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Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

1x1 der Fastenzeit

Der kleine Ramadan-Knigge

Seit dem 1. August fasten Millionen Muslime Weltweit – der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. Das Arbeits- und Alltagsleben nimmt aber seinen gewohnten Lauf – Ein kleiner Ramadan-Knigge für das Miteinander.

VONZeyneb Sayılgan

 Der kleine Ramadan-Knigge
Islamwissenschaftlerin, promoviert derzeit im Bereich Christlich und Islamische Theologie an der Georgetown Universitaet in Washington DC. Als Dozentin leitet sie Seminare über Christlich-Islamischen Dialog, religiösen Pluralismus und Islam. Sie lebt und arbeitet als "Chaplain-in-Residence" auf dem Campus. Als waschechtes "Meenzer Mädche" ist sie in der Fassenachthochburg Mainz geboren bevor sie vor fünf Jahren in die USA zog. Nach ihrem Islamwissenschaft Studium in Mainz absolvierte sie einen zweiten Master im Bereich Christlich-Islamische Beziehungen am Hartford Seminary im Bundesstaat Connecticut. Ihre Eltern kamen als kurdische Gastarbeiter 1977 aus Ostanatolien nach Deutschland. Nach der Hauptschule gelang es ihr und ihren fünf Geschwistern, das Abitur zu erlangen und neben ihrem Studium als freie Journalistin bei HIT Radio FFH, SAT.1, und der Mainzer Rhein Zeitung zu arbeiten. Die Autorin ist aktiv im interreligiösen Dialog tätig und referiert an Kirchen, Schulen und anderen Einrichtungen.

DATUM2. August 2011

KOMMENTARE18

RESSORTAktuell, Gesellschaft

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In den nächsten Wochen sollten sie nicht überrascht sein, wenn ihr muslimischer Kollege beim Meeting auf den üblichen Kaffee und die belegten Brötchen verzichtet oder den sonst gewohnten Mittagstisch mit Ihnen ablehnen muss.

Denn der Ramadan hat begonnen. Die berühmte 30-tagige Fastenzeit, in der auch die Mehrheit der ca. 4 Millionen Muslime in Deutschland von Sonnenaufgang bis -untergang freiwillig auf Nahrung und Trinken verzichten, sich von Weltlichem abwendet und ein größeres Gottesbewusstsein entwickeln möchte ist nun angebrochen. In dieser Zeit wenden sich Muslime stärker ihrer Spiritualität und dem Gottesdienst zu, sind angehalten, mehr als sonst Gutes zu tun und wohltätig zu sein.

Natürlich stoppt das Arbeits- und Alltagsleben in Deutschland deswegen nicht. Es geht seinen gewohnten Gang. Aber mit diesen kleinen Aufmerksamkeiten machen Sie Ihren muslimischen Kollegen und Nachbarn eine kleine Freude und signalisieren Interesse und Respekt:

1) Der Gruß: Das nächste Mal, wenn Sie ihrem muslimischen Kollegen begegnen, wünschen Sie ihm doch einfach eine gesegnete Fastenzeit, indem Sie ihn mit der Formel „Ramadan Karim“ oder „Ramadan Mubarak“ begrüßen. Solch eine Aufmerksamkeit ihrerseits erheitert das Gemüt, signalisiert Respekt und ihre Bereitschaft zum Lernen und trägt zum besseren Miteinander bei.

2) Positiv Denken: Ramadan ist für alle Muslime die fröhlichste Zeit des Jahres und alle fasten freiwillig und haben sehnsüchtig auf diesen Monat gewartet. Auch wenn viele ein wenig müde und abgeschlagen erscheinen, ist Ihr gut gemeintes Mitleid wirklich nicht nötig. Ihre positiven Worte der Anerkennung aber sind dagegen umso mehr willkommen. Aussagen wie „Oh wow ich bin beeindruckt. Das ist ja ’ne tolle Art von Selbstdisziplin,“ – kommt bestimmt besser an!

3) Mittagessen: Das Leben geht weiter und kein Muslim erwartet das sich nun alles und jeder nach seinem besonderen Fastenzyklus richten muss. Essen Sie bei Meetings oder Konferenzen ruhig in unserer Gegenwart und fühlen Sie sich bitte nicht unwohl dabei. Wir schätzen ihre Sensibilität aber sie müssen sich nicht jedes Mal rechtfertigen oder entschuldigen, wenn Sie in der Gegenwart von Muslimen essen. Verzeihen Sie uns aber auch, wenn der Magen ein wenig zu knurren anfängt, wenn Sie mit leckeren Speisen auftauchen.

4) Kein Wasser: Es ist wahr! Als Teil unserer spirituellen Disziplin trinken wir sogar bei brühender Hitze keinen Tropfen Wasser. Aber keine Sorge – kein Mensch ist vom Fasten allein gestorben und die Reserven, die man vor der Morgendämmerung zu sich genommen hat, reichen immer aus.

5) Fastenbrechen: Falls Ihr muslimischer Kollege oder Nachbar sie in die Moschee oder zu sich zu Hause zum Fastenbrechen einladen sollte, warum nehmen Sie die Einladung nicht einfach an? Generell ist der Monat Ramadan eine Zeit der Gemeinschaft, in der man gemeinsam zusammenkommt und auch für andere viel Gutes tut. Menschen kommen sich bei einem leckeren Essen sofort viel näher, man lernt viel Neues dazu und hat seinem Nachbarn oder Kollegen eine große Freude bereitet. Es ist eine schöne Gelegenheit, sein Wissen zu erweitern und mit all seinen Sinnen Ramadan aus erster Hand zu erleben. Keine Angst! Sie müssen nicht fasten um an einem Iftar (Fastenbrechen) teilzunehmen.

6) Voller Einsatz: Fasten bedeutet nicht, sich von allen Aufgaben zurückzuziehen. Im Gegenteil, alle Muslime folgen ihrem gewöhnlichen Arbeitsalltag und sehen sich nicht als Extrawurst. Sie vollbringen in beachtlicher Weise dieselbe Leistung wie ihre nicht-fastenden Kollegen.

In diesem Sinne – fröhlichen Ramadan!

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18 Kommentare
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  1. ´Abūd sagt:

    Vor ungefähr 30 Jahren fiel der Fastenmonat Ramaḍān auch in den Hochsommer, und in den äquatorfernen und polnahen Gebieten, wie Mitteleuropa und Skandinavien, sind die Tage dann verhältnismäßig lange und die Nächte kurz. Wir hatten damals täglich annähernd 19–20 Stunden zu fasten. Was mir im auch im Sommer überwiegend kühlen Deutschland jedoch mehr als Durst und Hunger zu schaffen machte, war der Schlafentzug, als ich damals als Angestellter noch „normale“ Arbeitszeiten hatte. Die wenigen Stunden zwischen der Rückkehr von der Arbeit nach Hause bis zum Fastenbrechen reichten nicht für einen ausgiebigen und erholsamen Schlaf. Das Nacht- mit dem anschließenden Tarāwīḥ-Gebet begann kurz vor 12 Uhr Mitternacht und erstreckte sich einschließlich der Rückfahrt nach Hause bis ungefähr nach halb zwei Uhr morgens. Dann legte ich mich nicht gleich schlafen, um nicht das Frühlichtgebet und die vorher einzunehmende Mahlzeit zu verpassen, sondern erst danach, und die Stunden, bis ich wieder aufstehen mußte, um zur Arbeit zu fahren, waren für einen ausgiebigen und erholsamen Schlaf ebenfalls zu wenig.
    Der bekannte, im 14. Jh. lebende, muslimische Weltreisende Ibn Baṭṭūṭa berichtet, daß er im Ramaḍān eines Jahres, der damals in den Hochsommer fiel, ein Land Namens Bulġār an der Wolga, im heutigen Rußland, auf derselben geographischen Breite wie Mitteleuropa gelegen, bereiste, dessen Bewohner Muslime waren. Seiner Schilderung nach verbrachten diese Leute die kurzen Nächte mit Gebet, anstatt zu schlafen.

    Hier einige negative Erscheinungen im Monat Ramaḍān:

    Die Moscheen füllen sich mit Heuchlern.
    Eigentlich ist jeder männliche Muslim dazu verpflichtet, insbesondere das Frühlicht- und das Nachtgebet in Gemeinschaft in einer Moschee zu verrichten, anstatt zu Hause allein. Wer das ohne Entschuldigungsgrund nicht tut, ist nach den Worten des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und gebe ihm Heil – ein Heuchler. Im Ramaḍān nun nimmt die Zahl der Betenden meist stark zu, was bedeutet, daß viele Muslime, die dazu verpflichtet wären, das ganz Jahr über in der Moschee zu beten, dies nur im Ramaḍān tun.

    Völlerei.
    Statistisch ist nachgewiesen, daß der Lebensmittelverbrauch der meisten Muslime im Ramaḍān höher liegt als in den anderen Monaten. Anstatt sich in Enthaltsamkeit zu üben und auch körperlich auf die vermehrten gottesdienstlichen Handlungen einzustellen, verzehren sie in den Nächten des Ramaḍān mehr als in den anderen Monaten tagsüber. Wenn sie dann am Tage müde und träge sind, kommt dies nicht davon, weil das Fasten so anstrengend wäre oder sie die Nächte mit Beten verbracht hätten, sondern weil sie sich nachts den Bauch zu sehr vollgeschlagen haben. In den muslimischen Ländern nützen die Händler diese Erscheinung, um während des Monats die Preise zu erhöhen.

    Vermehrte Diebstähle.
    Im Ramaḍān häufen sich – zumindest in den muslimischen Ländern – die Diebstähle in den Moscheen und auch außerhalb. Kinder zünden Knallkörper unmittelbar neben Moscheen, wenn die Erwachsenen dort zum Gebet versammelt sind. Autofahrer werden leichter nervös und verursachen Unfälle, insbesondere, wenn sie es eilig haben, noch „rechtzeitig“ zum Fastenbrechen nach Hause zu kommen.

    Es wäre wünschenswert, wenn die Muslime über den Sinn des Monats Ramaḍān nachdächten und zu wirklichem Fasten zurückkehrten.

  2. Magic1795F sagt:

    @´Abūd
    Gut dass die Muslime für den Schöpfer ALLAH fasten und nicht für dich.
    Sie tun dies für und im Namen ALLAH´s den Allerbarmers und Barmherzigen.
    Wie gut das gutes von ALLAH reichlich (manchmal um ein mehrfaches) belohnt und falsches nur einfach gerichtet wird. Wie gut das sehr vieles von ALLAH unter Umständen verziehen wird und nur weniges wie Shirk nicht verziehen wird.
    Sich Gott gleich stellen und über andere urteilen!!! Shirk!!! Eine große Sünde.
    Möge ALLAH über jeden richten,urteilen; ich werde es nicht tun. Ich wollte sie nur aufmerksam machen.
    In diesem Sinne ein gesegnetes Ramadan

  3. E.Z. sagt:

    Guten Tag Zusammen,

    lassen Sie Hannibal, Hannibal sein, es haben andre versucht die Fastenzeit schlecht zu reden und sind nicht weitergekommen. Solche Typ-Mensch wie Hannibal, sind einfach neidisch. Wie Neid entsteht wissen wir doch alle!!!
    Außerdem Neid muss man sich erarbeiten.
    Ich persönlich, bin Hannibal nicht böse! Wir leben in einem freien Land, jeder darf sein Meinung Grund tun.

    Iftar Karim.

  4. Dr.Eadnought sagt:

    Die Betrachtungen von Hannibal sind völlig zutreffend, wobei die Frage gestattet sei warum eine westliche Gesellschaft auf anachronistische Folklore von Gästen unseres Kulturkreises in dieser Form Demut üben sollte.

    Wenn sich die Muslime in diesem und anderen Ländern nicht so betont integrationsunwillig gäben, gäbe es diese Probleme überhaupt nicht.

  5. MoBo sagt:

    @ Dr.Eadnought: Sie sind auch dagegen, das Weihnachtsfest zu exportieren?

  6. Josef Haselbeck sagt:

    @ Hannibal
    Man ist ja im Bezug auf dem Islam zynische, ja sogar bösartige Kommentare mittlerweile gewohnt (leider) aber Sie haben es tatsächlich geschafft eins draufzusetzen. Um Ihnen Ihre Ignoranz vor Augen zu halten, möchte ich Ihnen einen Denkansatz mit auf dem Weg geben.

    Wie viele Muslime gibt es auf der Welt?
    Seit wann gibt es den Islam?
    Wie viele körperliche Schäden oder gar Schäden mit Todesfolge hat es in dieser Zeit aufgrund des Ramadans gegeben? Sie dürfen auch gerne deutsche Krankenhausstatistiken heranziehen.

    Natürlich gibt es immer wieder Klugschei*** die sich über die Erfahrungswerte von über 1.000.000.000 Menschen, welche in über 1400 Jahren gesammelt wurden hinwegsetzen und tatsächlich auch noch den Nerv haben, diese auch noch mit völlig haltlosen und unqualifizierten Behauptungen zu kritisieren.

    Übrigens kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend ein Mensch (egal ob Muslim oder nicht) auf das Wohlwollen, Verständnis oder gar die Annerkennung eines Unsympathen wie Ihnen scharf ist.
    Wenn Menschen wie Sie gegen den Islam sind, dann muss der Islam ja wirklich was tolles sein.

  7. […] Hier noch schnell der Link zum kleinen Ramadan-Knigge, damit man nicht versehentlich ins Fettnäpfchen tritt und informiert […]

  8. Doreen sagt:

    @ all

    ich habe gestern gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen (freiwillig) in Bezug auf meine berufliche Tätigkeit einem Fastenbrechen beigewohnt, was als öffentliche Veranstaltung organisiert und ausgerichtet wurde. Daran konnte jeder Interessierte teilnehmen, unabhängig von Nationalität oder Religion. Ich (konfessionslos) hab mich natürlich vorher über die grundlegendsten Dinge und Verhaltensmaßregeln informiert, um das Ganze dann mit Interesse zu verfolgen und auch in den Grundzügen zu verstehen. Alles war toll vorbereitet, zeremoniell sehr feierlich, die Speisen sahen sensationell aus und so schmeckten sie auch. Nur eines verstand ich nicht: Dieses Totalitäre am Glauben an sich!
    Und genau dieses Phänomen beobachte ich hier, beim Lesen der Kommentare. Es wird versucht, dem Nächsten den eigenen Glauben (egal welcher) überzustülpen, ihn bekehren zu wollen. Das ist nicht gut, so erreicht man weder Verständnis, noch Toleranz und schon gar keine Akzeptanz. Wer glauben will, der soll das tun mit allem was dazu gehört. Aber ich würde mir wünschen, dass „der Gläubige“ sagt: „Schau her, das ist meine Religion, das ist mein Glaube, meine Traditionen. Wenn du das mitträgst freue ich mich, wenn du nicht oder an etwas anderes glaubst, ist es ok, dann sei einfach Gast.“
    Nur so kann es doch funktionieren!


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