Vorsicht!

Broder, der Clown der Nation

Ein satirisches Liebesloblied auf Henryk M. Broder, der einem Funktionär der extrem rechten pro NRW eine Plattform auf seinem Blog „Achse des Guten“ angeboten hat.

Einen Sarkasten erschüttert nichts: Diffamierende Äußerungen, anbiedernde Bekehrungsversuche, radikale Missionisierungsanstrengungen, plumpe Beleidigungen, intelligente Witze, gutgemeinte Schulterklopfer, böswillige Verbalausfälle – alles rieselt von seinem dicken Fell ab wie Wasser auf einer Lotusblume. Schließlich nimmt der Sarkast die Welt um sich genauso wenig ernst wie er sich selbst ernst nimmt.

Der Journalist und Schriftsteller Henryk M. Broder ist so ein Sarkast. Es wäre daher eine vergebene Liebesmüh‘ ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen zu wollen. Kürzlich bereitete ich einen Beitrag zur Integrationsdebatte vor, in diesen ich auch Henryk M. Broder, Necla Kelek und Thilo Sarrazin, der Bildungselite der deutschen Islamkritik, Platz einräumen wollte. Ich umschrieb diese Personen mit „der jüdisch-agnostische Weihnachtsmann mit transzendentalem Selbstzweifel und Knuddel-Faktor“, „die schrullige Hexe Kelek auf’m Freiheitspreis-Teppich – Marke Liberale“ und „der Hotzenplotz-Sarrazin mit gepflegtem Spießer-Schnäuzer“. Mir war klar, dass diese Worte nicht einmal meiner eigenen Qualitätsprüfung standhalten würden, geschweige denn der meines Auftraggebers, zumal ich dem Sarkasten Broder auf diesem Metier nicht das Wasser reichen kann.

Also, Henryk M. Broder ist ein Sarkast… Er gehört gar einer edlen Gattung der Sarkasten an – den ‚Ermaaaahnenden‘. Er ist sozusagen eine moralische Instanz, ein geschminkter Helmut Schmidt mit grüner Perücke und roter Nase. Als Gast in Talkshows, als Satiriker im Fernsehen, als Schreiberling in Printmedien und als Rächer in seinen Blogs ist er – auch manchmal im gepipmpten aber verkehrs- und seniorentauglichen Musclecar – im Lande unterwegs, um unermüdlich vor ehrenermordeten aber zuvor zwangsverheirateten Kopftuchmädchen oder sexuell-aufgeladenen Taliban-Türken zu warnen, die allesamt inkompatibel mit der westlichen Wertewelt sind, die man notfalls mit einem Präventivkrieg und Atompilz verteidigen muss, weil sich Deutschland ja abschafft, wie der Universalgelehrter und Zwangs-Frührenter Sarrazin prophetisch verkündet hat, der auch die Forscher korrigiert, die er in seinem Manifest zitiert hat, weil die alle schließlich sein Buch nicht gekauft haben und folglich es nicht gelesen haben können.

Henryk M. Broder ist schon grandios! Er ist ein Meister wortgewaltiger Subtilität, der die Doppelmoral in der Gesellschaft investigativ aufdeckt und der bürgerlichen Öffentlichkeit humorvoll den Spiegel vorhält. Da können die aus Steuergeldern und vor allem aus den Sozialkassen der Nation teuer ausgebildeten Soziologen, Politologen, Sozialpädagogen, Unternehmern, Verbandsfunktionären, Schriftsteller, Journalisten, Politikern, Bürokraten, eben all‘ diese Weicheier und Gutmenschen, in ein peinlich-verschwitztes Lachen flüchten. Der Über-Broder hat ihre wahren Absichten nämlich gelüftet.

Broder schreibt so Dinge wie so… moment… so Dinge wie… der Intoleranz des Islams müsse mit Intoleranz begegnet werden, um die Werte der Aufklärung zu verteidigen. Woooaaaah..!

Rosseau, Kant, Descarte, Locke… schnallt euch an, eure fundamentalen Überlegungen wurden generisch weiterentwickelt: „Ich versuche zu denken, also bin ich Broder.“ Oder: „Aufklärung ist der Ausgang der Vernunftbegabten aus der selbstverschuldeten Appeasement-Unmündigkeit aller nur Broders nicht.“ Oder: „Handle stets so, dass die Maxime des Willens von Broder jederzeit zugleich als Prinzip der Wahlerfolge und Besucherzahlen der Politisch-Inkorrekten gelten könne.“ Oder: „Alle haben Unrecht, nur Broder nicht.“ Oder: Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die Liebe nicht.“ (Gut, der letzte paradigmatische Universal-Lehrsatz beruht nicht auf der geistesweltliche Arbeit Broders.)

Wenn Necla Kelek nicht schon den Freiheitspreis 2010 erhalten hätte, so bin ich mir fast sicher, dass der multikulturell und interdisziplinär besetzte 35köpfige-Juryausschuss der Friedrich-Naumann-Stiftung ihn als „zeitgenössischen Aufklärer“ gewürdigt hätte. Davon darf man sich fast täglich früher in DER Spiegel und nun in Die Welt und nicht zuletzt auf seinem von ihm betriebenen Blog „Achse der Guten“ überzeugen.

Da dürfen nämlich neuerdings – Achtung! – auch so aufrechte TÜV-zertifizierte Demokraten der vorrepublikanischen Zeit wie Detlef Alsbach ihre Gedanken veröffentlichen. Herr Alsbach hat in einem Offenen Brief [1] an die Bundeskanzlerin geschrieben, dass er ein Ausländer, mehr ein „klassischer Ausländer“ so von der türkische- muslimischen Sorte, werden möchte. Diese dürfen nämlich ihre Frauen schlagen und so.

Who the fuck is Herr Alsbach!? Herr Alsbach ist nicht nur 51 Jahre alt, Immobilienkaufmann, verheiratet und nach eigenen Angaben blendend aussehend, wie er in seinem Autorenportrait auf Achse des Guten vorgestellt wird. Er ist auch ein strammer Funktionär von PRO NRW, jener Traditionspartei der deutschen Demokratie, die regelmäßig kleine Familienfeste vor der Moschee in Köln-Ehrenfeld feiert.

Nun hat der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, also jenem Weicheier-Appeasement-Toleranz-Karnevalsverein der Republik, nämlich Ruprecht Polenz, den Vordenker des 23. Jahrhunderts, nämlich Sir Henryk M. Broder, frecherweise aufgefordert, zu erklären, warum er solchen Traditionsdemokraten wie Alsbach eine Plattform angeboten hat.

Doch Broder wäre nicht Broder, wenn er dem Appeasement-Dhimmi Polenz nicht den Spiegel vorhalten würde. In einem langen dialektisch gefassten Aufsatz [2] antwortet der Über-Broder dem „Knecht Ruprecht“ sinngemäß: Erzähl‘ du zuerst, was du gesagt hast, dann erzähl ich dir, warum ich es getan habe!

Broder, Broder, Broder, mein ach so geliebter Broder… Adam Smith, der Begründer der modernen Nationalökonomie, ist mit seiner „unsichtbaren Hand“ nichts gegen deine „unsichtbaren Vier-Fäuste für ein Halleluja“. (Woooaaaah…! Noch eine generische Weiterentwicklung des modernen Zeitgeists durch Henryk M. Broder.)

Und du brauchst auch nicht auf die Anfrage von diesem Dhimmi Polenz zu antworten. Du bist mein Über-Broder! Du bist Legislative, Exekutive und Judikative in einer Person. Nicht nur ich, sondern dir vertrauen – laut einer aktuellen BILD-Umfrage –85,7382145,01% der Weltgemeinschaft blind!

Und als ich letztens Taxi fuhr, da hat mir sogar der Musel-Türke-Taxifahrer bestätigt, dass er dir Recht gibt. Und als ich aus meinem Urlaub zurückkehrte, da begegnete ich in der Abflughalle einem Musel-Akademiker. Er sagte mir: Ich geh’n zuruck zu Heimat, nich‘ Köln, wo gebor’n ich und gemacht mein Diplom in Fizik, nein… richtig Heimat. Wei‘ Broder sag‘, isch nich‘ kompatbl mit dä deut’sche Welt.

Und als ich dem Freitagsgebet letztens beiwohnte, da sagte der nach Deutschland infiltrierte 007-Imam, der sein Ayran lieber gerührt statt geschüttelt trinkt, zu meiner eigenen Überraschung: „Broder-u-Ekber! Eigentlich isch wollen sag‘n, mach‘ fiiieeeele dum’me Kinder, dann wir fieleee und dann erst wir Deu’schland, dann dä Erde, dann Avrupa, dann dä Mond wir erober’n, so islamsch machen und so, ne. Abr dann, ich lesen Text Broder. Ey, voll krass, Broder sagt’e voll die Wahrheit. Ich nix davon wusste von Arab-Ürkei, ich schwör‘, ey…!

Der Höhepunkt war aber, als ich beim Bürgeramt meinen Pass erneuern wollte. Als dann meine Nummer „99“ aufgerufen wurde, ging ich erst an 87 Schaltern vorbei, hinter jedem eine schwarzgekleidete Burkaträgerin saß. Meine Sachbearbeiterin, selbstverständlich ebenfalls Burkaträgerin, kümmerte sich um mein Anliegen. Ich aber wollte mich beim Amtsleiter beschweren, warum so unglaublich viele Burkaträgerinnen hier arbeiten. Wenn ich sie sehen möchte, kann ich das schließlich auch in meinem Urlaub tun. In einem Brief antwortete er mir, dass die Verwaltung die zwangsstaatlich vorgegebene Frauenquote einhalten muss. Der Amtsleiter schrieb ferner, dass nach eingehendem Studium der Lehrbücher von Kelek, Sarrazin und dir, mein lieber Broder, man dieses Problem nun angehen möchte. Entsprechende Anträge seien bereits gestellt.

Mein Liebesloblied auf dich, mein lieber Broder, möchte ich mit einem herzlichen tesschekkür ederim beenden. Lass‘ dich nicht von solchen Leuten wie Polenz unterbuttern. Sie verstehen dich eben nicht. Ich aber schon! Deine Worte und deine Taten sprechen nämlich für sich. Du brauchst in dieser demokratischen Zivilgesellschaft, die eh überschätzt wird, keine Erklärung abzugeben, warum du einer Person aus einer Rechtsextrem-Partei eine Plattform auf deinem Blog „Achse der Guten“ anbietest.

Du bist eben ein Über-Broder, mein sehr geliebter Clown der Nation. Du darfst das.

Schalom-un-Alaykum!