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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Was bist du?

Bezeichnungsproblematik in Deutschland

Migrant, Immigrant, Eingebürgerter, Deutscher mit Migrationshintergrund, Türke, Deutscher, Deutschtürke, Araber, Engländer … oder jemand anderer? Migrationshintergrund lässt sich schwer definieren und darum geht es hier. Es hat zwei Seiten, denn wie man sich als jemand mit Migrationshintergrund definiert und wie man in einer Mehrheitsgesellschaft bezeichnet wird, sind sehr unterschiedlich.

DATUM6. Januar 2010

KOMMENTARE22

RESSORTHumor, Meinung

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Das Selbstbild mit einer vielschichtigen Identität, das sich manchmal gar nicht konkret definieren lässt, prallt auf die Vorstellungen beherrscht von Klischees. Das folgende Beispiel ereignete sich in der Sprechstunde zwischen einer Studentin und ihrem Germanistikprofessor.

Germanistikprofessor: Sie sprechen aber gut Deutsch.
Studentin: Danke, Sie aber auch.

Tja so ist das. Da wundern sich alle und möchten Anerkennung zeigen, dass man als augenscheinlich Nichtdeutsche eine elaborierte Sprache benutzt. Das Beherrschen der Sprache führt nicht automatisch zu einem Zugehörigkeitsgefühl bei der Person mit nichtdeutscher Herkunft und auch nicht zu Akzeptanz als vollwertiges Mitglied der Mehrheitsgesellschaft. Die Bezeichnungsproblematik ist eine endlose Diskussion.

Wenn in den Medien berichtet wird, findet man häufig ein Begriffswirrwarr. So wird manchmal von Migranten, Deutschtürken, Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländern gesprochen. Bei Berichten zu Schülererhebungen wird es besonders deutlich, denn dort wird noch differenzierter unterschieden zwischen Migrantenkind, Migrationskind, Schüler nichtdeutscher Herkunft usw. Die Schwierigkeiten bei der Begriffswahl ist das Ergebnis von Unsicherheit bzw. Verunsicherung im Sprachgebrauch.

Entwicklung des Begriffs Migrationshintergrund
Die Entwicklung des Begriffs Migrationshintergrund lässt sich in der Literatur über Schülererhebungen verfolgen. In den 60ern und 70ern wird von „Ausländern“ gesprochen, denn die Annahme, dass ausländische Kinder nicht sesshaft waren, führte zu der Weiternutzung von Begriffen aus der Weimarer Republik. Im Laufe der Entwicklung wird nach dem Prinzip der Anerkennung der ethnischen Minderheiten diese Bezeichnung abgelöst durch „Migrant“, „Immigrant“ (wie in Großbritannien), „Zuwanderer“, „Migrantenkinder“, „Migrationskinder“, Kind mit Migrationshintergrund“ und als aktueller Begriff „Kinder nichtdeutscher Herkunft“.

Alle Zuwanderer, die keine Staatsbürgerschaftsrechte besitzen (unabhängig aus welchem Grund sie sich in einem Land aufhalten), werden zusammengefasst als Ausländer bezeichnet. Die Begriffe Migrant und Immigrant bezeichnen Zuwanderer mit eigener Migrationserfahrung, welche in ein anderes Land übersiedeln mit der Absicht, sich in diesem Land dauerhaft anzusiedeln. Migrantenkinder bezeichnet all jene, dessen Eltern zugewandert sind. Bei der Bezeichnung Migrationskinder wird auf die Berücksichtigung eines Migrationshintergrundes hingewiesen. Die aktuelle Variante Kind nichtdeutscher Herkunft gibt Auskunft darüber, dass die ethnischen Wurzeln außerhalb Deutschlands sind, ohne weitere Information, wo das Kind geboren wurde oder welche Staatsangehörigkeit es besitzt. Hauptsächlich ist die Wortwahl geprägt durch die Politik, die sich dann in der wissenschaftlichen Literatur niederschlägt und kaum differenziert in den Medien aufgegriffen wird. Das ist der Grund, warum alle Begriffe heute durcheinander verwendet werden.

So kann man in der Zeitung über die Erfolge von einem Deutschtürken lesen oder auch über die türkischen Ausländer, die sich gesetzeswidrig verhalten. Es werden Weltbilder projiziert, die unreflektiert in Form von Schubladendenken an Generationen weitergegeben werden. Der folgende Dialog – eine wahre Begebenheit – fand zwischen mir und einer neuen Arbeitskollegin statt. Es handelt sich um ein typisches Beispiel, wo man in ein Schema eines Weltbildes gepresst wird:

Die neue Kollegin (ohne Migrationshintergrund):
Sag mal, ich habe mal ne Frage, was bist du eigentlich?
Ich: Wie jetzt?
Sie: Naja, ich meine woher kommst du?
Ich: Ach so, ich komme aus Deutschland.
Sie: Wie jetzt, du hast doch dunkle Haare und dein Name …?
Ich: Ja, und? Ich bin hier geboren und aufgewachsen.
Sie: Und woher kommen deine Eltern?
Ich: Meine Eltern sind aus der Türkei.
Sie: *erleichtert* Na siehst du, dann kommst du also aus der Türkei.

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22 Kommentare
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  1. Kevin sagt:

    Komisch.

    Warum manchen Menschen auf die Frage nach der etnischen Zugehörigkeit so bekloppt reagieren.

    Als würde ein Türke, deren Vorfahren sich vor 500 Jahren in Bulgarien niedergelassen haben, kein Türke mehr sein.

  2. sebo sagt:

    hallo, diskutierende liebe leute: ich sage euch guten tag, sind wir türken in deutschland eine minderheit.

    mfg


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