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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Ausstellung

Wuchtige Wegmarken zur Berliner Einwanderungsgeschichte

In diesem Monat jährt sich der deutsch-türkische Anwerbeabkommen zu 50. Mal. Pünktlich zum Jubiläum gibt es in Berlin die Ausstellung „Berliner Route der Migration“. Zu sehen ist sie am Ostbahnhof, am Oranienplatz, am Halleschen Tor oder am Tempelhofer Feld.

Der Monat Oktober steht in Berlin im Zeichen des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens mit der Türkei, das als die Geburtsstunde des deutsch-türkischen Berlins gelten kann. Einen besonderen Beitrag leistet dazu das Bündnis „Berliner Route der Migration“: Am Ostbahnhof, am Oranienplatz, am Halleschen Tor und auf dem Tempelhofer Feld sind bis Anfang November vier knallrot lackierte Groß-Container aufgestellt, die über Hintergründe und Geschichten zur Einwanderung berichten.

Rainer Ohliger vom Netzwerk Migration in Europa, der das Ausstellungsprojekt koordiniert: „Die Route der Migration schreibt die Migration in die Stadtgeschichte ein. Sie erinnert daran, dass die Geschichte Berlins ohne Zuwanderung nicht vorstellbar ist. Diesen Erinnerungsschatz gilt es oft aber noch zu heben und im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Wir möchten mit den Ausstellungen im Stadtraum einen Beitrag leisten, die Identität der Stadt als Einwanderungsstadt zu beleuchten. Interessierte Besucher, ob Berliner seit Generation, Zugewanderte oder Touristen, sind herzlich eingeladen, die Ausstellungen in den nächsten vier Wochen zu besuchen.“

Gedächtnisboxen
Die inhaltlichen Recherchen wurden vorrangig von Studierenden der HU und der FU im Rahmen von zweisemestrigen Projekten durchgeführt. Mit Fotos, Videos und Dokumenten lassen die Gedächtnisboxen innen und außen Geschichten und die Geschichte der Standorte lebendig werden:

  • die Box auf dem Tempelhofer Feld erinnert an die Zwangsarbeiter während der Nazizeit und daran, dass Tempelhof in den sechziger und siebziger Jahren für die Einwanderinnen und Einwanderer das Tor nach Westberlin war.
  • die Box am Halleschen Tor erinnert an die Geschichte der Migrationskontrolle, u.a. auch an die 90er Jahre, als hier lange Schlangen von Jugoslawien-Flüchtlingen für ihre Papiere anstanden.
  • die Box auf dem Oranienplatz zeigt Individual- und Familienporträts von Einwanderern des Kreuzberger Fotostudios Mathesie und den Film Mauern 2.0.
  • die Box am Ostbahnhof zeigt die Geschichte der Migration nach Berlin im Spiegel der Literatur.

Download: Einen Überblick über das Gesamtvorhaben bietet das vom Berliner Integrationsbeauftragten herausgegebene Buch: „Stadt ist Migration. Die Berliner Route der Migration – Grundlagen, Kommentare, Skizzen.

Die Gedächtnisboxen wollen beides sein: Ausstellungsorte und massive Marken im Stadtbild, die die bislang wenig erzählten Geschichten der Einwanderung in den Blick rücken. Dazu die Ausstellungsmacherin Çağla İlk, die das künstlerische Konzept verantwortet: „Migration ist nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch ein überaus interessantes Thema. Die Brüche und die Vielschichtigkeit städtischer Geschichte und urbanen Lebens kann man nur verstehen, wenn man die tiefe Prägung Berlins durch die allgegenwärtige und schon immer vorhandene Präsenz von Migranten erfasst. Die Stadt ist nur durch Migration geworden, was sie ist: eine dynamische, kulturell vibrierende europäische Metropole.“ (hs)

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