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Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Armin Laschet

„Integration umfasst weit mehr als religiöse Aspekte“

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet sprach beim Tag der Religionen 2009 in Köln über die Rolle der Religionen im Integrationsprozess: „Der öffentliche Diskurs darf in der Integrationsdebatte nicht mehr von vermeintlichen Integrationsdefiziten dominiert werden.“

DATUM16. November 2009

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RESSORTPolitik

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Zu Anfang seiner Festrede bemerkte Armin Laschet, dass Köln schon immer eine Stadt der religiösen Vielfalt gewesen sei, die es auch zu bewahren gelte. In diesem Rahmen lobte der Minister insbesondere das Engagement gegen die rechtsradikale Kritik im Vorfeld des Baus der DITIB-Moschee in Köln.

Minister Laschet: „In unserer Einwanderungsgesellschaft ist die Vielfalt der Religionen und Kulturen groß und daher der gemeinsame Dialog wichtig.“ Hinsichtlich der Integration unterstrich der Minister, dass es nun an der Zeit sei, die Integrationserfolge von Zugewanderten in den Vordergrund zu stellen: „Der öffentliche Diskurs darf in der Integrationsdebatte nicht mehr von vermeintlichen Integrationsdefiziten dominiert werden.“

Integration ist mehr als Religion
Minister Laschet betonte, dass Religion für eine gute Integration wichtig sein kann: „Zuwanderer finden in ihren religiösen Gemeinden oft sozialen und mentalen Halt. Dennoch müssen wir differenzieren: Religion ist als einer der Einflussfaktoren der Integration nicht zu unterschätzen, aber auch nicht zu überhöhen. Integration umfasst weit mehr als religiöse Aspekte.“

Religion könne Integration nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Demzufolge dürften die Gründe für Integrationsdefizite nicht in der Religion gesucht werden und die Religion nicht zum Thema der Integrationsdebatte gemacht werden.

Einen großen Einfluss auf die derzeitige allgemein schlechte Lage von Migranten liege darin, dass die meisten Migranten, die im Zuge der Arbeitsmigration – insbesondere aus der Türkei – nach Deutschland kamen, aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten stammen. In den USA, wo die große Mehrheit der Muslime zur Mittelschicht gehörten, bestehe ein vergleichbares Integrationsproblem beispielsweise bei den Einwanderern aus Mexiko. Diese seien aber mehrheitlich katholisch. Folglich, so Laschet, dürfe keine Integrationspolitik betrieben werden, die die Religion zum Thema des integrationspolitischen Diskurses macht.

„Der Rat der Religionen“ wurde Ende Mai 2006 vom ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma ins Leben gerufen. Dazu wurden 20 Religionsgemeinschaften eingeladen. Ziel des Rates ist, das gesellschaftliche Miteinander der Religionen zu stärken. Der „Tag der Religionen“ wird jährlich vom „Runden Tisch der Religionen Deutschland“ initiiert und jedes Jahr in einer anderen Stadt veranstaltet.

Staat und Religion
Hinsichtlich der Beziehung von Staat und Religion äußerte Minister Laschet unmissverständlich: „Staat und Religion sind immer aufeinander angewiesen aber sie sind doch rechtlich und politisch klar getrennt.“

Laschet misst der Religion auch in modernen Gesellschaften noch eine bedeutende Rolle zu. Säkularität und Säkularisierung hätten Religion nicht aus dem Leben der Menschen verdrängt, sondern lediglich gesellschaftliche Prozesse reguliert. Dabei bemerkte Laschet, dass insbesonder die Diskussionen, die im Zusammenhang mit dem Islam geführt werden, dazu geführt hätten, das eigene Erbe wiederzuentdecken und sich verstärkt mit der eigenen Religion zu beschäftigen.

Abschließend betonte Minister Laschet, dass Integration nicht nur mit Identität zu tun habe, sondern -und das werde oftmals vergessen- mit Emotionen! Es daher besonders wichtig, dass sich auch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und deren Nachkommen in Deutschland heimisch fühlen.

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