Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie [...] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht [...]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU) taz, 20. Januar 2010
Presseschau

Türkische Presse Europa 06.02.2010 – Diskriminierung, Braindrain, Gebetsruf

Redaktion | 8. Februar 2010 | Türkische Presse Europa Drucken | Weiterempfehlen |

MySpace Del.icio.us Yigg Folkd Facebook Webnews MisterWong Linkarena


In der türkischen Presse in Europa vom Samstag verweigert eine Zahnärztin die Behandlung eines 16-jährigen wegen seines Vornamens. Außerdem wird die Abwanderung von türkischstämmigen Akademikern und der erste Gebetsruf in Rendsburg aufgegriffen. Außerdem äußerte sich Cem Özdemir zur eigenen Zukunft und zum möglichen Wahlausgang in NRW.

Europaausgaben türkischer Tageszeitungen © MiGAZIN

Zahnärztin behandelt Patienten wegen Namen nicht
ZAMAN, SABAH, MILLIYET und TÜRKIYE berichten über den Fall einer Zahnärztin in Donaueschingen, die die Behandlung eines 16 Jahre alten Patienten aufgrund seines Namens verweigerte. Der Name des Minderjährigen, “Cihad”, sei eine Kriegserklärung an alle Nicht-Islamisten. Der Patient besuchte die Praxis zwar bereits seit über zwei Jahren, wurde bisher jedoch von einem anderen Arzt betreut. Die Familie des Jungen reagierte empört. Sie hätte den Namen nicht aus religiösen gründen gewählt, sondern weil ihnen dieser gefiel. Die Zeitungen stellen auch klar, dass es sich bei diesem Namen um einen gängigen türkischen Namen handelt. Die Ärztin hat sich mittlerweile bei der Familie entschuldigt und ihr handeln im Rückblick als falsch betrachtet. Die Zeitungen weisen auch darauf hin, dass das Handeln der Ärztin eine Folge der Ausgrenzung in Medien und Politik und das Schüren von Vorurteilen ist.

Podiumsdiskussion: Hochqualifiziert und international
Die ZAMAN berichtet von der Podiumsdiskussion “Hochqualifiziert und international – Chancen für den deutschen Standort?” des futureorg – Instituts für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung zusammen mit der Stadt Dortmund. Diskutiert wurde auf dem Podium über die Gründe für die Abwanderung von Hochqualifizierten in das Ausland. An erster Stelle würden Akademiker, insbesondere mit türkischem Migrationshintergrund Deutschland verlassen. Kamuran Sezer, Leiter des Instituts, wies darauf hin, dass Akademiker im Durchschnitt drei Jahre nach einer Anstellung suchen müssen und 10 % keine Anstellung bekommen. Jeden dritten Akademiker würde es schließlich ins Ausland ziehen. Von den ca. 70 000 Studierenden mit türkischem Migrationshintergrund würden nach eigenen Ermittlungen 25 000 bis 30 000 nach dem Abschluss ins Ausland gehen wollen.

Erster Gebetsruf in Rendsburg
HÜRRIYET und ZAMAN berichten über den ersten Gebetsruf in Rendsburg. Nachdem die Gemeinde die Erlaubnis für das täglich fünfmalige Rufen zum Gebet erhalten hat, werde sie dieses Recht jedoch nur Freitags nutzen, sagte der Gemeinde-Vorsitzende. Zum Freitagsgebet wurde dann auch das erste Mal öffentlich zum Gebet gerufen, nach der Vorgabe der Genehmigung jedoch nur mit 40 dB.

Cem Özdemir wird wieder kandidieren
Er werde wieder für den Vorsitz der Grünen kandidieren, erklärte Cem Özdemir auf einem Treffen des Alevi Business Network e.V. Davon berichtet die HÜRRIYET. Özdemir bewertete auch den möglichen Ausgang der Landtagswahl in NRW. Eine Weiterführung der CDU-FDP-Koalition sei nicht wahrscheinlich. Eines der möglichen Optionen wäre eine Schwarz-Grüne Koalition.

GD Star Rating
loading...

Mehr über:

Autor: Redaktion

Die Redaktion von MiGAZIN stellt Nachrichten, Urteile, Studien und andere lesenswerte Texte online.

Kontaktiere Autor

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar»

  1. Boli sagt:

    Was auf Akademiker zutrifft, gilt eigentlich für alle Bereiche:

    http://www.stattweb.de/baseportal/Buecher&zeigen=140

    Was in Deutschland passiert gilt letztlich wie hier aufgeführt ebenso für Frankreich und wird sich wohl über kurz oder lang weltweit ausbreiten. Ein neuer kalter Krieg im gnadenlosen Einzelkampf um Geldmärkte, Wissen und Marktbeherrschung.

    Er steigert sich in der langfristigen Krise, die Castel von 1978 an beginnen lässt. Nach demselben Mechanismus, der auch in Deutschland greift, werden Arbeitsplätze und Lehrstellen immer weniger an erkennbare Bewohner der banlieues gegeben, je schwerer die Krise drückt. Damit entsteht verschärft ein Widerspruch, der jeden drückt, der durch Aussehen, Sprachbeherrschung, Familiennamen ausgesondert und erkannt werden kann.

    So wie ich es in der Vergangenheit auch schon gesagt habe. Es ist zwar keine schöne Nachricht, entspricht aber der Realität. Und das was in Großbritannien passiert bezüglich Studentenvisa ist im Prinzip ein weiterer Vorgeschmack auf das was noch kommen kann.

    GD Star Rating
    loading...

Diskutieren Sie mit

 

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migranten/-innen in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren.

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...