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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Buchtipp zum Wochenende

Dornenfelder – Ein Biografischer Abriss eines Migrantenschicksals

Schafft man es wirklich, in einer anderen Gesellschaft anzukommen? Oder bleibt man ein Insider und Outsider zugleich, ein Grenzwanderer, der in seiner Gedankenwelt trotz allem allein bleibt? Diesen und andere Fragen geht Dr. Hamid Reza Yousefi nach – auf eine bisher ungewöhnliche Weise.

DATUM4. November 2011

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Dr. Hamid Reza Yousefi wurde im November 1967 in Teheran/Iran geboren. Aufgewachsen ist er in den Zeiten des Iran-Irak-Krieges, 1990 nach Deutschland ausgewandert und doch Sohn seiner Eltern, Kind seiner Herkunft, mit fest gefügten familiären Strukturen, verwurzelt im Glauben und in der Kultur des Islam.

In dieser biographischen Skizze zeichnet der Philosoph Hamid Reza Yousefi sein bewegtes und bewegendes Leben nach. Er erzählt von seiner ersten Heimat Iran, seiner Kindheit, von den Umständen, die ihn zum Verlassen seines Landes bewegten und seinem Migrantenschicksal in Deutschland. Besonders würdigt er den Fundamentaltheologen Adolf Kolping (1909-1997), der Yousefi nicht nur die grundlegenden Kenntnisse zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung vermittelt, sondern seinem Leben einen neuen Sinn verliehen hat.

Durch die Begegnung mit dem Bonner Fundamentaltheologen Prof. Dr. Adolf Kolping (1909-1997) öffnen sich für Yousefi Wege in die deutsche Gesellschaft, die seinem Leben einen neuen Sinn verleihen sollte. Er berichtet über seine Erlebnisse im Iran und Deutschland; über seine Freude und Trauer, Ängste und Hoffnungen zwischen zwei kulturellen Welten mit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Yousefi erzählt, wie er die deutsche Gesellschaft sieht und wie er gesehen wird. Für ihn ist „Heimat ein Ausdruck der greifbaren Ungreifbarkeit; fühlbar, aber nicht zu besitzen.“ Integration ist für Yousefi „eine besondere Art, sich und die Anderen wahrzunehmen und zu erleben. Sie hat viele Facetten und benötigt viele Brücken. Dialogisches Denken und tolerantes Verhalten bilden das Wesen der Integration, dies interkulturell in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft.“ In diesem Sinne erzählt er nicht nur wie Integration möglich ist, sondern warum sie oft scheitert.

Yousefi ist es gelungen, was vielen Menschen verwehrt bleibt: er hat Deutschland zu seinem zweiten ‚Zuhause‘ gemacht: „Einem Land“, schreibt er, „das meine zweite Heimat geworden ist, einer Kultur, die ich schätze und einer Sprache, die ich gerne spreche.“ Er erzählt gelernt zu haben, „Nachteile als Gelegenheiten zur weiteren Entfaltung“ seiner „Ideen zu nutzen. Schließlich ist kein Nachteil so groß, dass sich hieraus nicht auch ein Vorteil ergäbe.“ Mit diesen Maximen eröffnet er sich neue Horizonte und erweitert seine Identität. Und mehr noch: In der deutschen Kultur lernt er die iranische Geschichte neu kennen – und umgekehrt. Er macht sich Gedanken, weit hinausgehend über das Alltägliche: Schafft man es wirklich, in einer anderen Gesellschaft anzukommen? Oder bleibt man ein Insider und Outsider zugleich, ein Grenzwanderer, der in seiner Gedankenwelt trotz allem allein bleibt? Ist ein anderswo Geborener sein Leben lang ‚Ausländer‘ – auch wenn man längst Staatsbürger eines Landes wurde? „Wer seine Heimat, wenn auch für kurze Zeit, verlassen hat“, schreibt Yousefi, „weiß auf seine Weise, dass kein kultureller Ortswechsel spurlos am Menschen vorübergeht; jeder Wechsel ist eine Horizonterweiterung, ein Geständnis an die Vielfalt unserer Welt.“

Yousefi bringt uns seine interkulturellen Erlebnisse und Erkenntnisse aus der erfrischenden Perspektive eines Menschen nahe, der die Welt nicht nur in Schwarz und Weiß, sondern in vielerlei Schattierungen wahrnimmt. Er führt die Bedeutung eines offenen Dialogs über Gemeinsamkeiten und Unterschiede vor Augen, „eine dialogische Form, das Andere zu sehen und mit ihm eine Verständigung zu suchen.“ Damit öffnet er Türen, durch die es sich zu gehen lohnt: intellektuell, emotional, liebevoll und mit unendlich viel Verständnis. So schafft er ein neues Genre: die Brückenliteratur.

Yousefi ist inzwischen Privatdozent für Interkulturelle Philosophie und Geschichte der Philosophie an der Universität Koblenz sowie Initiator und Leiter des Instituts zur Förderung der Interkulturalität in Trier. Er ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Fachbücher. Seine Arbeitsbereiche sind moderne Theorien der Toleranz, Kommunikation sowie Religionswissenschaft und Ethik. (pm/eb)

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