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Migration und Integration in Deutschland

Danke, dass Sie gekommen sind, sich mit Ihrem Fleiß und Ihrer Kraft für unser Land eingesetzt haben, und danke, dass Sie geblieben sind.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Gesundheitliche Ungleichheit

Armut – Migration – Gesundheit

Im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) wurde im Jahr 2008 ein Schwerpunktbericht zum Thema Migration und Gesundheit veröffentlicht (RKI 2008). Der Bericht zeigt sehr eindrücklich, dass bei allen Gemeinsamkeiten erhebliche Unterschiede im Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und in der Gesundheitsversorgung zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund bestehen und unterstreicht damit die Bedeutung migrantenspezifischer Angebote und Zugangswege im Kontext der Versorgung, aber auch der Prävention und Gesundheitsförderung.

Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit die Gesundheitsunterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund auf Unterschiede im sozialen Status und den statusspezifischen Lebensbedingungen zurückgeführt werden können. Diese Vermutung liegt nahe, weil viele Gesundheitsprobleme und Krankheitsrisiken in den unteren Statusgruppen gehäuft auftreten (Mielck 2000; Lampert et al. 2005; Richter, Hurrelmann 2006) und Menschen mit Migrationshintergrund zu einem höheren Anteil einen niedrigen Sozialstatus haben, was sich unter anderem an einem geringeren Einkommen und höherem Armutsrisiko, einer höheren Arbeitslosenquote, insbesondere bei Jugendlichen, und insgesamt geringeren Bildungs- und Ausbildungschancen festmachen lässt (BMAS 2008). Vorab werden empirische Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Gesundheit vorgestellt und damit Anknüpfungspunkte für die Diskussion der Ursachen der Gesundheitsunterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aufgezeigt.

Sozioökonomische Unterschiede in der Gesundheit und Lebenserwartung
Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus den Jahren 1995 bis 2005 wurden kürzlich Einkommensunterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung untersucht (Lampert et al. 2007). Dazu wurden ausgehend vom mittleren Netto-Äquivalenzeinkommen fünf Einkommensgruppen unterschieden, wobei die niedrigste Einkommensgruppe einem Armutsrisiko unterliegt, d.h. über ein Einkommen verfügt, das weniger als 60% des gesellschaftlichen Mittelwertes beträgt. Aus Abbildung 1 ist zu ersehen, dass das altersstandardisierte Mortalitätsrisiko von Männern und Frauen aus der Armutsrisikogruppe im Vergleich zu dem der höchsten Einkommensgruppe um den Faktor 2,7 bzw. 2,4 erhöht ist. Auch für die mittleren Einkommensgruppen lässt sich ein erhöhtes Mortalitätsrisiko feststellen, so dass von Einkommensgradienten gesprochen werden kann. Bei Männern zeichnet sich dieser kontinuierlich ab, bei Frauen nicht ganz so deutlich.

Noch eindrücklicher sind diese Ergebnisse, wenn sie als Unterschiede in der Lebenserwartung ausgewiesen werden. Dabei wurde nicht nur die gesamte Lebenszeit betrachtet, sondern auch die Lebenszeit, die in guter Gesundheit verbracht werden kann. Männer der Armutsrisikogruppe haben demnach eine mittlere Lebenserwartung bei Geburt von etwa 70 Jahren. Männer aus der höchsten Einkommensgruppe können mit 81 Jahren, also gut 11 Jahren mehr, rechnen. Bei Frauen fällt die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe etwas geringer aus, sie ist aber mit 8,4 Jahren ebenfalls beachtlich. Berücksichtigt man nur die gesunden Lebensjahre, dann erhöhen sich die Einkommensdifferenzen in der Lebenserwartung auf 14 Jahre bei Männern und 10 Jahre bei Frauen.

Dr. Thomas Lampert, geb. 1970, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler, ist stv. Leiter der Gesundheitsberichterstattung am Robert Koch-Institut. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Soziale und gesundheitliche Ungleichheit, Gesundheitsverhalten und Lebensstile, Kinder- und Jugendgesundheit.

Neben der Lebenserwartung ist der allgemeine Gesundheitszustand ein häufig verwendeter Indikator, um die gesundheitliche Situation der Bevölkerung zu beschreiben. In der Armutsund Reichtumsberichterstattung wird in diesem Zusammenhang unter anderem der Anteil der Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung betrachtet. Von einer Gesundheitsbeeinträchtigung wird ausgegangen, wenn der eigene Gesundheitszustand auf einer fünfstufigen Skala als „weniger gut“ oder „schlecht“ bezeichnet wird und zudem in drei von fünf vorgegebenen Bereichen des alltäglichen Lebens eine Einschränkung vorliegt (BMAS 2008). Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2006 lässt sich hierzu zeigen, dass nach dieser Definition 6,6% der 18-jährigen und älteren Männer und 9,3% der gleichaltrigen Frauen in ihrer Gesundheit beeinträchtigt sind. Das Risiko einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist bei Männern der Armutsrisikogruppe um den Faktor 4,8 gegenüber dem von Männern mit höheren Einkommen erhöht. Auch bei Frauen zeigt sich ein Zusammenhang zwischen niedrigem Einkommen und einer Gesundheitsbeeinträchtigung, dieser ist aber deutlich schwächer ausgeprägt als bei Männern.

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