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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Studie

Weniger Ehrenmorde als gedacht

Die Mehrzahl der in den Medien als „Ehrenmord“ bezeichneten Gewalttaten in Migrantenfamilien haben andere Ursachen und werden nicht aus Ehrgründen begangen. Dies ist das Ergebnis einer Studie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Mit der Religion hat das nichts zu tun
Daher warnt Cöster vor pauschalen Schlüssen. Gewalt im Namen der Ehre werde von keiner Religion gefordert, auch nicht vom Islam, obwohl sie verstärkt in islamisch geprägten Ländern vorkomme. „Ich bin keine Religions- oder Islamwissenschaftlerin und kann mich daher nur darauf berufen, was andere Wissenschaftler meinen festgestellt zu haben. Demnach schreibt keine Religion das Töten im Namen der Ehre vor“, so die Wissenschaftlerin gegenüber MiGAZIN.

Die Motive für einen Ehrenmord entstünden in Gesellschaften, die von Männern und von Stammesdenken dominiert würden. „Ehrenmorde in Deutschland werden meinen Erkenntnissen zufolge zwar mehrheitlich von Personen ausgeübt, die aus der Türkei zugewandert sind, aber keinesfalls ausschließlich, wie zuletzt ja auch der Ehrenmord an der Afghanin Morsal gezeigt hat. Türkeistämmige Personen stellen die größte Zuwanderergruppe, ich denke, dass die Zahl daher besonders ins Gewicht fällt.“

Integrationspolitisch nicht sinnvoll
Für Integrationspolitisch sinnvoll hält Cöster das Hochbauschen von Zahlen nicht. Es handele „sich hier aber nicht um eine gezielte Stimmungsmache, sondern schlichtweg um Unsicherheiten in der Verortung solcher Taten“, die tatsächlich oft auf den ersten Blick nicht eindeutig auf einen familiären oder kollektiven Ehrbegriff zurückzuführen seien.

Cöster weist außerdem darauf hin, dass nicht nur Frauen Opfer von Ehrenmorden sind. In den von ihr untersuchten Fällen seien Männer genauso häufig tödlich betroffen wie Frauen. „Bei einer Affäre mit einer verheirateten Frau etwa wird der Mann als der Verantwortliche angesehen, da er sich etwas anmaßt, was ihm nicht zusteht“, so Cöster. Eine Einrichtung für Männer, die mit Frauenhäusern vergleichbar sei, gebe es bislang aber nicht. Die Schutzeinrichtungen seien weitestgehend an Frauen ausgerichtet.

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45 Kommentare
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  1. Cajun Coyote sagt:

    Danke. Endlich mal eine gute Nachricht.

  2. Boli sagt:

    Ein Mord durch einen Einzelnen der im Affekt geschehen ist, ist kein Ehrenmord. Ein Ehrenmord fängt immer da an wo zum einen eine gezielte Planung in Verbindung mit angeblicher Familienehre oder auch eigenbezogene Ehre vorhanden ist, wo also mindestens 1 Person unter Erwähnung einer verletzten Ehre solch einen Mord begeht und eindeutig ist es wenn sich gar die Familie oder wenns ganz dick kommt noch die weitläufige Verwandschaft und am schlimmsten wenn sich das Ganze sogar noch als kollektive Verurteilung durch die lokale Glaubensgemeinschaft in eine Tötungstat (was in den letzten 3 Fällen in einigen Ländern sogar bis zu öffentlichen Steinigungen führen kann) mündet.
    Beenden kann man das nur wenn man generell den Begriff Ehre einmal unter die Lupe nimmt und vor allem einmal neu und im positiveren Sinne für sich und seine Umgebung interpretiert. Und das Schlimme daran ist das viele Leute dann nicht einmal wissen wieso sie es tun, sondern nur eine Antwort kommt wie „das haben wir halt schon immer so getan“ rauskommt.

  3. Keith sagt:

    Natürlich schreibt keine Religion Ehrenmorde vor, das hat auch noch niemand behauptet. Auch Hitler hat in „Mein Kampf“ nicht die Ermordung von Millionen Juden oder gar Auschwitz gefordert. Es kommt entscheidend auf den Geist der Lehre an – die minderwertige Rolle der Frau im Islam, ihre „Intaktheit“ als Garantie für ihre islamisch einwandfreie Einordnung in den Rollenhaushalt der Familie und speziell ihres Mannes (Der Himmel der Frau ist unter den Füßen ihres Mannes; Hadith), ihre Herabwürdigung zu einer Sache, die am besten unsichtbar bleibt, denn, wie eine Fatwa sagt: „Das Grundprinzip für Frauen ist, dass sie sich verbergen sollen“ ([…]). Aus der islamischen Einstellung zur Frau lassen sich jedenfalls die verabredeten muslimischen Ehrenmorde besser erklären als aus „anatolischen Traditionen“ – die im übrigen selbst ja im wesentlichen vom Islam durchdrungen sind. Muslimische Ehrenmorde geschehen auch in den USA, und hier sind es eben meist keine Migranten, die sie begehen, sondern Alteingesessene. Wenn ein Münchner Imam nach einem Ehrenmord behauptet, sowas habe mit Islam nichts zu tun, Begründung: „Es gibt im Koran keine Stelle, die Gewalt gegen Frauen rechtfertigt.“; immer wieder werde die Religion in Familiendramen instrumentalisiert, so [Imam] Fadai im „Münchner Merkur“ (SPOn: Letzte Ausflucht Religion, 21.7.09), dann lügt der Imam wissentlich, weil er die Sure 4,34 kennt, in der es heißt: „Die Männer stehen über den Frauen … Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie“. Kürzlich hat die Polizei in div. Bundesländern eine Schrift beschlagnahmt, in der dieses „Schlagen“ genau beschrieben wird. Die Wissenschaft sollte sich, anstatt solchen Lügen-Imamen Handreichungen zu verfassen, lieber um den Zusammenhang Islam-Ehrenmord kümmern, der allein schon durch bloßen Augenschein auffällt!

  4. BiKer sagt:

    hallo keith,

    schön hergeleitet und gut argumentiert. mann könnte leicht darauf reinfallen. denn sie haben vollkommen recht. nicht alles, was man tut, muss auch so dastehen, wenn man es sich herleiten kann. das ist eine gängige auslegungsmethode.

    das herleiten findet aber – und das müssten sie aber auch wissen – ihre grenzen dort, wo sie mit anderen sätzen unvereinbar wird. ein tötungsverbot beispielsweise ist im koran enthalten. von daher wäre die herleitung des ehrenmordes aus anderen sätzen, die nicht ehrenmorde regeln, unzulässig, wenn man damit ganz klar formulierte vorschriften missachtet – das tötungsverbot. ist doch logisch oder? und das wussten sie oder? wieso haben sie es dann nicht geschrieben? das überrascht.

    mich überrascht aber auch, dass sie ausgerechnet hitlers mein kampf als vergleich heranziehen. das lässt rückschlüsse zu.

  5. Keith sagt:

    Ich habe nicht gesagt, dass der Islam den Ehrenmord erlaubt, sondern dass er ihn erklärt.

    Dass auch die Scharia Mord ahndet, ist eine Binse. Es gibt bei Ehrenmord in einigen islamischen Ländern allerdings einen Bonus: „Wer in Jordanien „in einem Moment der Wut“ einen Mord begeht, kann dem Landesrecht entsprechend nur wegen eines „minderen Vergehens“ verurteilt werden. Ein Jordanier, der seine untreue Schwester erschossen hat, muss daher nur für drei Monate hinter Gitter… Die Mutter von zwei Kindern soll für mehrere Tage „ohne Erlaubnis ihres Ehemannes“ das Haus verlassen haben.“ (FOCUS, 4.4.2008). Dass „der Islam“ gegen derartige Auffassungen jemals protestiert hat, habe ich zumindest noch nicht vernommen.

  6. Mehmet sagt:

    EhrenMORDE sind im Islam verboten (wie Biker angegeben hat). Hier kann jedoch man auf jeden Fall die Stellung der Frau im Islam und die entsprechenden stellen kritisch betrachten.

  7. Mehmet sagt:

    Dann meinen sie die AUSLEGUNG des Islams und nicht den Islam selbst?

    Denn die AUSLEGUNG des Christentums hat früher Kreuzzüge gerechtfertigt, das Christentum an sich jedoch nicht.

  8. Mehmet sagt:

    Dass es schlimm ist und die türkische Gesellschaft hier an sich arbeiten muss und dies auch tut! ), da gebe ich Ihnen recht, zumindest teilweise. Denn „viele“ Personen ist zu relativ. Dass es dieses Phänonen Ehrenmorde gibt, ist klar. Die Menge ist jedoch nicht klar, zumal dazu geneigt wird auch sonstige Morde in Verbindung mit türkischen Familien als Ehrenmorde zu sehen.


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