MiGAZIN

Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Vorsicht!

Broder, der Clown der Nation

Ein satirisches Liebesloblied auf Henryk M. Broder, der einem Funktionär der extrem rechten pro NRW eine Plattform auf seinem Blog „Achse des Guten“ angeboten hat.

VONKamuran Sezer

 Broder, der Clown der Nation
Jg. 1978, Diplom-Sozial- wissenschaftler, Berater und Publizist, ist Gründer und Inhaber des futureorg Instituts für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung mit Sitz in Dortmund.

DATUM7. Februar 2011

KOMMENTARE28

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Einen Sarkasten erschüttert nichts: Diffamierende Äußerungen, anbiedernde Bekehrungsversuche, radikale Missionisierungsanstrengungen, plumpe Beleidigungen, intelligente Witze, gutgemeinte Schulterklopfer, böswillige Verbalausfälle – alles rieselt von seinem dicken Fell ab wie Wasser auf einer Lotusblume. Schließlich nimmt der Sarkast die Welt um sich genauso wenig ernst wie er sich selbst ernst nimmt.

Der Journalist und Schriftsteller Henryk M. Broder ist so ein Sarkast. Es wäre daher eine vergebene Liebesmüh‘ ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen zu wollen. Kürzlich bereitete ich einen Beitrag zur Integrationsdebatte vor, in diesen ich auch Henryk M. Broder, Necla Kelek und Thilo Sarrazin, der Bildungselite der deutschen Islamkritik, Platz einräumen wollte. Ich umschrieb diese Personen mit „der jüdisch-agnostische Weihnachtsmann mit transzendentalem Selbstzweifel und Knuddel-Faktor“, „die schrullige Hexe Kelek auf’m Freiheitspreis-Teppich – Marke Liberale“ und „der Hotzenplotz-Sarrazin mit gepflegtem Spießer-Schnäuzer“. Mir war klar, dass diese Worte nicht einmal meiner eigenen Qualitätsprüfung standhalten würden, geschweige denn der meines Auftraggebers, zumal ich dem Sarkasten Broder auf diesem Metier nicht das Wasser reichen kann.

Also, Henryk M. Broder ist ein Sarkast… Er gehört gar einer edlen Gattung der Sarkasten an – den ‚Ermaaaahnenden‘. Er ist sozusagen eine moralische Instanz, ein geschminkter Helmut Schmidt mit grüner Perücke und roter Nase. Als Gast in Talkshows, als Satiriker im Fernsehen, als Schreiberling in Printmedien und als Rächer in seinen Blogs ist er – auch manchmal im gepipmpten aber verkehrs- und seniorentauglichen Musclecar – im Lande unterwegs, um unermüdlich vor ehrenermordeten aber zuvor zwangsverheirateten Kopftuchmädchen oder sexuell-aufgeladenen Taliban-Türken zu warnen, die allesamt inkompatibel mit der westlichen Wertewelt sind, die man notfalls mit einem Präventivkrieg und Atompilz verteidigen muss, weil sich Deutschland ja abschafft, wie der Universalgelehrter und Zwangs-Frührenter Sarrazin prophetisch verkündet hat, der auch die Forscher korrigiert, die er in seinem Manifest zitiert hat, weil die alle schließlich sein Buch nicht gekauft haben und folglich es nicht gelesen haben können.

Henryk M. Broder ist schon grandios! Er ist ein Meister wortgewaltiger Subtilität, der die Doppelmoral in der Gesellschaft investigativ aufdeckt und der bürgerlichen Öffentlichkeit humorvoll den Spiegel vorhält. Da können die aus Steuergeldern und vor allem aus den Sozialkassen der Nation teuer ausgebildeten Soziologen, Politologen, Sozialpädagogen, Unternehmern, Verbandsfunktionären, Schriftsteller, Journalisten, Politikern, Bürokraten, eben all‘ diese Weicheier und Gutmenschen, in ein peinlich-verschwitztes Lachen flüchten. Der Über-Broder hat ihre wahren Absichten nämlich gelüftet.

Broder schreibt so Dinge wie so… moment… so Dinge wie… der Intoleranz des Islams müsse mit Intoleranz begegnet werden, um die Werte der Aufklärung zu verteidigen. Woooaaaah..!

Rosseau, Kant, Descarte, Locke… schnallt euch an, eure fundamentalen Überlegungen wurden generisch weiterentwickelt: „Ich versuche zu denken, also bin ich Broder.“ Oder: „Aufklärung ist der Ausgang der Vernunftbegabten aus der selbstverschuldeten Appeasement-Unmündigkeit aller nur Broders nicht.“ Oder: „Handle stets so, dass die Maxime des Willens von Broder jederzeit zugleich als Prinzip der Wahlerfolge und Besucherzahlen der Politisch-Inkorrekten gelten könne.“ Oder: „Alle haben Unrecht, nur Broder nicht.“ Oder: Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die Liebe nicht.“ (Gut, der letzte paradigmatische Universal-Lehrsatz beruht nicht auf der geistesweltliche Arbeit Broders.)

Wenn Necla Kelek nicht schon den Freiheitspreis 2010 erhalten hätte, so bin ich mir fast sicher, dass der multikulturell und interdisziplinär besetzte 35köpfige-Juryausschuss der Friedrich-Naumann-Stiftung ihn als „zeitgenössischen Aufklärer“ gewürdigt hätte. Davon darf man sich fast täglich früher in DER Spiegel und nun in Die Welt und nicht zuletzt auf seinem von ihm betriebenen Blog „Achse der Guten“ überzeugen.

Da dürfen nämlich neuerdings – Achtung! – auch so aufrechte TÜV-zertifizierte Demokraten der vorrepublikanischen Zeit wie Detlef Alsbach ihre Gedanken veröffentlichen. Herr Alsbach hat in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben, dass er ein Ausländer, mehr ein „klassischer Ausländer“ so von der türkische- muslimischen Sorte, werden möchte. Diese dürfen nämlich ihre Frauen schlagen und so.

Who the fuck is Herr Alsbach!? Herr Alsbach ist nicht nur 51 Jahre alt, Immobilienkaufmann, verheiratet und nach eigenen Angaben blendend aussehend, wie er in seinem Autorenportrait auf Achse des Guten vorgestellt wird. Er ist auch ein strammer Funktionär von PRO NRW, jener Traditionspartei der deutschen Demokratie, die regelmäßig kleine Familienfeste vor der Moschee in Köln-Ehrenfeld feiert.

Nun hat der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, also jenem Weicheier-Appeasement-Toleranz-Karnevalsverein der Republik, nämlich Ruprecht Polenz, den Vordenker des 23. Jahrhunderts, nämlich Sir Henryk M. Broder, frecherweise aufgefordert, zu erklären, warum er solchen Traditionsdemokraten wie Alsbach eine Plattform angeboten hat.

Doch Broder wäre nicht Broder, wenn er dem Appeasement-Dhimmi Polenz nicht den Spiegel vorhalten würde. In einem langen dialektisch gefassten Aufsatz antwortet der Über-Broder dem „Knecht Ruprecht“ sinngemäß: Erzähl‘ du zuerst, was du gesagt hast, dann erzähl ich dir, warum ich es getan habe!

Broder, Broder, Broder, mein ach so geliebter Broder… Adam Smith, der Begründer der modernen Nationalökonomie, ist mit seiner „unsichtbaren Hand“ nichts gegen deine „unsichtbaren Vier-Fäuste für ein Halleluja“. (Woooaaaah…! Noch eine generische Weiterentwicklung des modernen Zeitgeists durch Henryk M. Broder.)

Und du brauchst auch nicht auf die Anfrage von diesem Dhimmi Polenz zu antworten. Du bist mein Über-Broder! Du bist Legislative, Exekutive und Judikative in einer Person. Nicht nur ich, sondern dir vertrauen – laut einer aktuellen BILD-Umfrage –85,7382145,01% der Weltgemeinschaft blind!

Und als ich letztens Taxi fuhr, da hat mir sogar der Musel-Türke-Taxifahrer bestätigt, dass er dir Recht gibt. Und als ich aus meinem Urlaub zurückkehrte, da begegnete ich in der Abflughalle einem Musel-Akademiker. Er sagte mir: Ich geh’n zuruck zu Heimat, nich‘ Köln, wo gebor’n ich und gemacht mein Diplom in Fizik, nein… richtig Heimat. Wei‘ Broder sag‘, isch nich‘ kompatbl mit dä deut’sche Welt.

Und als ich dem Freitagsgebet letztens beiwohnte, da sagte der nach Deutschland infiltrierte 007-Imam, der sein Ayran lieber gerührt statt geschüttelt trinkt, zu meiner eigenen Überraschung: „Broder-u-Ekber! Eigentlich isch wollen sag‘n, mach‘ fiiieeeele dum’me Kinder, dann wir fieleee und dann erst wir Deu’schland, dann dä Erde, dann Avrupa, dann dä Mond wir erober’n, so islamsch machen und so, ne. Abr dann, ich lesen Text Broder. Ey, voll krass, Broder sagt’e voll die Wahrheit. Ich nix davon wusste von Arab-Ürkei, ich schwör‘, ey…!

Der Höhepunkt war aber, als ich beim Bürgeramt meinen Pass erneuern wollte. Als dann meine Nummer „99“ aufgerufen wurde, ging ich erst an 87 Schaltern vorbei, hinter jedem eine schwarzgekleidete Burkaträgerin saß. Meine Sachbearbeiterin, selbstverständlich ebenfalls Burkaträgerin, kümmerte sich um mein Anliegen. Ich aber wollte mich beim Amtsleiter beschweren, warum so unglaublich viele Burkaträgerinnen hier arbeiten. Wenn ich sie sehen möchte, kann ich das schließlich auch in meinem Urlaub tun. In einem Brief antwortete er mir, dass die Verwaltung die zwangsstaatlich vorgegebene Frauenquote einhalten muss. Der Amtsleiter schrieb ferner, dass nach eingehendem Studium der Lehrbücher von Kelek, Sarrazin und dir, mein lieber Broder, man dieses Problem nun angehen möchte. Entsprechende Anträge seien bereits gestellt.

Mein Liebesloblied auf dich, mein lieber Broder, möchte ich mit einem herzlichen tesschekkür ederim beenden. Lass‘ dich nicht von solchen Leuten wie Polenz unterbuttern. Sie verstehen dich eben nicht. Ich aber schon! Deine Worte und deine Taten sprechen nämlich für sich. Du brauchst in dieser demokratischen Zivilgesellschaft, die eh überschätzt wird, keine Erklärung abzugeben, warum du einer Person aus einer Rechtsextrem-Partei eine Plattform auf deinem Blog „Achse der Guten“ anbietest.

Du bist eben ein Über-Broder, mein sehr geliebter Clown der Nation. Du darfst das.

Schalom-un-Alaykum!

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

28 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. bogo70 sagt:

    Genau Broder darf das, Giordano darf es und die Kelek erst recht, geht ja schließlich um Muslime und die Pro ist ja selbstverständlich Judenfreundlich, da macht sich ein Broder doch keinen Kopf um die Verträglichkeit von Islamfeindlichkeit auf der einen Seite und Antisemitismus auf der anderen, letztendlich haben wir alle unsere Rassisten. Außerdem ist Broder Atheist und die erklären uns die Welt ganz genau, da gibt es keine Grauzonen und der Atheist ist immer im Recht. Wenn er rein garnichts neben sich gelten lässt, hat das schon seine Gründe. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, aus dem Forum hier? 😉

  2. Manfred O. sagt:

    @ Kamuran Sezer

    Die Ausführlichkeit, mit der Sie sich hier mit Broder „auseinandersetzen“, ist Beleg dafür, wie unangenehm Ihnen (und Ihrem „Umfeld“- sie wissen, wen ich damit meine) sein Einfluss und seine Anerkennung ist (mit einem Wisch wird auch gleich Frau Kelek und der ihr verliehene Friedenspreis diskreditiert), ist er doch Gegenpol zum allgemein betriebenen „Dialüg“

    Und wie recht Broder hat.

    Der Stil aber, den Sie Herr Sezer dazu an den Tag legen, liegt genau so weit von Broder’s rhetorischen Fähigkeiten entfernt, wie die Türkei von Europa.

  3. bogo70 sagt:

    @Manfred O.
    Was denn, ist Muslimen jetzt der Sarkasmus verboten, weil ein Broder ihn erfunden hat? Broder kann man nur so begegnen, eine andere Sprache spricht er nicht und ihm zu begegnen, empfinde ich als Pflichkür für Muslime, schließlich sollen sie sich ja anpassen, was wollen sie also mehr. Mir gefällt dieser schwarze Humor, sei es Broders oder Sezers, besser ist nur noch Pispers schwarze Seele, wohingegen der altbackene Humor der Rechtskonservativen, nicht mal einen Nazi zum lachen bringen. Gibt es überhaupt konservativen Humor?

  4. NDM sagt:

    Was Broder da umtrieb, ist mir auch erst einmal schleierhaft, zumal er inhaltlich völlig inkompatibel zur Truppe rund um Rouhs und Beisicht ist:

    Er ist israelfreundlich und für den Beitritt der Türkei zur EU. „Pro“ ist beides nicht. Broder kann und will seine Entzückung und Sympathie über die Vorgänge in Tunesien und Ägypten versucht nicht verstecken. „Pro“ interessiert nicht, was in Ägypten passiert. Er sagte 2007 in einem Interview im Kölner Stadtanzeiger bezüglich der Moschee in Köln-Ehrenfeld, während „Pro“ dagegen aufhetzte:

    „Man kann Menschen, die hier leben, die man hierher geholt hat, nicht verbieten, in Würde in eigenen Gotteshäusern zu beten. Die Muslime sind hier. Neu ist, dass sie dies nun auch in Architektur zum Ausdruck bringen.(…)Es ist von allen anderen Fragen völlig unabhängig erst mal richtig, wenn Menschen in Würde beten können. Wir wollen ja auch nicht in einer schmutzigen Kirche oder eine schmutzigen Synagoge im Hinterhof beten müssen. (…) In russischen Gemeinden wird russisch gebetet, in griechischen auf Griechisch, die Juden beten auf Hebräisch. Sie können doch den Menschen nicht verbieten, die Liturgie in ihrer Muttersprache zu halten(…) Wir können ja nicht einer Religion die Rechte verwehren, die alle anderen in Anspruch nehmen.“

    @Bogo70: Damit widersprach er übrigens auch Ralph Giordano.

    Da kommt auf der „Achse“ also jemand zu Wort, der so ziemlich gar nichts mit Broder gemeinsam hat. Man kann versuchen, dies zu verstehen. Außer einer Islamkritik verbindet sie nichts, aber auch diese ist bei beiden, was die Motivationelle Grundlage angeht, so unterschiedlich, wie Tag und Nacht.
    – Alsbach bzw. seine Partei ist ein ganz simpel gestrickter Ausländerhasser. Sein Credo: „Deutschland den Deutschen!“. Die Taten der Taliban interessieren ihn nur dann, wenn er sie auch den deutschen Türken pauschal in die Schuhe schieben kann.
    – Broder hingegen lehnt islamische Rechtsordnungen, die ja nun nicht angeboren sind, als solche kategorisch ab. Überall, unabhängig davon, ob sie vom Staat oder von Teilen der Gesellschaft als verbindlich proklamiert werden.

    Broders Hang zum „tit for tat“ ist ja bekannt. Ich sehe jedoch auch einen Hang zur Impliziten Handlung und Aussage. Vielleicht ist es daher einfach folgender Gedanke, der, ebenfalls auf diesem Blog, aber von Gideon B. kommuniziert wurde:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gemaessigte_fanatiker/

    Kurz: Wenn man bereit ist, in Afghanistan mit „Moderaten Taliban“ oder, wie jüngst bezüglich Ägypten, mit „moderaten Muslimbrüdern“ zu reden, zie zu Wort kommen zu lassen, oder sich, wie in Pinneberg beinahe geschehen, sogar mit nichtmoderaten Jihadisten zur Aussprache an einen „Runden Tisch“ setzt, dann ist es nur logisch, auch mit der „Moderaten NPD“, also „Pro-NRW“, reden. Anderes wäre in Doppelmoral getunkt.

    Sollte dies oder ähnliches die Motivation Broders sein, was ich persönlich annehme, dann ist dies zugleich auch ein subtiler, aber auch erniedrigender Seitenhieb gegen „Pro“ und Alsbach, denn sie werden demnach nicht hofiert, sondern benutzt – sowie auf dem Wertemaßstab mit dem „moderaten Islamismus“ auf eine Stufe gestellt, den Broder ja bekanntlich ablehnt.

  5. Gast1962 sagt:

    Die Grünen wollen allen die was nützliches sagen wollen einen Maulkorb umlegen. . In einer Demokratie dürfen auch wenn es dem Dominanzstreben vieler Türken zuwiederläuft auch die Anderstdenkenden etwas sagen. Abgesehen davon ist pro Nrw nicht rechtsradikal oder ausländerfeindlich viele der Mitglieder der Pro Bewegung sind Ausländer. Auf dem Bundesparteitag von Pro Deutschland im Schöneberger rathaus hat zum Beispiel ein Perser gesprochenen der betont hat daß es eben solche gibt die sich integrieren wollen und andere die sich eben nicht integrieren wollen. Mir sind eben die die sich integrieren wollen auch lieber als die anderen die ihre Situation dadurch verbessern wollen daß sie in Deutschland Harz 4 beziehen wollen und dann noch zeitgleich die Schariah hier schleichend einführen wollen. Nach dem die meisten Medien versuchen pro deutschland zu kriminalisieren ist es doch ein feiner Zug von Broder wenn er der Demokratie zum Sieg verhilft und von der etablierten Presse ausgegrenzten ein forum und damit Wählerzugang verschaft.

  6. NDM sagt:

    Gast1962: Von dem Bundesparteitag hatte ich schon mal etwas gehört. Hier ist der Erfahrungsbericht:

    http://www.chronologs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/antisemitismus/2010-08-26/pro-deutschland-erfahrungsbericht

    Erzählen sie nicht, dass das keine Ausländerfeinde sind. Und das ist auch keine Bewegung, sondern nichts anderes als eine Partei, die sich aus ehemaligen Mitgliedern von DVU, NPD, Rep, „Autonomen Nationalisten“ und all solchem zusammensetzt. Das ist alter Wein in neuen Schläuchen, mehr nicht.

  7. Gast1962 sagt:

    Wer die Angehörigen von Pro Deutschland pauschal als Ausländerfeinde abtut liegt wirklich falsch. Programmatisch wird die Ausländerthematik von Pro Deutschland differenziert betrachtet. Es gibt ebensolche die sich integrieren wollen und solche die dies eben nicht wollen. Wir brauchen eben wie die Schweiz solche die sofort Arbeit aufnehmen können und nicht solche an denen sich Integrationsbeauftragte mit viel Steuergeld abarbeiten müssen. Anderst als die Grünen und die Linken sehe ich das deutsche Steuergeld eben als eine begrenzte Ressource an die man mir aus der Tasche zieht. Ich habe auch viele ausländische Freunde die hier aber durchgestartet sind.

  8. Liebe/r NDM,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, in diesem Sie versuchen, Herrn Broder in Schutz zu nehmen. Ich würde mir wünschen, dass Herr Broder selbst, Stellung dazu bezieht, warum er auf seinem Blog „Achse des Guten“ einem Vertreter einer rechtsextremen Partei eine Bühne angeboten hat. Pro NRW und sein Führungskader sind Ableger und Abkömmlige der „Deutsche Liga für Volk und Heimat“, die sich teilweise aus NPD rekrutieren. Sogar pi-news.net haben sich von pro NRW distanziert. Beide sind zwar islamfeindlich eingestellt, pro NRW vertritt zudem antiisraelische und antisemtische Positionen, wohingegen PI nach außen hin nicht israelfeindlich gelten möchte.

    Angesichts dessen verwundert es doch außerordentlich, und es ist schon fast verstörend, dass Broder, der – gläubig oder nicht gläubig – ein Jude ist, einer solchen Person eine solche Plattform auf seinem Blog angeboten hat.

    Ich hatte ja noch die Hoffnung, dass Broder sich von dieser Person distanziert. Der Einwand von Ruprecht Polenz wäre eine solche Gelegenheit gewesen. Stattdessen ist Broder einer Antwort auf peinliche Weise ausgewichen und zudem noch seine Kolumne auf Welt-Online dazu genutzt, um Polenz mit Dreck zu bewerfen.

    Broder ist ein Grenzgänger der Meinungsfreiheit. Er hopste zwischen Tabu und gesellschaftlicher Konsens. Doch dieses Mal ist er mit beiden Füßen in die braune Pfütze gesprungen und ist dort ausgerutscht.

    Broder, Sarrazin, Kelek, Schwarzer und Co. – mit diesen Personen wird sich MiGAZIN in naher Zukunft intensiver beschätigen. Das kann ich soweit ankündigen.

    Daher liebe/r NDM, halte ich Ihnen in Ehren, dass Sie Broder in Schutz nehmen. Von jemanden, der wortgewaltig sich in öffentliche Debatten einmischt, erwarte ich aber, in dieser Sache Stellung zu beziehen. Und solange bleibt achgut.de für mich und für viele andere eine Achse des Bösen.

    Herzlichst,
    Kamuran Sezer

  9. NDS sagt:

    @Gast1962
    „Es gibt ebensolche die sich integrieren wollen und solche die dies eben nicht wollen.“
    –> Was ist mit denen, die bereits integriert s i n d? Gibt es die auch?
    „Wir brauchen eben wie die Schweiz solche die sofort Arbeit aufnehmen können und nicht solche an denen sich Integrationsbeauftragte mit viel Steuergeld abarbeiten müssen.“
    –> Die, die kamen, waren auch welche, die sofort Arbeit aufgenommen haben. Über wen reden wir also?
    „Anderst als die Grünen und die Linken sehe ich das deutsche Steuergeld eben als eine begrenzte Ressource an die man mir aus der Tasche zieht.“
    –> Wer tut es nicht. Nur ist die Finanzierung sozialer Programme ein lächerlicher Anteil an dem Geld, was für die Rettung von Banken oder des Euro ausgegeben wurde.
    „Ich habe auch viele ausländische Freunde die hier aber durchgestartet sind.“
    –> Warum sprechen Sie von „ausländischen“ Freunden? Weil es keine „richtigen“ Deutsche sind?
    Zum Abschluss: Ich kenne die „Pro“-Bewegung nicht besonders gut und verfolge aus der Presse nur, dass hauptsächlich Eingewanderte -ob in der ersten oder in der x-ten Generation- zum Hauptproblem erklärt werden. Müsste sich eine echte „Pro-Deutschland-Haltung“ nicht in erster Linie um die Rettung ökologischer Ressourcen, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die Korruption bei Politikern, die Verschwendung von ökonomischen Ressourcen zB bei der Wirtschaftskrise, bei der ungerechten Steuerbelastung und sehen wir von Ressourcen ab und wenden und zivilisatorischen Errungenschaften zu hieße es weiter: die Gleichstellung von Frau und Mann vorallem in gesellschaftlichen Toppositionen (suchen Sie mal in DAX-Vorständen nach einer Frau, Sie werden lange suchen!) (ach ja, wieviele Frauen sind im Vorstand der Pro-Bewegung?) kümmern?

  10. NDM sagt:

    @Kamuran Sezer:

    Ich möchte Broder gar nicht in Schutz nehmen, und ich halte von der „Achse“ nicht sonderlich viel. Die ist teilweise ziemlich verkantet. Hier ist ein gutes Interview dazu:

    http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4443:leute-mit-einer-stalinistischen-ader-alan-posener-im-gespr%C3%A4ch-%C3%BCber-islamophobie-und-die-achse-des-guten

    Ich denke aber auch nicht, dass Broder eine Inschutznahme braucht. Sein Wirken sehe ich bei manchen Themen sehr kritisch, bei anderen Themen jedoch weniger kritisch, so wie man es mit jeder Person und ihren Meinungen zu unterschiedlichen Themen hält. Mir geht es darum, sein praktisches Wirken zu verstehen, und zwar gerade dort, wo er eine Erklärung schuldig bleibt, und auch bei mir ein großes Fragezeichen bleibt. Das ist ja hier der Fall. Gestern hatte ich versucht, einen Gedanken hinter seiner Replik auf Polenz zu finden.

    Was den Text von Alsbach selbst angeht, könnte noch ein anderer Aspekt wirken. Dieser war auch dann präsent, als Broder ankündigte, sich für die Legalisierung der Holocaustleugnung einzusetzen. Bei derartigem stellt sich schon die Frage: Wessen Sympathien greift er mit solchem Tun – deFacto – ab, und was hat er diesen Leuten sonst noch zu sagen? Fakt ist, dass es in beiden Fällen Verwunderung oder Verärgerung bewirkte, es zugleich primär Rechtsradikale und -extremisten waren, die sich positiv auf Broder/die Achse bezogen. Die Frage ist für mich, welche Wirkung dies bei *denen* entfalten kann.

    An anderer Stelle hatte ich bereits in einem Kommentar Gedanken dazu ausgeführt. Ich verlinke mal, dann muss ich es nicht wiederholen:

    http://blog.zeit.de/joerglau/2010/09/28/warum-henryk-broder-persilscheine-ausstellt_4186/comment-page-52#comments

    „Broder, Sarrazin, Kelek, Schwarzer und Co. – mit diesen Personen wird sich MiGAZIN in naher Zukunft intensiver beschätigen. Das kann ich soweit ankündigen.“

    Ich freue mich drauf.


Seite 1/3123»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...