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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

„Onkel“ Mustafa

Die Welt aus den Augen der ersten Generation

Interview mit Mustafa „amca“ („Onkel“ Mustafa) an einem Sonntagnachmittag bei Kaffee & Kuchen. Mustafa Solmaz (geb. 01.06.1948) ist ein sog. Gastarbeiter der ersten Generation in Deutschland. Er kam im Juni 1971 nach Berlin und arbeitete ein Jahr bei Siemens und anschließend 24 Jahre lang in einer Firma für Fahrstuhlbau. Fünf Monate nach seiner Ankunft holte er seine Ehefrau Perihan im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland.

DATUM20. November 2009

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RESSORTGesellschaft

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MiGAZIN: Wann haben Sie beschlossen zu bleiben und wieso hat das nicht geklappt?

Solmaz: Bis in die 90 er Jahre wollte ich mit meiner Familie zurück in die Türkei, aber in den 90ern gab ich die Hoffnung auf. Meine Kinder kamen in die Schule und mit jedem weiteren Urlaub in der Türkei erkannte ich, dass weder meine Kinder noch ich in der Türkei Fuß fassen können. Im Laufe der Jahre wurden die Kinder größer und kamen auf die Oberschule und die Jahre verstrichen sehr schnell. Dann kam noch dazu, dass die Rente näher rückte, wodurch, ich langsam die Hoffnung auf eine Rückkehr aufgab.

MiGAZIN: Wenn Sie nochmal die Chance hätten würden Sie wieder nach Deutschland kommen?

Solmaz: Nein. Wenn ich mit der heutigen Erfahrung zurückdenke, würde ich in der Türkei bleiben und mir dort eine Existenz aufbauen. Bildung ist das wichtigste im Leben und ich hätte in der Türkei die Chance auf eine Lehrerausbildung gehabt, aber stattdessen kam ich nach Deutschland. Ich finanzierte meinen Bruder, damit diese die Universität besuchen konnten. Ich habe das auch meinen Kindern gesagt. Bildung ist das Wichtigste im Leben.

MiGAZIN: Ein vieldiskutiertes Thema ist Integration. Was ist Integration? Sind Sie der Meinung, dass Sie integriert sind?

Solmaz: Natürlich bin ich integriert. Ich bin ein guter Bürger, zahle Steuern, und dort, wo ich mit Deutschen zu tun habe, komme ich mit ihnen auch gut aus. Wenn ich aber zu Hause bin, geht die Tür zu. Ab Das ist mein Privatleben. Dort darf sich niemand einmischen und es gelten meine Regeln. Zu Hause lebe ich, wie es mir passt.

MiGAZIN: Haben Sie einen Rat an die junge Generation?

Solmaz: Bildung ist das wichtigste im Leben. Ich rate den heutigen Jugendlichen den höchstmöglichen und besten schulischen Abschluss zu erreichen. Eine gute Ausbildung ist die Grundlage für ein gutes Leben. Achtet auf eure Gesundheit und bleibt fern von Alkohol, Drogen und Zigaretten. Integration in der Gesellschaft ist sehr wichtig und deshalb sollen sich die Jugendlichen integrieren. Das ist für ein friedliches Zusammenleben sehr wichtig. Lasst euch nicht vom Arbeitsamt aushalten und arbeitet für euren Erfolg.

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