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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Türkische Presse Europa

31.01 und 01.02.2010 – Assimilation, Moscheekontrollen, Euro-Islam, Imamausbildung

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten unter anderem über die Personenkontrollen vor Moscheen in Niedersachsen. Obwohl der Ministepräsident den Verzicht der Polizeiaktionen gefordert habe, beharre sein Innenminister an der rechtswidrigen Praxis. Weitere Themen sind der Euro-Islam, die Imamausbildung, die Unzufriedenheit über das Ministerkabinett, u.v.m.

01.02.2010

Imamausbildung an Deutschen Universitäten
Der Wissenschaftsrat hat ein Konzept für den Ausbau islamischer Studien an deutschen Hochschulen vorgelegt, berichtet die ZAMAN. Der Rat habe Bund und Länder dazu aufgefordert, Lehrstühle einzurichten und zu finanzieren. Um die inhaltliche Ausrichtung zu bestimmen, solle ein Beirat für Islamforschung einberufen werden, in welcher verschiedene islamische Organisationen und auch Einzelpersonen vertreten sein sollen. Diese sollen insbesondere auch bei der Bestimmung und der Auswahl der Professoren Mitspracherecht erhalten, um Konflikten wie in der Vergangenheit im Falle von Sven Kalischs entgehen zu können, der an der Universität Münster für Aufregung sorgte, indem er als Islamprofessor die Existenz des Propheten Muhammad (saw) anzweifelte, so die ZAMAN weiter.

Volker Kauder: „Türkische Jungen werden wie Könige erzogen“
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder habe gesagt, dass türkische Eltern ihre Jungen zu Hause „wie Könige“ erziehen würden und diese deshalb schwer in die Gesellschaft zu integrieren seien, weil sie oftmals Gewalt anwandten, um sich zu behaupten und zu Akzeptanz zu gelangen, zitieren die HÜRRIYET und MILLIYET. Ein großes Problem seien hierbei die Ehegattennachzüge, in deren Folge man die Kinder in patriarchalischen Strukturen erziehe. „Die Buben in türkischen Familien werden dann oft wie kleine Könige erzogen. Wenn sie in ein Umfeld kommen, in dem sie wie alle anderen behandelt werden, sind sie völlig irritiert“, so Kauder. Der kleine Ahmed sei nicht wertvoller als der kleine Franz sowie umgekehrt.

Aber auch die hiesige Gesellschaft dürfe nicht tatenlos bleiben und müsse der Integration beitragen. „Wir müssen den Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, oder deren Vorfahren immer vermitteln, dass sie willkommen sind“, sagte Kauder weiter. Umgekehrt sei aber auch Handlungsbedarf bei den Migranteneltern von Nöten. Wenn beispielsweise Jugendliche regelmäßig die Schule schwänzten, müsse man „immer zuerst versuchen, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, um ein Problembewusstsein zu erzeugen.“ Wenn die Eltern sich allerdings nicht kooperativ zeigten, müsse man mit Konsequenzen fortfahren, wie beispielsweise der Kürzung des Kindergeldes.

Unzufriedenheit über das Ministerkabinett
Einer Beliebtheitsumfrage des Instituts emnid zufolge sei das Kabinett der CDU/CSU-FDP-Koalitionsregierung nach 100 Tagen ihrer Amtszeit bei der Bevölkerung sehr unbeliebt. Vor allem die FDP-Minister mit Ausnahme der Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger seien mehrheitlich negativ bewertet worden. So stufe 47 Prozent der Befragten die Arbeit des Außenministers Guido Westerwelle sowie des Gesundheitsministers Phillip Röslers schlecht ein, während nur 41 Prozent Westerwelles und 31 Prozent Röslers Arbeit lobten.
Die beste Bewertung erhielt der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit 65 Prozent Zustimmung und 24 Prozent Ablehnung trotz des Kundus-Skandals. Der Verteidigungsminister werde mit 61 Prozent positiver Stimmen von der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dicht befolgt. (SABAH)

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4 Kommentare
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  1. Heinz Müller sagt:

    DITIB lehnt Euro-Islam ab

    Diese Überschrifft sollte zu Denken geben
    Auch Erdogan sagte das es nur einen ISLAM gibt und Predigte
    Assimilation ist ein Verbrechen
    Da es entgegen den Vorträgen der Beschwichtiger keinen Euroislam geben wird
    ist es wohl an der Zeit mal kritisch zu hinterfragen wie der ISLAM ausfallen wird
    den den DITIB hier einführen möchte
    Das der mit unserem Grundgesetz vereinbar ist wage ich zu bezweifeln
    Also wat nu ?

  2. Boli sagt:

    Der DITIB muß schlicht die Ausbildung der Imame die in der Türkei ausgebildet werden entzogen werden sondern es werden nur noch Imame die in Deutschland ausgebildet werden zugelassen bzw. nach den deutschen Richtlinien nachgeschult. Und das umso mehr solange das griechisch-orthodoxe Patriarchat keine Priester mehr in der Türkei ausbilden darf und verlangt, das der entsprechnde Priesteranwärter türkischer Staatsbürger sein muß. Vielleicht sollte Deutschland das ebenso handhaben?? Die Einmischung des türkischen Staates sollte jedenfalls zurückgedrängt werden.

  3. Mehmet sagt:

    Dann würde Deutschland das falsche Verhalten der Türkei nachahmen.

  4. Boli sagt:

    Das ist durchaus richtig, nur was soll man denn mit so einem Staat machen der davon nicht ablässt. Nachlässigkeit wird einem dann als Schwäche ausgelegt. Vielleicht passiert ja noch ein Wunder und sie (Ditib) merken es von selbst das das so nicht angenommen wird.



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