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Migration und Integration in Deutschland

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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Umfrage

Wer ist Sarrazin? Türken fühlen sich gut integriert

Die Debatte um Thilo Sarrazins umstrittenen Äußerungen ist an der Merheit der Türkischstämmigen vorbeigegangen. Sie fühlen sich in Deutschland gut integriert. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage des Forschungsinstituts Data 4U.

Sarrazin-Debatte kaum wahrgenommen
Nur etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) der TiD haben von der „Sarrazin-Debatte“ gehört bzw. diese in den Medien verfolgt. Hierbei kannte die Hälfte der türkischen Männern (50 Prozent) diese Debatte, während nur etwa 30 Prozent der türkischen Frauen etwas von den Thesen Sarrazins gehört und diese wahrgenommen hat. – „Aufgrund wichtiger innenpolitischer Ereignisse fand die Sarrazin-Debatte in den türkischen Medien kaum statt. Viele meiner Landsleute, insbesondere ein großer Teil der türkischen Frauen lebt in Deutschland noch immer sehr zurückgezogen, nutzt fast ausschließlich türkische Medien und nimmt am deutschen gesellschaftlichen Diskurs immer noch zu wenig teil“, erläutert Data 4U-Geschäftsführerin Umut Karakaş.

Integration - Türken in Deutschland: Haben Sie von der Sarrazin-Debatte gehört bzw. verfolgen Sie diese in den Medien? © Data 4U

Integration - Türken in Deutschland: Haben Sie von der Sarrazin-Debatte gehört bzw. verfolgen Sie diese in den Medien? © Data 4U

Rund ein Fünftel der Deutsch-Türken (21 Prozent) sehen durch die aktuelle Integrationsdebatte die Stimmung zwischen Deutschen und Türken nachhaltig verschlechtert und 62% der Türken, die die Debatte um Sarrazin wahrgenommen haben, fühlen sich von ihm persönlich beleidigt bzw. angegriffen.

„Nimmt man die nur scheinbar merkwürdigen und widersprüchlichen Ergebnisse dieser Studie ernst“, so Karakaş weiter „ergibt sich die dringende Notwendigkeit, mehr über die jeweiligen Denkweisen der Deutschen und Türken zu erfahren. – Hier sind insbesondere deutsche, aber auch die türkischen Medien gefordert.“

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7 Kommentare
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  1. Harun sagt:

    Das ist dann ein Beweis für gute Integration, wenn gerade mal ein Drittel die Debatte die allgegenwärtig war mitgekriegt hat und ganze 2/3 der Leute nicht mitkriegt wie sie erniedrigt werden. Gratuliere – Sehr Aussagefähig.

  2. Ben sagt:

    Die Hälfte der Leute hat die Sarrazindebatte nicht mitbekommen und fühlt sich aber gut integriert – offenbar wird hier Integration sehr unterschiedlich gedeutet.
    Zudem ist zwischen persönlichem Wohlfühlen und in einer Gesellschaft verankert sein auch noch mal ein großer Unterschied.

    Dass intensive Innenpolitische Debatten in der Türkei wohl wichtiger sind als das, was hier im Lande abläuft, ist schon bedenklich.
    Aber das Fehlen der türkischen Stimmen in der ganzen Diskussion ist ja offensichtlich und das größte Problem.

  3. Bernd Fouquet sagt:

    Wieso soll es gegen eine erfolgreiche Integration sprechen, dass die Opfer von Sarrzins medialer Hetze Gelassenheit zeigen und das hysterische Gegeifer Juden-Gen-Thilos ganz einfach ignorieren?

    Ich denke es ist eher umgekehrt, weil es fuer eine gewisse Selbstsicherheit spricht, dass man sich weigert den Zirkus Sarrazini wahrzunehmen. Man muss sich naemlich nicht wirklich an den extremen Raendern der Gesellschaft orientieren um auch wirklich in ihrer Mitte anzukommen. Wenn die Wahrnehmung von Sarrazins Geschimpfe der Masstab fuer maximale Integration sein soll, dann muesste man schlussfolgern, dass ausgerechnet die NPD am Allerbesten integriert ist, weil von denen hat das garantiert jeder mitgekriegt. Und das mag ich nicht glauben, eine so schlechte Meinung habe ich nicht von der deutschen Gesellschaft.

    Integration bedeutet auch gegenseitiges Lernen und was wir von unseren tuerkischstaemmigen Mitbuergern lernen koennen scheint klar: Mehr Gelassenheit gegenueber lauten und hysterischen Aussenseitern. Irgendwann hoeren die von ganz alleine auf mit Schreien.

  4. Bierbaron sagt:

    @ Bernd Fouquet

    Eine etwaige Gelassenheit bei den Türkischstämmigen zu attestieren, hielte ich für einen Trugschluss. Gelassenheit etwas gegenüber muss schon ein bewusster Zustand sein – da die Mehrheit der Türkischstämmigen von der Sarrazin-Debattte nichts mitbekommen hat, kann es sich in meinen Augen auch nicht um Gelassenheit handeln – Uninformiertheit und/oder Desinteresse wären die passenderen Zustandsbeschreibungen. Diese Uninformiertheit und dieses Desinteresse sind in meinen Augen die größten Hürden, die es von der Seite der Türkischstämmigen zu überwinden gilt. Wie kann ich von DER innenpolitischen Debatte des Spätsommers nichts mitbekommen und mich dennoch als „integriert“ bezeichnen? Hier handelt es sich ganz offensichtlich um ein unterschiedliches Verständnis von „Integration“: Integration, wie ich sie verstehe, impliziert auch eine Partizipation an innergesellschaftlichen Diskursen. Basis dieser Partizipation muss ein grundsätzliches Interesse an den gesellschaftlichen Prozessen des Gastlandes sein – ein Interesse, das bei der Mehrzahl der Türkischstämmigen augenscheinlich nicht besteht.
    So muss ich leider zu dem Schluss kommen, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der „gut integrierten“ Türkischstämmigen erfolgreich in „ihre“ Parallelgesellschaft integriert hat – eine Parallelgesellschaft, in der es sich offensichtlich ganz angenehm leben lässt.

    Grüße
    Bierbaron

  5. elimu sagt:

    Also mal ganz ehrlich! Wer setzt sich denn noch hin und schaut sich was im deutschen/türkischen Fernsehen an?

    Diese ganzen Diskussionen um die Integrationsdebatte nervt so allmälich… Da kann ich meine weiblichen Landsleute verstehen, wenn sie lieber irgendwelche Serien gucken, die spannender sind.

    Letzten Endes ist da zumindest Spannung mit dabei… Bei Herrn Sarrazin kann man nur den Kopf schütteln und sich unnötigerweise aufregen…

    Wenn ich „up to date“ sein will, schaue ich ins Internet und picke mir dabei die wichtigsten Schlagzeilen heraus und lese. Eine Debatte, wo Türken und Deutsche sich gegenseitig fertig machen, will ich erst recht nicht sehen! Ich bin nämlich BEIDES! (obwohl ich leider meine türksiche Seite auf Papier aufgeben musste!!) und verdammt noch mal! ich bin stolz auf beide Seiten… Und ja.. in meiner Umgebung sind die
    Meinesgleichen alle „gut bis sehr gut“ integriert. Das ist ja auch das „Problem“… wir sind die Unauffälligen… wir stechen leider nicht so ins Auge, wie manch andere…

  6. Paul sagt:

    @Bierbaron

    Was meinen sie mit Gastland? Wer zu Gast ist, geht irgendwann wieder. Das ist das Grundproblem bei dieser ganzen Diskussion. Es wird von Teilen der sogenannten „Mehrheitsgesellschaft „nicht grundsätzlich akzeptiert, dass Menschen die hier geboren sind oder auch schon länger hier leben Teil des Landes sind, gleichberechtigter Teil.

  7. […] ist derzeit noch nicht einmal in der Lage, Türkischstämmige in Deutschland anzusprechen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Data 4U zufolge haben lediglich 38 Prozent der Türkischstämmigen in Deutschland von der „Sarrazin-Debatte“ […]



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