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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Studie

Schulbücher vermitteln falsches Islambild

Die Darstellung von Islam und Muslimen in europäischen Schulbüchern vermitteln ein vereinfachtes Bild: „Modernes Europa“ versus „antiquierter Islam“. Das geht aus einer Studie des Georg Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung hervor.

In vielen europäischen Schulbüchern wird der Islam vereinfachend als homogene Einheit dargestellt. Muslime erscheinen als religiöses, vormodernes Kollektiv außereuropäischer „Anderer“, dem ein gleichfalls homogenes, modernes Europa gegenübersteht. Aus dieser Perspektive ist die religiöse Differenz unveränderlich. Betont wird die Konfrontation mit Europa, während Gemeinsamkeiten kaum dargestellt werden.

Dieser Befund ist das Ergebnis der ersten systematischen Analyse von Geschichts- und Politiklehrbüchern aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien und England, die Wissenschaftler des Georg Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig erarbeitet haben. Die Studie wurde gestern im Rahmen einer Pressekonferenz im Auswärtigen Amt vorgestellt.

Staatlich approbiertes Wissen mit Breitenwirkung
Aufschlussreich sind die Ergebnisse der Wissenschaftler, wenn man bedenkt, dass das in Schulbüchern festgeschriebene, kanonisierte und staatlich approbierte Wissen große Breitenwirkung hat. Schüler werden mit diesem besonderen Medium in einer für sie prägenden Lebensphase gezwungenermaßen konfrontiert. Dazu die Direktorin des Georg-Eckert-Instituts, Simone Lässig: „Es liegt uns fern pauschale Schulbuchschelte zu betreiben. Wir finden es aber wichtig, in der Öffentlichkeit für eingefahrene Wahrnehmungsweisen, in diesem Fall von Muslimen und Islam, zu sensibilisieren. Sie werden auch durch Schulbücher, oft über Generationen hinweg, unreflektiert weiter getragen.“

Die Analyse der Braunschweiger Forscher ergibt zudem, dass zwischen dem Islam als Religion und muslimisch geprägtem kulturellen und politischen Alltagsleben ebenso wenig unterschieden wird wie zwischen den vielfältigen Ausprägungen des Islam etwa in der Türkei, der arabischen Welt oder Indonesien. Aktuelle Schulbuchdarstellungen würdigen zwar die zivilisatorischen Beiträge des arabisch-islamischen Mittelalters, bringen aber die grundsätzlich polarisierende Auffassung nicht ins Wanken. Sie suggerieren vielmehr, dass muslimisch geprägte Gesellschaften seit dieser Blütezeit in kulturellem Stillstand verharren. Mit Blick auf die Beziehungen Europas zur muslimischen Welt stellte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, dazu fest: „Die auch in modernen europäischen Schulbüchern weiterhin enthaltenen verein­fachenden Darstellungen des Islam stehen einem glaubwürdigen interkulturellen Dialog mit der muslimisch geprägten Welt im Weg.“

Muslime nicht als Sondergruppe präsentieren
Eine weitere Konsequenz ist, dass Schulbücher nicht geeignet sind, einen islamophoben politischen Populismus zu entkräften, der Menschen muslimischer Religionszugehörigkeit in Europa zu Außenseitern erklärt und sie zur Zielscheibe mehr oder minder offener Ablehnung macht.

Susanne Kröhnert-Othman, eine der Autorinnen der Studie, plädierte deshalb u.a. für die Revision von Kapiteln zum Thema „Migration“. „Hier sollte vermieden werden“, so Kröhnert-Othman, „Muslime als Sondergruppe außereuropäischer Zuwanderer zu präsentieren, deren mitgebrachte Traditionen per se eine Integration in europäische Einwanderungsgesellschaften verhindern.“

Cornelia Pieper bilanzierte: „In dem Maße, wie es gelingt, Türen in andere Welten, Kulturen und Religionen zu öffnen und Brücken zu anderen Menschen zu bauen, werden wir gemeinsam zum friedlichen Miteinander in der Welt beitragen können.“ (eb)

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Ein Kommentar
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  1. buzzi sagt:

    Kein Wunder, man muss einfach nur schauen von wem die Schulbücher veröffentlicht werden.
    Generell sollte man sich gedanken über den Inhalt der Schulbücher machen, weil dahinter meistens nur einiger Verleger sind die entscheiden was reinkommt und was nicht.
    Das ganze ist vergleichbar mit den Medien.



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