlafstörungen und Albträumen, kleinste Gerüche oder Geräusche reichen, und er ist wieder mitten im Krieg. Er wird zunehmend aggressiver und kann sich kaum noch konzentrieren. Er zieht sich immer weiter von seiner Familie und seinem Umfeld zurück. Trotzdem entscheidet er sich für zwei weitere Einsätze im Ausland. Seiner Überzeugung nach muss ein Soldat funktionieren.

2008 verliebt er sich, und plötzlich ist alles anders. Er will eine Familie gründen und ein ganz normales Leben führen. Doch immer wieder leidet er unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Nesselsucht und Aggressionen. Immer deutlicher spürt er die Folgen einer Krankheit, die er lange nicht wahrhaben wollte: der Posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS.

Immer mehr deutsche Soldaten kehren mit PTBS von Auslandseinsätzen zurück. Das vor Ort Erlebte ist nur schwer für die oftmals noch sehr jungen Rekruten zu verkraften. Und auch nach den Einsätzen sind sie mit ihren Erlebnissen oft allein. Erst 2010 wurde ein Trauma-Zentrum der Bundeswehr in Berlin eröffnet. Mit der Diagnose PTBS beginnt für Robert ein ganz neuer Kampf – der Kampf zurück ins Leben, um die Anerkennung von PTBS als Berufskrankheit und gegen die Ignoranz in Politik und Gesellschaft.

Hintergrundinformationen:
Film von Sonja Hachenberger 21:45-22:30 • BR

Was lebst du?
Dokumentarfilm (Milieufilm – Fernsehspiel – Lebensstile/-entwürfe) – Das kleine Fernsehspiel – Dokumentarfilm von Bettina Braun. „Was lebst du?“ porträtiert drei heranwachsende muslimische Freunde aus Köln. Ali, Kais und Alban sind zwischen 16 und 20 Jahre alt. Sie stammen aus marokkanischen, tunesischen und albanischen Familien. Ihr Treffpunkt ist das Jugendzentrum „Klingelpütz“, wo sie bereits in früher Kindheit ein zweites Zuhause gefunden haben. Trotz unterschiedlicher Herkunft ist ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärker als ihre Differenzen. Loyalität und gegenseitiger Respekt bestimmen den Umgang miteinander, auch wenn der Ton oft rau und direkt ist. Letztlich sind sie alle in einer ähnlichen Situation: auf der Suche nach sich selbst und nach ihrem Weg im Leben.

Für den Film begleitete Bettina Braun über zwei Jahre lang den Alltag der jungen Männer mit der Kamera: zwischen Jugendzentrum, Schule und Ausbildung, zwischen traditionellem Elternhaus und westlichem Lebensstil, zwischen klischeehafter Selbstdarstellung und eigenen Träumen. In dieser Zeit ist alles drin – von der abgebrochenen Ausbildung über Probleme mit der Polizei bis hin zur Hauptrolle in einer Musicalproduktion. Bettina Braun übernahm in ihrem Debütfilm Dreh, Buch, Regie, Kamera und Ton. Dadurch störte niemand die entstehende Vertrautheit. Ihre Schwangerschaft und die Geburt des Kindes wurden Teil des Films.

„Was lebst du?“ liefert eine ungeschminkte, unmittelbare und humorvolle Innenansicht aus dem unbekannten Alltag muslimischer Migrantensöhne in Deutschland. Der Film spricht auf beiläufige Weise breit diskutierte gesellschaftliche Themen an, die sich hinter Begriffen wie Parallelgesellschaft, Integration, Pisa und Jugendarbeitslosigkeit verbergen.

„Was lebst du?“ lief erfolgreich auf nationalen und internationalen Filmfestivals wie der Berlinale und wurde mehrfach preisgekrönt. Er erhielt auf der Duisburger Filmwoche den Publikumspreis, wurde beim Filmfestival Deutschland/Türkei in Nürnberg mit dem 1. Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet und auf der Cologne Conference mit dem PHOENIX-Dokumentarfilmpreis. Er erhielt den „Schnitt“-Preis für den besten Filmschnitt eines deutschen Kinodokumentarfilms beim Kölner Forum für Filmschnitt und Montagekunst „Film +“ und wurde mit dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis prämiert.

Ali, Kais und Alban, drei junge muslimische Männer aus Köln, werden seit zehn Jahren von Bettina Braun mit der Kamera begleitet. Es entstanden bisher drei Dokumentarfilme, die das ZDF in chronologischer Reihenfolge zeigt. „Was lebst du?“ ist der erste Film der Reihe „10 Jahre mit Ali, Kais und Alban“. Im Anschluss folgt der zweite Teil „Was du willst“, am Montag, 30. April 2012, der letzte Teil „Wo stehst du?“. 00:10-01:35 • ZDF

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