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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Lamyas Welt

Der Deutsche ist tot. Lang lebe der Deutsche.

Das Thema Integration wird überbewertet, sagen die einen. Integration ist das Zukunftsthema, meinen die anderen. Seit zehn Jahren wird nun verstärkt eine Debatte geführt, die weitgehend ergebnisfrei verläuft und bespickt mit Ablenkungsmanövern ist.

VONLamya Kaddor

 Der Deutsche ist tot. Lang lebe der Deutsche.
Geb. 1978 im westfälischen Ahlen als Tochter syrischer Einwanderer. Sie unterrichtet das Schulfach „Islamkunde in deutscher Sprache“, bildete an der Universität Münster deutschsprachige Islamlehrer aus und berät die Politik zur Integration von Muslimen, gehört zu den Sprecherinnen des „Forum am Freitag“ des ZDF und ist Vorsitzende des 2010 gegründeten Liberal-Islamischen Bundes e.V. In ihrer MiGAZIN-Kolumne schreibt sie über ihre Welt - „Lamyas Welt“. Bei C.H.Beck erschien von ihr zuletzt „Muslimisch – weiblich – deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßem Islam“ (2010).

DATUM1. Juni 2011

KOMMENTARE65

RESSORTAktuell, Meinung

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Das wurde jüngst aus berufenem Munde wieder deutlich. Anlässlich der konstituierenden Sitzung des Bundesbeirats für Integration erklärte Staatsministerin Maria Böhmer: „Der Beirat ist eine ausgezeichnete Plattform für Diskussionen über Grundsatzfragen von Zuwanderung und Integration und für eine Identitätsdebatte. Eine zentrale Frage lautet: Wie lange ist man ein Migrant? Mittlerweile lebt die dritte und vierte Generation von Migranten in unserem Land. Dies sind junge Menschen, die hier geboren sind und nun in Deutschland aufwachsen und zur Schule gehen. Sie müssen die Chance bekommen, bei uns anzukommen. Dazu müssen sie ihr jeweiliges Herkunftsland loslassen.“

Das erinnert mich an einen Radiobericht vor einiger Zeit. Darin berichtete ein Mann, Mitte 40, Vater dreier Kinder, von seinem Leben in einem kleinen, typisch deutschen Dorf nahe Bonn. Er erzählte, dass sich das Gesicht seiner Heimat in den letzten Jahren stark verändert habe. Zahlreiche Familien seien von auswärts hinzugezogen, neue Wohngebiete mit modernen Reihenhäusern und hübschen Gärten seien entstanden. Der Mann fing an, sich zu beklagen: Einige dieser fremden Menschen hätten begonnen, seine Töchter etwa in der Schule oder auf dem Weg dorthin anzufeinden. Die Erwachsenen äußerten sich abfällig über sie, von den Kindern dieser Neuankömmlinge würden sie geradewegs beschimpft. Immer wieder hieße es, er und seine Familie sollten doch dahin zurückgehen, wo sie hergekommen seien. Das hier sei schließlich ihre Heimat. Über solche Äußerungen konnte sich der Mann nur wundern: „Wir leben seit 400 Jahre in diesem Dorf. Seit 400 Jahren!“ Das Problem seiner Familie: Sie ist etwas dunkler im Teint, denn ihre Vorfahren kamen einst aus dem Osten – als Sinti und Roma.

Frau Böhmer, wann ist man in Deutschland angekommen? Reichen 400 Jahre aus? Offensichtlich nicht. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Statt öffentlich darüber nachzudenken, wie lange ein Migrant nun ein Migrant ist, und statt Forderungen zu stellen, dass man sein jeweiliges Herkunftsland loslassen müsse, muss es der Politik endlich darum gehen, der deutschen Bevölkerung reinen Wein einzuschenken. Dieses ist nicht mehr die homogene Gesellschaft der 50er Jahre – weitgehend ohne Asylanten, ohne Ausländer, ohne Menschen mit dunklerer Hautfarbe und schwarzen Haaren. Und zu dieser Gesellschaft werden wir auch nie wieder zurückkehren. Gesellschaften machen von jeher durch Zuzug und Abwanderung einen Wandel durch. Das ist ganz natürlich. Solche Veränderungen lassen sich nicht aufhalten. Das muss die Botschaft sein. Doch sie wird von der Politik tabuisiert. Solange diese Botschaft aber nicht in den Köpfen der Menschen in Deutschland ankommt, wird Integration niemals gelingen. Und wer diese Veränderung der deutschen Gesellschaft nicht wahrhaben will, soll klar und unmissverständlich sagen, wie er sie aufhalten will, oder für immer schweigen.

Ich selbst kann an dieser Stelle leider noch nicht schweigen, denn die Anerkennung der gesellschaftlichen Realität führt automatisch zu der Frage: Was heißt eigentlich Deutsch-Sein? Viele weichen dem Thema hilflos und überfordert aus, fordern aber im Gegenzug ganz selbstbewusst das Bekenntnis zur „deutschen Leitkultur“. Also: Weißwurst essen? Vorm Zubettgehen Goethe und Schiller lesen? Sekt schlürfen und Bowle trinken? Mit beharrtem Bierbauch, über den sich zur Hälfte ein eibeflecktes Unterhemd spannt, samstags das Auto waschen? Sonntags durch Museen streifen? Einen Gesprächskreis gründen? Gartenzwerge aufstellen? Seine Kinder taufen lassen? Ihnen deutsche Namen geben? Sich die Haut bleichen? Eine Antwort auf die Frage gibt es nicht.

Wir können also nicht benennen, was „deutsche Leitkultur“ ist, aber wir sträuben uns „bis zur letzten Patrone“ gegen Zuwanderung „aus fremden Kulturkreisen“ (der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer), wir erklären Multikulti für „gescheitert, absolut gescheitert!“ (die Bundeskanzlerin Angela Merkel) und wir halten Arabern und Türken eine verminderte Intelligenz und Integrationsbereitschaft vor (der SPD-Politiker Thilo Sarrazin). Wir fordern und fordern und fordern. Wenn beim Stichwort Integration allerdings permanent von Forderungen gesprochen wird, dann dürfen auch alle am Wunschtisch Platz nehmen. In einer Demokratie macht man das so. Trotzdem wundern sich manche oder echauffieren sich gar darüber, dass angeblich die „Migranten“ dauernd Forderungen stellten.

Wir brauchen gemeinsame Werte, mit denen wir uns alle identifizieren können. Darüber müssen wir in der Öffentlichkeit diskutieren – und zwar ohne Tabus. Eine vernünftige und nachvollziehbare Forderung wäre beispielsweise: Alle Bürger dieses Landes sollten sich zum Grundgesetz bekennen und Deutsch sprechen können. Leider reicht dies vielen Zeitgenossen nicht aus, wie man sieht. Schade, dass unsere Verfassung denjenigen so wenig wert ist.

Im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist es jedenfalls nicht mehr damit getan, seit Generationen hier geboren zu sein, um als Teil der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Ich weiß auch nicht, was die „deutsche Leitkultur“ ist. Ich weiß lediglich, man kann auch deutsch sein, wenn man schwarze Haare hat und sogar wenn man Muslimin ist. Dass der Islam samt seinen Anhängern zur Realität dieses Landes gehört, bestreiten heute nur noch Menschen, die sich ihrerseits nicht in unsere Gesellschaft integriert haben.

Der Deutsche ist tot. Lang lebe der Deutsche.

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65 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. KTL sagt:

    @ Leo Brux
    Der Begriff des Individualismus ist stark geprägt vom Verständnis der individuellen Freiheiten. Da tut sich nun mal ein ziemlich großer Graben auf zwischen der ‚westlichen‘ und der islamischen Variante. Vor allem dann, wenn esd um individuellen Freiheiten von Frauen geht.
    Hat was mit dem Islam zu tun.

  2. Sabberlatz sagt:

    @ Leo Brux: Hören Sie, mit Ihnen kann man nicht diskutieren. Jetzt unterstellen Sie mir, ich wollte deportieren. Sagen Sie doch gleich, dass ich ein Nazi bin und umgehend ein neues Auschwitz installieren möchte.

    Sie scheinen es einfach nicht zu verstehen: Meine Anmerkungen in Bezug auf die Türkei waren keine Verklärung der dortigen Verhältnisse. Natürlich wäre es SEHR wünschenswert, wenn die dortigen Minderheiten nicht mehr unterdrückt würden. Ich habe allerdings die Frage aufgeworfen, ob die Türken generell ein Interesse daran hätten, ihr Land zu einer Neuauflage der USA zu machen. Nach deutscher Art. Wieder verstehen Sie hier keine Zwischentöne und nicht die Tatsache, dass ich Fragen stellte. Es ist ein Unterschied, ob es in einem Land Minderheiten gibt und diese geachtet und geschützt werden, oder ob ein Land Masseneinwanderung erfährt und auf allen Ebenen internationalisiert wird. Sie lesen einfach das, was Sie lesen wollen. Dekonstruktivismus at its best.

    Trotzdem: Ich will weder jemanden deportieren, noch Gesetze erlassen, noch sonst etwas. Wieso verstehen Sie das nicht? In Deutschland sind politische Entscheidungen getroffen worden, die zu einer Entwicklung geführt haben, die zunehmend eine Eigendynamik entwickelt. Diese Dinge sind NICHT rückgängig zu machen. Ich kritisiere diese Entwicklung. Von Anfang an hätte sich Deutschland überlegen sollen, wohin es will und die Einwanderung dementsprechend steuern sollen.

    Das ist nicht geschehen, die Leute sind da, sie merken, wie sehr sich die „Deutschen ohne Migrationshintergrund“ selbst geringschätzen und ziehen sich entsprechend (nicht alle Migranten aber doch eine Menge) eher auf ihre Ursprungsidentitäten zurück.

    Und nein, das wird sich NICHT ändern (es gibt in Deutschland übrigens Türken in der 4. Generation, die sich ausschließlich als Türken verstehen), denn das Land ist bereits so in Grüppchen zerfallen und die „Nichtmigranten“ derart an ihrer eigenen Selbstaufgabe interessiert, dass nicht wenige Migranten nicht wissen, womit sie sich denn identifizieren sollten. Mit deutschem Selbsthass, so wie Sie ihn hier zur Schau gestellt haben? Nazi-Keule und „wir Deutschen sind so egozentrisch, wir müssen am fremden Wesen genesen“? Und nein, Migranten zerstören nicht Deutschland, sondern die „Nichtmigranten“ haben eine Entwicklung in Gang gesetzt, die die Fortexistenz des deutschen STAATES gefährden bzw. beenden könnte. (Im Vorposting hat ein Kommentator Helmut Schmidt zitiert, der Anfang der 90er bekundete. Deutschland könne kein Schmelztiegel im Sinne der USA sein. Exakt meine Position. Möchte der auch deportieren? Oh je, ein als Nazi getarnter Sozialdemokrat. Wollen Sie nicht umgehend Anzeige erstatten? So rückwirkend? Und der linke Historiker Hans Ulrich Wehler meinte sogar in der taz (im Jahre 2003), dass „die türkische Minderheit in Deutschland nicht integrierbar sei“. Noch ein Nazi. Schon zwei Anzeigen für Sie. Denn: Wehlers Absicht ist klar: Er will deportieren. Ergibt sich zwingend aus seiner Aussage, nicht wahr?)

    Schuld daran (an einer potentiellen Auflösung Deutschlands) sind nicht die Migranten, die nur tun, was jeder tun würde, sondern die, die diese Entwicklung in die Wege geleitet haben. Auch wenn alle Migranten weg wären, wäre Deutschland kein tolles Land, sondern ein Land, dessen Bewohner zu nicht geringen Teilen gar nicht wüssten, was dieses Land überhaupt noch auf der Weltbühne soll. Der Nazi-Komplex eben. Also: Ich stilisiere hier keine Migranten als böse Sündenböcke, die weg müssen, damit das tolle Deutschland wieder heil ist, sondern – wie bereits so oft erklärt – ich kritisiere eine Entwicklung.

    Eine Entwicklung, die meiner Ansicht nach zu einer Entdemokratisierung führen wird. Wenn Sie beispielsweise der Ansicht sind, dass etwa ein Superstaat Europa mit fast 500 Millionen Menschen und zig Sprachen „Demokratie“ machen kann – nun, dann haben Sie einen festen Glauben. Das Konzept der Demokratie kommt aus der griechischen Polis, wo die Verhältnisse noch etwas anders waren als heute, auch die Mengenverhältnisse der Menschen. Je weniger Menschen, je größer die Demokratie. Deswegen sind kleinere Gebilde für die Demokratie immer besser, in einer globalisierten Welt tendiert man jedoch eher zu Riesengebilden. Hier gilt dann das schöne Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei.“ Im Übrigen – wenn Sie der Ansicht sind, dass Europa funktionieren kann – würde ich Sie bitten, mir dann auch die „europäische Identität“ zu definieren, mit der sich alle in Europa lebenden Menschen identifizieren können müssten, damit eine „vorgestellte Gemeinschaft“ im Sinne Andersons entstehen könnte, die in großen Menschengruppen immer Voraussetzung für Solidarität ist.

    Und: Nein, „die Deutschen“ haben den Antagonismus zwischen sich und den Migranten nicht konstruiert. Manche vielleicht, andere absolut nicht. Ich habe z. B. im sozialen Bereich Kinder aus Migrationsfamilien ganz selbstverständlich als Deutsche bezeichnet, worauf die Kinder tödlich beleidigt waren, weil dies für sie eine Beleidigung darstellte. Ich habe Mesut Özil als Deutschen bezeichnet und bin belehrt worden, dass dieser kein „richtiger Deutscher“ sei und es nicht auf den Pass oder das Geburtsland ankäme. Von den Kindern. Nun, sicher finden Sie jetzt wieder einen Grund dafür, dass Sabberlatz an dieser Reaktion Schuld ist.

    Verstehen Sie mal: Deutscher Selbsthass und deutsche Selbstaufgabe sind für Migranten NICHT so wirklich attraktiv. Ein Beispiel: In Duisburg wurde am 29. Mai 2003 eine Mehmet Fatih-Moschee eröffnet. Dies war der 550. Jahrestag der Eroberung Konstantinopels und die Moschee war nach dem Eroberer benannt, der die Christen dort reihenweise abschlachtete. Was glauben Sie, haben die Verantwortlichen für diese Moschee-Benennung und die Eröffnung an dem genannten Tag über die nicht-muslimischen Deutschen mit christlich geprägtem kulturellen Hintergrund gedacht, die freudig zur Eröffnung marschiert sind? Die haben sich sicherlich hinterher totgelacht über soviel himmelschreiende Dummheit.

    Weiter: Unterlassen Sie doch die ständigen Kulturalisierungen. Sie haben mit ein paar Türken gegrillt und belehren mich jetzt, dass Türken besser grillen als alle anderen. Im Migrationdiskurs an einer Universität würden Sie mit solchen Ansagen keine Punkte sammeln. So ein Statement wird dort nämlich genauso als Pauschalisierung abgelehnt wie die Aussage von jemanden, er würde zwei kriminelle Türken kennen und alle Türken hätten deswegen einen Hang zur Kriminalität. Sie kulturalisieren selektiv, so wie es Ihnen gerade passt. „Die Deutschen“ sind egozentrisch, „die Türken“ grillen toll. Es gibt große Vielfalt in Deutschland, aber Sie gehen von einer „Integration“ oder „Assimilierung“ aus, wobei Sie gleichzeitig eine deutsche Kultur negieren. Ja, was denn nun? Keine „Leitkultur“, aber Assimilation an oder Integration in eine solche?

    Und was die „volksgemeinschaftliche Homogenität“ angeht: Hören Sie auf, ständig auf sozialistische Konstrukte zu rekurrieren. Die „Volksgemeinschaft“ der Nazis gehörte zum sozialistischen Teil des Nationalsozialismus und machte diesen so attraktiv für die Menschen. Ich möchte überhaupt keinen Sozialismus. Weder nationalen noch internationalen, da beide Sozialismen in der Praxis nicht funktionieren. Übrigens wüsste ich auch nicht, dass die Türkei ein sozialistischer Staat wäre. Sie werfen ständig die Idee des Nationalstaates mit dem Nazi-Konstrukt der Volksgemeinschaft in einen Topf, wobei Sie zu unterstellen scheinen, dass ein Nationalstaat automatisch eine „Volksgemeinschaft“ darstellen würde. Nun, das ist mit Geschichtskenntnissen nicht vereinbar, aber bitte.

    Ich persönlich halte es nur rückblickend für einen Fehler, dass die Bundesrepublik ab den 60er Jahren so umgestaltet wurde, wie sie umgestaltet wurde. Das heißt nicht, dass ich ab diesem Zeitpunkt keine Migration mehr gewollt hätte. Gesteuerte, behutsame und durchdachte Migration lautet das Stichwort. Vorher hätte überlegt werden müssen, wo man hin will. Wäre für alle Beteiligten besser gewesen, auch für die Migranten.

    Zuletzt: Sie leiten aus meinen Gedanken über die derzeitige Situation in der BRD ab, dass ich einen pathologischen Hass gegen Ausländer habe, sie vermutlich wo es geht diskriminiere, am Besten noch beschimpfen würde, etc. Das ist völliger Blödsinn. Ich habe lediglich eine Meinung zu bestimmten Dingen und Entwicklungen, wobei ich keinen individuellen Migranten und auch nicht die Migranten in ihrer Gesamtheit als „Sündenbock“ betrachte. Mich regt die Jammerei im Migazin auf, aber ich weiß, dass es auch andere Migranten gibt. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass Migranten nicht an der Selbstaufgabe und Geringschätzung der Nichtmigranten Schuld sind.

    Und nochmal zu Ihrer Assimilation: Assimilation war (außer in wirtschaftlicher und gegenwärtig noch in sprachlicher Hinsicht) vorgestern, weil nicht mehr klar ist, woran assimiliert werden soll. Es gibt ganze Stadtteile, in denen Migranten die Mehrzahl stellen. In der Zukunft wird die Migration zunehmen. Wollen Sie den Migranten dann erzählen, dass sie sich an die Sprache der überalterten „biodeutschen“ Minderheit anpassen sollen? Etwas lächerlich. Die Amtssprache richtet sich in der Regel nach den Mehrheitsverhältnissen der Sprecher.

    Und zudem: Auch der Begriff „Integration“ wird im Migrationsdiskurs mittlerweile als diskriminierend abgelehnt. Integration soll durch demokratische Teilhabe ersetzt, Anpassungsdruck vermieden werden.

    Was Identität angeht: Sicher wird Identität zunehmend individueller. Das ändert aber nichts daran, dass Masseneinwanderung die in einem Land versammelten Menschen identitätsmäßig „noch hybrider“ macht und Interessengegensätze fördert und verschärft. Schon allein deswegen, weil Sprache wichtig für Identität ist und die Muttersprache natürlich immer eine besondere Rolle spielt.

    Wenn Sie mir in Ihrem nächsten Beitrag wieder unterstellen wollen, dass ich Massendeportationen in ein neues Auschwitz möchte, dann rechnen Sie bitte nicht damit, dass ich einem offensichtlich sehr versierten Dekonstruktivisten noch antworte. Wir sollten uns darauf einigen, dass wir verschiedene Meinungen haben und nicht zusammenkommen werden. Im Internet neigen Leute zu sinnlosen Diskussionen in Endlosschleife; ich glaube, dies ist eine sinnlose Diskussion. Aber Sie können ja Wehler oder Schmidt schreiben und diese belehren, dass sie Nazis sind, so wie ich.

  3. Andreas sagt:

    @Sabberkopp, „der linke Historiker Hans Ulrich Wehler “ – Du stellst Dir die Leute auch dahin, wo sie Dir in den Kram passen, hm?

  4. Leo Brux sagt:

    Sabberlatz,
    ich hab Ihnen nicht unterstellt, dass Sie deportieren WOLLEN; ich hab gesagt, aus Ihrer Argumentation folgt letztlich die Notwendigkeit der Deportation. Ob Sie das JETZT wollen oder nicht. Es ist die Konsequenz.

    Es gibt in Deutschland auch schon seit einigen Jahren keine Masseneinwanderung mehr – außer aus EU-Ländern. Wollen Sie die EU-Freizügigkeitsregelungen beenden? Oder sind Ihnen die einwandernden EU-Ausländer deutsch genug?

    Gibt es in Deutschland Deutschtürken der 4. Generation, die sich immer noch als Türken sehen? – Zwangsläufig, weil SIE es ihnen ständig vorhalten. Was soll den ein 7jähriger von sich denken, wenn sie ihm alle immer wieder sagen: Du bist ein Türke – obwohl er kaum ein Wort Türkisch versteht und noch nie in der Türkei war und eigentlich gar nicht weiß, was die Türkei ist. Aber das ist auch die Ausnahme – in der 4. Generation sind die Deutschtürken ungefähr so Deutsch wie die Urdeutschen oder so Deutsch wie die Thüringer in München.

    Deutschland kein Schmelztiegel? – Ja mei, Helmut und Sabberlatz, macht halt mal die Augen auf! Der Schmelztiegel ist in voller Aktion! Ok, nicht im Sinne der USA, aber eben doch auch irgendwie Schmelztiegel. Am Ende kommen lauter Deutsche raus.

    Wenn wir nicht global untergehen wollen, müssen wir Europäer uns zusammenschließen und ganz füreinander öffnen. Anders haben wir gegenüber den USA, China, Indien auch bald, keine Chance. Für diesen Zusammenschluss muss man praktische Wege finden. Da hakt einiges, aber es ist besser als die Zersplitterung in 30 voreinander abgeschottete Nationen. Im übrigen, ICH hab ein europäisches Bewusstsein. Wenn eines Tages mal China groß auftrumpfen wird, dann wird auch Europa wieder für uns alle eine attraktive Option.

    Wollen Sie MIR deutschen Selbsthass und deutsche Selbstaufgabe unterstellen? – Das ist doch IHR Metier. Mir ist das heutige multikulturelle Deutschland ein Genuss, und in einem multikulturellen Deutschland sehe ich unsere Zukunft. IHR Problem, dass Sie darin den Untergang sehen und Deutschland so, wie es ist, offensichtlich ablehnen. ICH bin es, der Deutschland bejaht und der die deutsche Kultur über alles schätzt und überhaupt nicht bedroht fühlt von Migranten oder dem Ausland oder der Globalisierung, sondern den sich selbst vergottenden Egos der Hyperindividualisten.

    Fatih-Moschee: In Deutschland heißt einer der am hochsten dotierten und geschätzten Preise nach Karl dem Großen — dem Sachsenschlächter … Auch Friedrich der Große ist ein Großer, nach dem alles Mögliche ehrenhaft benannt wird. Wie viele Zivilisten sind bei den Feldzügen des Prinzen Eugen von dessen Armeen umgebracht worden? Etcetera. Also bitte!

    Wo in Deutschland ist Deutsch in Gefahr, Zweitsprache zu werden? Es gibt ein paar Ecken, da hat man den Fehler gemacht und zugelassen, dass sich Einwanderer massiert haben. Das betrifft ungefähr 0,01 Prozent von Deutschland. Da ist es ein Problem an den Schulen. Im Rest von Deutschland, 99,99 Prozent, dominiert Deutsch so eindeutig und total, dass ich Ihre Angst lächerlich finden muss. Eine Gefahr besteht eher darin, dass die Bildmedien und die Games und der Rückgang des Lesens die deutsche Sprache verarmen lassen. Mit Migranten wiederum hat das nichts zu tun.

    Wenn Sie die angebliche Jammerei im MiGAZIN aufregt, Sabberlatz, Sie Heuchler, wieso zum Teufel lesen Sie es dann? Was haben Sie dann hier zu suchen? Niemand zwingt Sie, das MiGAZIN anzuklicken. Oder?

  5. MoBo sagt:

    Ich kann jetzt nicht jeden Satz von Sabberlatz auseinanderpflücken, denn so viel Platz ist hier nicht, aber nach einer ersten Analyse würde ich ihm denken in Ethnischen- und Volks-Schubladen vorwerfen. Dies verbunden mit einer sehr defensiven Weltsicht (Deutschland ist in Gefahr!) bei der aber die als negativ angesehenen Charaktereigenschaften auf andere (z.B: sog. Gutmenschen oder Migranten) projiziert werden – z.B. das die Andere immer Meckern, und die Anderen eine Gefahr für das Zusammenleben oder das es einen Verfall der Kultur gäbe (was ja schon die alten Römer beklagten, ist wirklich das älteste Klischee der Welt das die Kultur zugrunde geht und früher alles besser war).

    Niemand hat hier jemanden Nazi genannt, aber Rechtskonservativ mit einer aggressiven Haltung gegenüber Andersdenkenden und Fremden kann man eindeutig aus den Postings ableiten.

  6. MoBo sagt:

    – Kinder von Franzosen und Engländern lernen auch in Deutschland oft ihre andere Sprache zuerst – niemand regt sich auf
    – der Ministerpräsident von Niedersachsen ist britischer Staatsbürger und Freund von britischen Politikern – fremde Einflussnahme!!! – und niemand regt sich auf
    – es gibt von den USA und Frankreich und sonstwem bezahlte Medien und Kultureinrichtungen in Deutschland, die ihre Länder positiv darstellen (Propaganda!) – da geht man gerne hin
    – viele Spanier und Italiener in Deutschland haben auch Wohnungen in ihrem Herkunftsland, betreiben Restaurants mit ihrer Herkunftsküche und haben eigene Kulturvereine – und gelten als integriert

    Aber wenn Said mal aus eigener Tasche ne Moschee bauen will oder ein Herr Öztürk sein Kind lieber Yildiz statt Christina nennen will… nein, dann geht das Abendland unter…

    Diese Verlogenheit einiger Deutscher kotzt mich an. Und das sage ich als jemand, dessen Familie aus einem der oben genannten „Vorzeigeländer“ stammt.

  7. Kehrhelm Kröger sagt:

    Leo Brux,

    was zur Fatih-Moschee: Ich glaub nicht, dass der Karlspreis irgendwie als Provokation so genannt wurde oder dass die Stifter dieses Preises dabei Hintergedanken hatten. Wenn Karl der Große auch Sachsen getötet hat, ist dies doch nicht das entscheidende Charakteristikum, das man mit seinem Namen verbindet, sondern vielmehr dessen Rolle als ‚Vater des Abendlands‘. Im Falle der Fatih-Moschee in Duisburg, die unter der Federführung der türkeigesteuerten Islamverbände am 29.5.2003 feierlich eingeweiht wurde, ist aber Folgendes auffällig:

    –Am 29.5.1453, also auf den Tag genau 550 Jahre vor der feierlichen Einweihung der Duisburger Großmoschee, wurde die bis dato christliche Stadt Konstantinopel vom türkischen Sultan Mehmet II. Fatih erobert.

    –Fatih bedeutet Eroberer (Mehmet Fatih–Mehmet der Eroberer; Fatih Camii–Eroberer-Moschee). Nach der Einnahme der Stadt befahl Mehmet Fatih Massaker an Christen.

    –Die Haggia Sophia, die größte christliche Kirche Konstantinopels, wurde theatralisch in eine Moschee umgewandelt.

    –Die Eröffnung der representativen Fatih-Moschee am 29.5.3003 in der deutschen Stadt Duisburg geschah theatralisch unter dem Beifall begeisterter deutscher Gutmenschen.

    Alles Zufall? Da scheint mir etwas viel Zufall drinzustecken. Vielleicht ist es aus Ihrer Sicht ja völlig egal, aus Sicht der regieführenden Islamverbände war dieser Akt ganz sicher kein Zufall, sondern eine bewusste Provokation. Und ob ein deutscher Gutmensch diese Provokation überhaupt bemerkt, ist denen sicher auch völlig egal.

  8. MoBo sagt:

    @ Kehrheim Kröger:
    we herabsetzende Floskeln wie „Gutmenschen“ benutzt, auf den braucht man eigentlich nicht antworten.

    Schön wie Sie bei „unserem“ Karl einfach die Morde wegdiskutieren aber bei „deren“ Sultan es in den Mittelpunkt stellen. So kann man mit Geschichte spielen.

  9. Leo Brux sagt:

    Ich hab das Leben von Mehmet dem Eroberer noch nicht genauer studiert – aber dass er NICHT schrecklicher war als Friedrich der Große, Karl der Große, Henry V (der Lieblingskönig der Engländer), der hochgeschätzte Habsburger Karl V, die ollen Cäsar und Augustus und Alexander der Große oder gar jüngstens G. W. Bush der Kleine, das sagt mir mein – noch noch zu überprüfendes – Allgemeinwissen.

    Dass der Bau und die Benamsung von Moscheen in Deutschland etwas mit einer Eroberungsabsicht zu tun haben – werter Kehrhelm, da muss man schon spinnen, um sowas zu glauben. Aber da Sie ja zu wissen meinen, die das gehen könnte — bitte bitte, verraten Sie uns, WIE sie gehen könnte, diese Eroberung!

  10. Bierdurst sagt:

    Interessante Meinungen, besonders von Sabberlatz und Kehrhelm Kröger.

    Dass die sogenannte Globalisierung wurzellose Menschen hervorbringen möchte die keine Identität und Tradition mehr kennen, sollte nicht verwundern.
    Umso leichter sind die Massen steuerbar. Langsam sollte auch die Linke mal begreifen wohin der Zug fährt.


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