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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Soziale Integration

Migrantische Studierende an Universitäten

An unseren Hochschulen tut sich etwas. Bologna-Prozess, Exzellenzinitiative, Überschreitung der Zwei-Millionen-Grenze der Studierendenzahlen, vermeintliche Elite-Universitäten und der bundesweite Bildungsstreik haben in den letzten Jahren die Schlagzeilen beherrscht, wann immer es um die Themen Bildung, Forschung und Hochschulentwicklung ging.

VONPayam Ghalehdar

Payam Ghalehdar, 24, studierte von 2004 bis 2009 Politikwissenschaft an der Universität Mannheim und an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland.

DATUM24. Februar 2010

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Zweifellos befindet sich das deutsche Hochschulwesen in einem bemerkenswerten, wenn auch nicht unumstrittenen Umbruch. Doch so bedeutend diese Themen und Reformen auch sind, in ihrem langen Schatten gibt es ein weiteres Phänomen, das ohne große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen das Bild der deutschen Universitäten nachhaltig verändern wird: der beachtliche Anstieg der Anzahl migrantischer Studierender.

Steigende Präsenz migrantischer Studierender
Als ich letztes Jahr nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt wieder in die Universitätsbibliothek ging, fiel mir zum ersten Mal die Vielfalt meiner Mitstudierenden auf. Ich hatte ein wenig das Gefühl, die unglaubliche Vielfalt an Menschen, die ich während meiner Zeit in Amerika gesehen und kennen gelernt hatte, mit mir zurück nach Deutschland gebracht zu haben.

Dass meine persönliche Erfahrung kein subjektiver Eindruck ist, zeigen aktuelle Statistiken. Laut der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks1 hatten 2006 rund 136.000 Studierende also 8 Prozent der Immatrikulierten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen einen Migrationshintergrund. Dazu zählen Eingebürgerte (46 Prozent), Studierende mit doppelter Staatsbürgerschaft (11 Prozent) und BildungsinländerInnen (43 Prozent), also AusländerInnen mit deutscher Hochschulzugangsberechtigung. Darüber hinaus waren im selben Jahr rund 189.450 ausländische Studierende mit einer nicht-deutschen Hochschulzugangsberechtigung an den deutschen (Fach-)Hochschulen immatrikuliert, die so genannten BildungsausländerInnen, die 9,5 Prozent aller Studierenden ausmachten.

Aktuelle Zahlen über die Entwicklung der Studierenden mit Migrationshintergrund liegen nicht vor. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Studierende mit Migrationshintergrund an Hochschulen immer noch deutlich unterrepräsentiert sind, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen des Mikrozensus fast ein Fünftel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat. Somit sind die Zahlen durchaus differenziert zu betrachten. Während die Zahl ausländischer Studierender ansteigt, besteht bei den hier lebenden MigrantInnen immer noch Steigerungspotenzial. Ob durch bessere Förderung, sozialen und ökonomischen Aufstieg oder mehr Bildungsaffinität, über kurz oder lang werden deutsche Hochschulen die Vielfalt der deutschen Gesellschaft widerspiegeln müssen. Doch was ändert sich dadurch im deutschen Hochschulalltag?

Befürchtungen und Ängste ernst nehmen
Wenn man sich an den Universitäten umschaut, ist eine gewisse Skepsis bei Lehrenden und Studierenden nicht zu übersehen. Teilt man diese Unsicherheit, möchte man meinen, dass zu häufig Negatives wie Armut und Bildungsferne mit MigrantInnen assoziiert wird, als dass man dieser neuen Entwicklung optimistisch entgegenblicken könnte. Dass Bilder, die das Fremd- und Anderssein betonen, zu tief sitzen, als dass skeptische Erwartungen sich gleich einer self-fulfilling prophecy nicht selbst bewahrheiten würden. Und dass die wirtschaftliche und soziale Lage vieler MigrantInnen zu schlecht ist, als dass man meinen könnte, der Anstieg würde die Universitäten als eine der letzten Bastionen gut gestellter Schichten von Niedergang und Proletarisierung verschonen. Gewiss, viele dieser Befürchtungen offenbaren mehr über die Mehrheitsgesellschaft als über Studierende mit Migrationshintergrund, doch sollten die Herausforderungen nicht ignoriert und die Ängste, die vielleicht nicht ausgesprochen, aber aufgrund weit verbreiteter Unsicherheit vorhanden sind, ernst genommen werden.

  1. Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2007): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2006. 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System.  []
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