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Hessen

Schüler mit Migrationshintergrund holen auf

Novum: Das hessische Integrationsministerium hat Schülerdaten erstmals nach „Migrationshintergrund“ ausgewertet und nicht – wie sonst üblich – nach der Staatsangehörigkeit. Die Ergebnisse überraschen: Migrantenkinder besuchen deutlich häufiger ein Gymnasium als bisher angenommen.

Das hessische Integrationsministerium hat anhand von Daten des Statistischen Landesamtes erstmals im Schuljahr 2010/2011 die Schülerdaten in Hessen nach dem Kriterium „Migrationshintergrund“ ausgewertet. Ein Novum. Bislang wurde lediglich nach der Staatsangehörigkeit differenziert und die Ergebnisse waren verzerrt. Eingebürgerte Jugendliche und Kinder von Spätaussiedlern wurden als deutsche Schüler ausgewiesen, wobei das Kriterium Migrationshintergrund verloren ging.

So hatte der Hessische Integrationsmonitor (2010) für die Schuljahre 2006/07 bis 2008/09 ein Anstieg des Bildungsniveaus bei sowohl deutschen als auch ausländischen Schülern dokumentiert. So war der Anteil der ausländischen Hauptschüler in der 8. Klasse von 34,5 auf 28 Prozent zurückgegangen, während sich der Anteil der jungen Ausländer, die ein Gymnasium besuchen, von 17,4 auf 19,2 Prozent erhöht hatte. Zum Vergleich: Der Anteil der deutschen Schüler, die eine Hauptschule besuchten, ging von 14,8 auf 11,3 Prozent zurück, der Anteil der Gymnasiasten stieg von 40,2 auf 43,0 Prozent.

Migranten häufiger auf Gymnasien
Die neuen Daten des Hessischen Statistischen Landesamtes ermöglichen vertiefte Einsichten: Von den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund besuchen mehr als jeder Zweite (53,6 Prozent) ein Gymnasium, von den Jugendlichen mit Migrationshintergrund (34,2 Prozent) jeder Dritte. Zur Wiederholung: Unter den ausländischen Schülern beträgt diese Quote lediglich 19,2 Prozent.

Im Sommer 2011 haben in der Gruppe „ohne Migrationshintergrund“ 36,1 Prozent das Abitur geschafft. In der Gruppe „mit Migrationshintergrund“ waren es 17,5 Prozent. Jugendliche „ohne Migrationshintergrund“ haben zu 16,4 Prozent die Hauptschule abgeschlossen, bei Jugendlichen „mit Migrationshintergrund“ waren es 29,3 Prozent. Ohne jeden Abschluss blieben 5,3 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, und 1,9 Prozent derer ohne Migrationshintergrund.

Mädchen besser als Jungs
Auffällig an den neuen Daten ist, dass Mädchen in beiden Gruppen besser abschneiden als Jungen: 41,4 Prozent der Mädchen ohne Migrationshintergrund und 20,6 Prozent mit Migrationshintergrund haben das Abitur erreicht, aber 31,0 Prozent der Jungen ohne und 14,4 Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund.

Der Anteil derer mit Hauptschulabschluss betrug bei den Jungen mit Migrationshintergrund 33,1 Prozent, bei den Mädchen mit Migrationshintergrund 25,4 Prozent, gegenüber 13,5 Prozent der Mädchen und 19,2 der Jungen ohne Migrationshintergrund.

Positive Entwicklungen werden deutlich
„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Differenzierung der Schülerschaft nach Migrationshintergrund durchaus positive Entwicklungen deutlich macht“, so der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP).

Hahn spricht von einer allmählichen Verbesserung der Bildungschancen Zugewanderter und vor allem ihrer Nachfahren: „Es dauert naturgemäß sehr lange, bis sich in der Bildung Maßnahmen auswirken. Kinder und Jugendliche, die einen deutschen Pass haben und deren Eltern aus dem Ausland nach Hessen gekommen sind, haben noch immer geringere Bildungschancen. Aber wir sehen anhand der neuen Zahlen, dass sie aufholen.“ (sb)

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