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Migration und Integration in Deutschland

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Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Wochenrückblick

K13/11 – Islamkonferenz 2011: War es die letzte?

Islamkonferenz 2011: Necla Kelek lobt, das Türkisch-Deutsche Forum der CDU NRW tadelt den Minister; die muslimischen Teilnehmer erinnern ihn an den Zweck, und Uli Gellermann macht sich über die Konferenz lustig.

VONLeo Brux

 K13/11 – Islamkonferenz 2011: War es die letzte?
Leo Brux, 1950 in München geboren, ist u. a. Integrationskurs-Lehrer bei der InitiativGruppe – Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V., einem großen Träger der Integrationsarbeit in München. Migrations- und Integrationsfragen beschäftigen ihn seit den frühen 70er Jahren sowohl praktisch als auch theoretisch, privat und beruflich. Für die InitiativGruppe schreibt er einen Migrationsblog.

DATUM4. April 2011

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Der bewusst widersprüchliche Umgang des Innenministers mit dem Islam und mit der Islamkonferenz – Friedrich will zugleich den ministeriellen Integrationsverpflichtungen genügen als auch den islamfeindichen Mob besänftigen – hat es wahrscheinlich gemacht, dass die Islamkonferenz nun gestorben ist. Abschaffen oder aussetzen, diese Forderung überwiegt in der Debatte.

Es gibt auch andere Meinungen. Zum Beispiel diese von Necla Kelek in der Welt: Friedrich sei

der erste Politiker, der den Moscheevereinen etwas abverlangt, nämlich zum Schutz der Gesellschaft aktiv zu werden. Das Geschrei bei den Vormündern ist groß. Denn wenn diese Haltung Schule macht und man von den Muslimen und ihren Verbänden aktiv Integrationsleistungen abverlangen kann, wenn wir darüber diskutieren können, ob ein Bürger dieses Landes zumindest in Sicherheitsfragen loyal gegenüber der Gesellschaft sein sollte, dann verändert sich auch das von der Sozialpolitik eingehegte Leben der Migranten.

Das heißt: Schäuble und de Maizère haben den Moscheevereinen nichts abverlangt, auch nicht, zum Schutz der Gesellschaft aktiv zu werden. Sie haben ihnen keine aktiven Integrationsleistungen abverlangt. Keine Loyalität zumindest in Sicherheitsfragen.

Behauptet Necla Kelek. Weiß sie eigentlich, was sie schreibt, wenn sie etwas schreibt?

Bundesinnenminister Friedrich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

SZ: Ist der Islam für Sie eine böse Religion?

Friedrich: Deutschland ist ein religionsfreundliches Land, das schließt selbstverständlich auch den Islam mit ein. Jede Religion, auch der Islam, kann jedoch leider politisch missbraucht werden. Diesem Missbrauch von Religion ist entschieden entgegenzuwirken.

SZ: Ist der Islam die derzeit missbrauchteste Religion?

Friedrich: Mit Blick auf den Islamismus muss man sagen: Er ist zumindest stark missbraucht. Den Superlativ will ich da nicht gebrauchen. Der weitaus überwiegende Teil der Muslime in Deutschland vereinbart Religiosität mit Demokratie.

SZ: Es wird viel über einen deutschen Islam geredet als eine besondere Ausprägung des Islams. Sollte man versuchen, diesen fördernd zu schaffen?

Friedrich: Es ist nicht Aufgabe des Staates, sich in Inhalte von Religionen einzumischen. Unsere Aufgabe ist nur, einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, in dem jeder seinen Glauben, seine Religion leben kann.

Vernünftige Worte – den Islamfeinden ins Stammbuch. Folgt nicht daraus, dass der Islam heute – bei 4 Millionen Muslimen im Land, 1,8 Millionen davon mit deutscher Staatsbürgerschaft – sehr wohl Teil von Deutschland geworden ist? – Wir müssen ja nicht in die Geschichte zurück gehen, wir brauchen auch nicht zu fragen, ob der Islam (oder das Judentum oder das griechisch-orthodoxe Christentum) zur Identität Deutschlands gehört.

Gut auch, dass Friedrich klar macht: Es ist nicht die Aufgabe des Staates, sich in die Inhalte von Religionen einzumischen. Das würde sich seine eigene katholische Kirche auch gewiss verbitten!

Uli Gellermann nimmt für ReadersEdition diesen Punkt satirisch aufs Korn. Er fingiert ein Interview mit Friedrich bezüglich einer „Christenkonferenz“, auf der es um eine „Sicherheitspartnerschaft“ gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern gehen soll:

Aber Herr Minister, es gibt doch Millionen Christen, die sich nie an Kindern vergriffen haben. Ist diese “Sicherheitspartnerschaft” nicht eine Art Vorverurteilung?

Ich bitte Sie! Wer in die Schmuddeleien nicht verwickelt war, der kann sich doch von diesem Vorwurf durch meine Maßnahme prima reinwaschen, wenn er meinem Ministerium Verdachtsmomente gegen die Schänder liefert. Ich will nur das Umfeld der Täter zur Mitarbeit aufrufen, wenn die Christen selbst darauf achten, ob sich jemand in ihrer Umgebung verdächtig macht, dann kommen sie nur ihren staatsbürgerlichen Pflichten nach. Das ist der erste Schritt in die Integration der Christen in einen laizistischen Staat.

Gellermann scheint auch an einige der Kommentatoren im MiGAZIN gedacht zu haben, als er diese Passage schrieb. Der fiktive Friedrich kündigt an:

Als nächstes nehmen wir uns mal das Verhältnis der Christen zu den Frauen vor. Zum Beispiel hat einer ihrer Propheten gesagt “Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem Herrn. Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde, und er ist seines Leibes Heiland.”

Das widerspricht eindeutig dem Gleichheitsgebot des Grundgesetzes.

Und nicht zuletzt: Alle, die in dieser Religion was zu sagen haben, sind Männer: Jesus, die Jünger, die Evangelisten. Ich kann nur sagen, die Christen werden wir demnächst gendern, dass ihnen das Hören und Sehen vergeht!

Das Deutsch-Türkische Forum der CDU Nordrhein-Westfalen ist unzufrieden mit dem Minister:

„Innenminister Friedrich beschädigt den Dialog mit den Muslimen in Deutschland. Den Fokus der Islam Konferenz auf sicherheitspolitische Fragestellungen zu legen, ist der falsche Weg.

Denn das hochsensible Thema der Prävention vor islamistischem Extremismus und Terrorismus darf nicht mit der Integration von Muslimen in Deutschland vermengt werden.

Auch in der Themenbehandlung der Islam Konferenz muss durch Innenminister Friedrich herausgearbeitet werden, dass Islam und Islamismus klar zu unterscheiden sind.

Viele Muslime fühlen sich unter Generalverdacht gestellt, wenn im Zusammenhang mit der Islam Konferenz vor allem die innere Sicherheit debattiert wird.

Die Angst vor dem Islam in Teilen der deutschen Bevölkerung wird mit diesem Vorgehen eher gefördert als ihr entgegenzuwirken.“

Im Dialog um Integration die Sicherheitsfragen hervorzuheben, war eine absichtsvolle Provokation, die auf beiden Seiten durchaus angekommen ist. Ich brauche die Kritik daran hier nicht ausgiebig zu zitieren. Für die Islamfeinde ist es eine Bestätigung.

Neun der zehn nicht organisationsgebundenen muslimischen Mitglieder der Islamkonferenz (DIK) haben dem Innenminister einen Brief geschrieben:

Der Grundgedanke der DIK ist eine ideologiefreie und versachlichte Auseinandersetzung mit dem Islam in Deutschland unter Einbeziehug von allen wichtigen Akteuren und mit Blick auf eine Zukunftsgestaltung, in der Inklusivität und Kooperation, und nicht Marginalisierung und Polarisierung herrschen. Im ersten Jahr der zweiten Mandatsperiode der DIK, in welcher der Fokus auf einer verstärkten Hinwendung zur praktischen Umsetzung dieses Prinzips lag, herrschte über diesen Grundgedanken weitestgehend Konsens bei muslimischen wie nichtmuslimischen Teilnehmern.

Der neue Duktus aus dem Innenministerium lässt nun Zweifel daran aufkommen, ob diese Dialog- und Integrationsfunktion der DIK aus staatlicher Perspektive weiterhin angestrebt wird. Es scheint, dass die vielfältigen Erscheinungsformen des Islams in Deutschland wieder einmal auf extremistisches Potential und Gefahrenmomente reduziert werden sollen.

(Quelle: Deutsch-Türkische Nachrichten)

Die Islamverbände sollten es sich gut überlegen, ob sie an der angekündigten Sicherheitskoferenz teilnehmen – und unter welchen Bedingungen. Sie tun gegen gewalttätigen Islamismus was sie können – aus eigenem Interesse. Nur, islamistische Terroristen kümmern sich nicht um die für sie verächtlichen Islamverbände. Diese Sicherheitskonferenz dient dem Interesse des Ministers, der nochmal etwas für den Mob tun möchte.

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111 Kommentare
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  1. keton sagt:

    @Leo Brux
    Das was Sie undifferenziert qua Ihres gesunden Volksempfindens als ‚Hetze‘ bezeichnen könnte zu großen Teilen auf den Prinzipien oder besser gesagt den ehemaligen Prinzipien Ihrer aktuellen Partei basieren. Gegen die Katholen jedenfalls haben die Grünen zu Recht sehr energisch die Autonomie des Einzelnen verteidigt. Gegenüber den ungleich rigideren Übergriffen der Imame auf die Privatsphäre kein Wort. Spätestens angesichts Güner Yasemin Balci’s ‚ Das unsägliche Manifest der beleidigten Muslime‘ sollte Ihnen dämmern, daß Ihre Versuche jegliche Kritik an islamischen Verhältnissen mit der Nazikeule plattzumachen niemandem etwas nützen.

  2. keton sagt:

    @ Zensur
    Wird hier nur zugunsten von Leo Tse Dhong zensiert wenn’s für ihn eng wird oder sitzt der höchstselbst an der Löschtaste!?

  3. Leon sagt:

    @ Leo Brux

    Maliziöses Lächeln bei der Beobachtung der Vernetzung von Islamfeinden?
    Das steht Ihnen nicht – zudem handelt es sich um einen ganz normalen Vorgang der politischen Willensbildung.
    Das neutral zu betrachten, widerspricht natürlich Ihrem dualistischen Weltbild, da gibt es nur Islamfeinde oder Islamfreunde.

    Die Moscheevereine und später die Islamverbände waren von ihrer Gründungsphase bis weit in die 90er alles andere als Integrationsfördernd.
    Das war nach Deutschland gebeamte Heimat, die völlig autark, ohne Austausch mit der dt. Gesellschaft ein fast ignoriertes Nischendasein führte.
    Seit rund 10 Jahren ist das nicht mehr der Fall – der Islam steht auf dem Prüfstand. Und das muss er aushalten. Denn die Vereinbarkeit zuwandernder fremder Werteordnungen mit hier geltenden Normen ist zu klären.
    Ein völlig normales Prozedere, es geht um den sozialen Frieden.
    Da kann es keine falsche Rücksichtnahme geben, nur weil der Islam in eine Schamkultur eingebettet ist, die sachliche Kritik und Selbstkritik nicht als Tugenden und notwendige Bestandteile eines demokratischen Diskurses und als Chance sieht, sondern sie pauschal als Hetze und Verleumdung verunglimpft.

  4. Leo Brux sagt:

    Miro,
    Sie merken nicht, wie die Muslime in Deutschland Kompromisse eingehen, wie sie allmählich zu Deutschen werden, wie ihr Muslimsein dem ähnlich wird, was bei einem guten Katholiken und guten Protestanten das Christentum ist.
    Sie merken es nicht, weil Sie zu wenig Muslime kennen. Oder weil Sie nicht vorurteilsfrei hinschauen.

    MEIN Bild von den Muslimen stammt aus der Erfahrung MIT Muslimen. Und die sagt mir: Da haben wir kaum ein Problem. Im Gegenteil. Eigentlich haben wir da eher einen Gewinn.

  5. Leo Brux sagt:

    keton,
    SIE und Ihresgleichen sind es, die Kritik am Islam verhindern. Wer hetzt, verhindert Kritik.
    Kritik ist sachlich, Kritik bedenkt das Für und Wider, Kritik hört zu, Kritik hat etwas umsichtig Skeptisches, Kritik ist frei von Ressentiment, Hass und böser Unterstellung – Kritik ist kritisch auch sich selbst gegenüber.
    Was kriegen wir statt dessen von der breiten und lauten Front der „Islamkritiker“? — Das, was früher die Juden von den Antisemiten gekriegt haben.

    Lernen Sie zu kritisieren, keton!

    Wenn Sie einen Islamkritiker kennen lernen wollen, dann können Sie bei mir in die Schule gehen. Ich bin Darwinist, ganz am wissenschaftlichen Denken orientiert, skeptisch bis zum Äußersten, glaube nicht an einen persönlichen Gott, lese den Koran wie die Bibel historisch-kritisch, erwarte mir, dass der Islam im Laufe der kommenden 50 Jahre allmählich europäisch und aufgeklärt wird. WIE er das macht und worin das in seinem Fall genau bestehen wird, das überlasse ich den Muslimen. Aber ich reagiere auf ihre Versuche. Die gläubigen Muslime, auf deren Blogs ich gelegentlich Kommentare setze, haben meine islamkritische Art schon zu spüren bekommen …

    Dass der Islam sich entsprechend der sozialen Umwelt, in der seine Gläubigen leben, entwickelt, ist eine Voraussetzung dafür, dass er in dieser Umwelt überleben kann. Und dass er bei uns überlebt, und dass auch das Christentum bei uns überlebt, dass hoffe ich und wünsche ich mir von ganzem Herzen – als religiöser Mensch, der selber keiner Glaubensgemeinschaft zugehört.

    Zu Ihrer Frage bezüglich der Grünen:
    Wir SIND islamkritisch. Aber wir sind auch eine Partei, die Minderheiten vor den Aggressionen der Stärkeren in Schutz nimmt. In einer Zeit der Hetze muss die Kritik deshalb etwas zurücktreten. Es gilt, die zivilisatorischen Standards zu bewahren, die zurzeit von den Islamfeinden über den Haufen gerannt werden. Es gilt, die Verfassung zu retten vor den Rechtspopulisten. Es gilt, Menschen vor ungerechten Anfeindungen zu bewahren. Das ist erst einmal wichtiger als die Kritik.

    Wenn ich unter Moscheevereinsmitgliedern sitze, meinen Tee trinke und mit ihnen plaudere, bin ich mir der beträchtlichen kulturellen Distanz wohl bewusst. Über diese Distanz hinweg spüre ich aber, was für grundanständige Leute das sind. Sie sind anders als ich, aber warum sollte mich das daran hindern, sie zu respektieren?

    Diese manchen etwas widersprüchliche vorkommende Haltung habe ich als junger Mensch über meine Verwandtschaft und Nachbarschaft gelernt: Ich war in meinen jungen Jahren der etwas einsame Linke und Agnostiker unter lauter konservativen Katholiken und CSU-Wählern – schon damals habe ich gespürt, dass ich zwar sehr anders bin als sie und mich anstrengen muss, mir gegen sie Freiraum und Respekt zu erkämpfen, dass aber diese Leute dennoch nicht meine Feinde sind, und dass sie ein Leben führen, das ich meinerseits respektieren kann. Dass ich eigentlich doch auch zu ihnen gehöre. Schließlich bin ich ihr Produkt.

    Löschtaste: Ja, das MiGAZIN hat mir die Aufgabe zugeteilt, die Diskussion zu meinen Beiträgen zu moderieren. Wer sich über ein Nichtfreischalten ärgern sollte, darf sich über mich beim MiGAZIN beschweren.
    Vorsicht: Es dauert manchmal etwas mit dem Freischalten, da ich nicht ständig am Computer sitze, sondern einen beträchtlichen Teil meines Tages in der Wirklichen Welt verbringe.

  6. Miro sagt:

    @Leo Brux
    „Sie sind anders als ich, aber warum sollte mich das daran hindern, sie zu respektieren?“
    Weil viele gläubige Muslime andersdenkende und lebende eben selbst nicht respektieren. Koran und Sunnah sind leider, um es vorichtig zu formulieren, keine Quellen von Toleranz und Offenheit gegenüber nicht-islamischem.
    Wissen sie Herr Brux der offene Umgang der Muslime mit der von ihnen so bekämpften Islamkritik ist vermutlich der entscheidende Demokratietest für Islam und Muslime in Deutschland. Und da sind wir noch ziemlich weit von Normalität entfernt. Leider zeigt sich auch das Migazin in diesem Bereich als rückständig, denn ich habe auf ihre Frage im Artikel „Nur wer die Stimme erhebt, kann mitreden“ geantwortet, aber es wurde nicht freigeschaltet.
    Ich gehe sogar soweit zu sagen, wer wie sie oder andere Islamkritik und Misstrauen gegenüber so manchem Islamvertreter pauschal bekämpft, der schadet am Ende sogar dem Integrationsprozess der Muslime in diesem Land.
    Ehrliche und schonungslose Islamkritik ist nämlich eine unvermeidliche Konsequenz von Wulfs Feststellung das Islam Teil von Deutschland ist. Ich würde mir wünschen das mehr Muslime diese kritische Betrachtung und Aufarbeitung übernehmen würden, aber wenn das nicht passiert, dann werden andere es tun. Auf das hier niemals, auch nur im Ansatz, gesellschaftliche Zustände wie in Saudi Arabien, Iran, Pakistan etc. herrschen. Und um da sicher zu gehen soll man sie an ihren Taten und nicht an ihren manchmal doppelzüngigen Worten messen.

  7. Leo Brux sagt:

    Miro,
    dann messen wir die Muslime in Deutschland doch an ihren Taten!
    Inwiefern sind die Taten der Moscheevereine und ihrer Dachverbände so problematisch?
    Mit dem Islam in Saudi-Arabien oder Iran haben fast alle unserer Muslime in Deutschland jedenfalls nichts zu tun.

    Da hetzen Sie schon wieder, Miro.

    Ob Koran und Sunna Quellen der Toleranz und Offenheit sind bzw. werden, hängt davon ab, wie die Muslime sie lesen. SIE, Miro, lesen sie wie ein Taliban. Wären SIE ein Muslim, wären Sie wohl ein Taliban oder Wahhabit, ein Salafist. Das Dogmatische liegt Ihnen, und darum identifizieren Sie den Islam mit dem salafistischen Islam. Salafisten und Miro, das passt gut zusammen. Großzügigere Interpretationen des Islam sind IHNEN, Miro, so suspekt wie den Salafisten.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, wollen Sie generell keine Integration gläubiger Muslime. Die sollen erst einmal ihren Glauben ablegen, nicht wahr? Sich von ihrer eigenen Religion, dem Islam, distanzieren! Denn für SIE, Miro, ist islamischer Glaube immer salafistischer Glaube. Wie für einen Taliban auch. – Das Resultat ist Ausgrenzung nicht nur der wenigen Salafisten, sondern von Millionen nicht-salafistischen Muslimen.

    Was ich bekämpfe, ist die Islamfeindschaft, die Hetze, das Schaffen einer Pogromstimmung. Es handelt sich bei Ihnen und Ihren Freunden, Miro, nicht um Islamkritiker, sondern um grundsätzliche IslamFEINDE, die so tun, als wären sie IslamKRITIKER.

  8. keton sagt:

    @ Leo Brux
    Erstmal Dank für das offene Bekenntnis, daß Sie selbst die Löschtaste bedienen. Das ‚Sie und Ihresgleichen‘ sei Ihnen daher verziehen, die Gabe der Differenzierungsfähigkeit ist Ihnen halt nicht gegeben.
    Anscheinend haben Sie sich nicht die Mühe gemacht Güner Yasemin Balci’s ‚ Das unsägliche Manifest der beleidigten Muslime‘ zu Gemüte zu führen. Sonst würden Sie vielleicht endlich mal den bizarren Vergleich ‚Moslems heute‘ mit ‚Juden in den Dreissigern‘ sein lassen.
    Sie können ja gerne 50 oder von mir aus 150 Jahre drauf warten daß der Islam sich reformiert, aber bitte nicht auf Kosten derjenigen Menschen, auch Muslime übrigens, deren Bürgerrechte in der Zwischenzeit von dieser Religionsideologie mit Füßen getreten werden.
    Daß Minderheiten, nur weil sie Minderheiten sind, keine (ok. etwas sachlicher) bzw. manche zivilisatorischen Standards nicht einhalten müssen war mir neu.
    Und Sie werden es nicht glauben: Ich war auch mal ein grundanständiger Mensch, der zwanzig Jahre land die Grünen gewählt hat und es heute noch tun würde, wenn sie sich etwas konsequenter an ihre eigenen Grundwerte halten würden.

  9. keton sagt:

    …keine Standards nicht einhalten müssen…war natürlich falsch, sry. Sie wissen ja wie’s gemeint war.

  10. Miro sagt:

    @Leo Brux
    Ich habe mich sehr genau mit Koran und Sunna beschäftigt und saudischer Islam, mit allen schrecklichen Implikationen für eine Gesellschaft, ist nicht falscher Islam, sondern lediglich konservativer Islam und das sehen viele Muslime ähnlich. Konservativ ist in der Religionswelt ein erstrebenswerter und angesehener Zustand, ich denke das wissen sie.
    Mohammed hatte primär 2 Feindgruppen, einmal alle die die nicht zu seiner Weltanschauung übertreten wollten und die des es formal taten, aber seinen Anweisungen nicht uneingeschränkt folgten, die wurden dann schnell mal als Heuchler und damit als Nicht-Muslime diffamiert und verfolgt. Vermutlich der „religöse“ Weg mit Opposiotionellen umzugehen. Diese Realität spiegelt sich leider in Koran und Sunna wieder und hängt bis heute wie ein Damoklessschwert über Reformern des Islams. Nur um ein Beispiel zu nennen, der Koran sagt klipp und klar das wer sich weigert für die Sache des Islams zu kämpfen, kein Moslem sein kann. Frei nach dem Motto, Pazifisten kommen in die Hölle. Glauben sie ernsthaft es ist ein Zufall das die Welt ein Problem mit militaten Moslems hat? Und glauben sich gleichzeitig auch das es genauso ein Zufall ist das wir oder speziell China nicht das gleiche Problem mit Buddhisten hat? Obwhol die allen Grund hätten sich zu wehren.

    Moderate und vernünftige Muslime hat es selbstverständlich immer gegeben, nur ihr Problem ist das Koran und Sunna nicht in blumiger und weicher Sprache formuliert sind, welche Interpretationsspielraum ließe. Vielmehr findet man dort klare, kurze Anweisungen und Befehle. Und das Distanzieren ist daher in vielen Fällen das einzige sinnvolle Mittel wie man damit umgehen kann. Deshalb ja Herr Brux, wenn sich Muslime nicht offen von Teilen des Korans und der Sunna, und damit des Islams, distanzieren haben wir ein Problem. Wird das gelingen? Ich habe meine Zweifel, erst recht wenn ich mir ansehe was alles angeblich nichts mit dem Islam zu tun hat. Diese Scheinheiligkeit ist das was viele, auch mich, misstrauisch macht. Viele Deutsche und bezeichnender Weise Islamkritiker oft mehr als Islamophiele, haben sich sehr genau informiert. Ehrlichkeit schafft vertrauen und nicht Heuchelei.

    In der innerislamischen Auseinandersetzung hatten und haben die Konservativen immer die besseren Argumente, weil sie auf klare Koranverse und die Sunna verweisen können. Moderate, kleine Grupen wie Ahmadiyyha, Aleviten und andere gelten daher als Sekten und als Nicht-Muslime. Fragen sie mal den bei ihrem nächsten Besuch in einer sunnitischen Mainstreammoschee was von diesen Gruppen gehalten wird.
    Leute wie sie suggerieren, Islam ist eigentlich gut so genau wie er ist und damit spielen sie am Ende den Konservativen in die Hände. Gleichzeitig haben sie aber die naivie Hoffung das plötzlich in Deutschland gelingt, was in 1400 Jahren islamischer Geschichte immer wieder gescheitert ist. Ein gefährliches Experiment das sie da unterstützen. Um es anders zu formulieren, das gesellschaftliche Restrisiko ist aus meiner Sicht viel zu hoch. Die Grünen mögen uns durch ihre Angst vor dem atomaren Restrisiko vielleicht vor dem nuklearen Supergau bewahren, aber ihr geradezu fahrlässiger Umgang mit dem islamischen Restrisiko macht einen gesellschaftlichen oder religösen Supergau wahrscheinlicher in diesem Land.


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