MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Nominierungen für März 2011

Wer wird Integrator und Integrationsverweigerer des Monats?

Für den Integrationsverweigerer des Monats März 2011 sind nominiert: Horst Seehofer, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Matthias Matussek. Die Nominierungen für den Integrator lauten: Hilal Sezgin, DaZ-Netzwerk Komische Oper in Berlin.

VONMarcello Buzzanca

 Wer wird Integrator und Integrationsverweigerer des Monats?
Marcello Buzzanca, geb. 1972 in Frankfurt/Main. Studium der Romanistik, Amerikanistik und Germanistik in Frankfurt und Málaga. U.a. tätig als Autor, Texter, Redakteur, Übersetzer, Blogger und Kolumnist bei MiGAZIN. 2001 Gewann er den Studentenwettbewerb des Bundesinnenministerium zum Thema: Angekom- men! Aufgenommen? mit dem Essay: „Periodischer Patriotismus: Beobach- tungen einer geteilten Seele“

DATUM28. März 2011

KOMMENTARE4

RESSORTAktuell, Feuilleton

SCHLAGWÖRTER , , , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Die Nominierungen für den Integrationsverweigerer

Horst Seehofer – Der bayrische Patron schießt scharf
Horst Seehofer hat ein weiteres Mal bewiesen, dass ihm Fratzen und Masken jederzeit wie angegossen passen, wenn sie denn nur der Tarnung dienen und verhüllen helfen, dass er, der bayrische Patient, eigentlich und am liebsten den Gottesstaat in Bayern ausrufen würde. Insofern war seine Äußerung am politischen Aschermittwoch, die Berliner Koalition wolle sich bis zur letzten Patrone dagegen sträuben, eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme zu bekommen. Pikanterweise fiel diese denkwürdige Äußerung an einem 9.März. An genau demselben Datum vor 66 Jahren hatte Adolf Hitler den Durchhaltebefehl für Berlin gegeben, Berlin bis zur letzten Patrone zu verteidigen. Gott sei Dank gab es 1992 das legendäre und das Crossover-Musikgenre prägende Album Rage against the Machine der gleichnamigen kalifornischen Band. Ein Klassiker dieses Albums: Bullet in your head… denn mit einem Loch im Kopf kommt Luft ans Hirn und regt das Denken an.

Hans-Peter Friedrich – Innenminister auf Rechtsaußen
Beim Fußball sagt man dem Torwart und dem Linksaußen nach, sie seien besonders spleenig und eigensinnig. Die Innenverteidiger sind ja eher für Bodenständigkeit und solides Handwerk bekannt. Hans-Peter Friedrich, der neue Innenminister mit dem Allerweltsnamen und dem bräsigen Bayrisches-Alphorn-Bläser-Gesicht, will daher wohl seine Position verändern. Er sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland und es klingt wie: Hey, Trainer [also Horst Seehofer als derjenige, der ihn in seiner geistigen (Um)Macht(ung) als Nachfolger Guttenbergs benannte], ich spiel jetzt so lange Foul, bis du mich in den Angriff setzt! Man kann es ihm nicht verübeln. Als ehemaliger Kapitän einer drittklassigen Mannschaft (der CSU-Landesgruppe) darf er nun den Ausputzer für Seehofer spielen. Und nimmt die nächstbeste Steilvorlage, um dann auch noch kläglich übers Ziel zu schießen.

Matthias Matussek – Spiegel-Schrift und verkehrte Welt
Matthias Matussek ist Spiegel-Journalist und Autor unzähliger Staubfänger. Außerdem versucht er mit aller Macht, jeden seiner Beiträge mit dem „Label Ich nehm kein Blatt vor den Mund“ eine bessere Qualität zu verleihen. Insofern darf auch er nicht fehlen, wenn es darum geht, die Debatte um den Islam und dessen Zugehörigkeit zu Deutschland zu kommentieren. Nein, auch Matussek glaubt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre – in einem Debattenbeitrag im Spiegel, also so etwas wie ein Heimspiel. Und das Genre Debattenbeitrag klingt dabei mindestens so absurd wie der gesamte Beitrag, der willkürlich zwischen den Türken vor Wien und türkischen Subkulturen in Duisburg Marxloh hin- und herspringt und sich am Ende wie der Schriftführer von Friedrich und Seehofer entpuppt.

Wer ist Ihr Integrationsverweigerer des Monats März 2011?
    Hans-Peter Friedrich (56%)
    Horst Seehofer (28%)
    Matthias Matussek (16%)
     
    Loading ... Loading ...

    Die Nominierungen für den Integrator

    Hilal Sezgin und das Manifest der Vielen
    Das “Manifest der Vielen – Deutschland erfindet sich neu” ist mehr als ein Gegenprogramm zu Sarrazin, Seehofer und Co. Nein, es ist eine zornige, trotzige und anregende Lektüre, die von der türkischen Schriftstellerin Hilal Sezgin zusammengestellt und herausgegeben wurde. Dreißig profilierte Autorinnen und Autoren treten aus ihrem vermeintlichen Migrationshintergrund ganz nach vorne ins Bewusstsein all jener, die mit kritischen Analysen und persönlichen Geschichten den Stammhaus-Parolen eine würdige Stirn bieten. Fest gebundene, fesselnde Seiten, die zu Offenheit und Reflexion einladen.

    DaZ-Netzwerk – Interessenvertretung für Lehrkräfte an Integrationskursen (DaZ-Netzwerk)
    Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Netzwerk der Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache (DaZ-Netzwerk) die Bundesregierung aufgefordert, das Honorar für Lehrkräfte in Integrationskursen pro Unterrichtseinheit auf mindestens 30 Euro anzuheben. Außerdem pochten sie auf Festanstellungen. Und wenn ich als ehemaliger DaF-Dozent und Bahnfahrer die Wahl hätte, wessen Lohnerhöhungskampf ich unterstützen wollte, schlüge mein Herz ohne Zweifel für alle jene Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag im Mittelpunkt ihrer Kurse und im Zentrum eines der zentralsten Aufgaben einer erfolgreichen Integration stehen: Gute Deutschkurse mit Dozierenden, die von ihrer Arbeit leben können und anstelle einer Aufwandsentschädigung ein angemessenes Honorar bekommen.

    Komische Oper in Berlin: Nicht lustig, aber neşeli
    Von wegen Untertitel: Dass die „Komische Oper“ in Berlin die Libretti sämtlicher Stücke ab der kommenden Saison ins Türkische übersetzt werden. Neben Deutsch, Englisch und Französisch sind die Texte aller Stücke dann auch während der Vorführungen auf Türkisch abrufbar. Damit, so hat die Kölner Diplom-Psychologin und Autorin Deniz Baspinar in ihrer ZEIT-Kolümne richtig erkannt, hat sich das Türkische neben den harten Sitzschalen der U- und S-Bahnen (Schwarzfahrer-Hinweisschilder) nun auch die weichen Sessel der Opernhäuser erobert. Manche nennen es einen gelungenen Ethno-Marketing-Trick der „Komischen Oper“. Andere wiederum sehen darin einen längst fälligen Schritt in die richtige Richtung: Quatsch keine Opern, und wenn schon, dann bitte auf Türkisch!

    Wer ist Ihr Integrator des Monats März 2011?
      DaZ-Netzwerk (75%)
      Hilal Sezgin (18%)
      Komische Oper (8%)
       
      Loading ... Loading ...
      Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

      4 Kommentare
      Diskutieren Sie mit!»

      1. Patrick sagt:

        Ich weiß zwar nicht, was das Übersetzen einer Oper in eine landesfremde Sprache für einen Dienst an der Inegration liefert (meiner Meinung nach ist das einfach nur eine Unterstützung der Ausgrenzung) aber gut, wenn Sie das so sehen 🙂

      2. Günter Ossa sagt:

        Würden Deutsche in die Türkei in Massen einwandern wollen und sich nicht integrieren wollen, dieser Blog wäre dort verboten. Und überhaupt Sie verwechseln da was.

      3. Mika sagt:

        @Ossa
        Was ist Integration Ihrer Meinung nach?

        Abegesehen davon handelt es sich hier nicht um einen Blog? Und wie kommen Sie auf diese wahnwitzige Idee, dass ein derartiges Forum verboten werden würde? Und überhaupt Sie verwechseln da was!

      4. Miro sagt:

        @Mika
        Wer würde schon auf die Idee kommen ein halbwegs demokratisches Land würde eine Seite wie youtube verbieten, ein Völkermord leugnen oder Menschen ins Gefängnis stecken weil sie das Land „beleidigt“ haben. Ups all das macht die Türkei und daher kann ich Günters Vermutung nur zustimmen und frage mich bei ihnen ob sie da nicht was verwechseln.



      Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

      Ihr Kommentar dazu:

      MiGAZIN

      Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

      MiGMACHEN

      Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

      GRIMME Online Award 2012

        Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...