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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Migranten-Milieu Studie

Deutsche Milieus

Die neuere Sozialforschung und mit ihr eine vom vhw bei Sinus Sociovision in Auftrag gegebenen Studie [pdf] geht neue und viel versprechende Wege. In einer repräsentativen Befragung wurden im Sommer 2008 über 2.000 Migranten zu ihren Lebens- und Wohnvorstellungen befragt.

VONHolger Backhaus-Maul

Holger Backhaus-Maul, Soziologe und Verwaltungswissenschaftler, Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg.

DATUM11. November 2009

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Gravierend und folgenreich ist der Befund der Studie, dass – je nachdem ob ein Migrationshintergrund gegeben ist oder nicht – die Teilhabechancen in der Gesellschaft höchst ungleich sind. So wird beispielsweise deutlich, dass in Milieus mit Migrationshintergrund ein überdurchschnittlich hoher Leistungswille ausgeprägt ist, der aber in der deutschen Gesellschaft in bemerkenswerter Art und Weise ausgebremst zu werden scheint. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um individuelle oder kollektive Verfehlungen handelt, sondern dass die deutsche Gesellschaft Teilhabechancen nur zögerlich gewährt oder sogar gänzlich verweigert.

Hier werden zugleich die Grenzen der Aussagekraft und der Erklärungsfähigkeit der vorliegenden Studie deutlich. Was sind die „Bremsen“, die kulturellen Muster, organisatorischen Gegebenheiten und institutionellen Strukturen, aus denen sich die partielle Undurchlässigkeit, Inflexibilität und Zögerlichkeit der deutschen Gesellschaft speist? Bei der Beantwortung dieser Frage könnten kultursoziologische Vergleiche von Zuwanderungsgesellschaften, wie z.B. der der USA und Großbritanniens, und von nationalstaatlich verfassten Gesellschaften, wie Deutschland und Frankreich, höchst aufschlussreich sein. Und nicht zuletzt wäre ein hinreichendes Maß an politischer Soziologie erforderlich, um Organisationen und Institutionen daraufhin zu untersuchen, inwiefern sie die gesellschaftliche Teilhabe begünstigen oder behindern. Und die Milieuforschung wiederum könnte dann durch Längsschnittuntersuchungen sowohl die Dynamik und den Wandel wie auch die Absorptions- und Adaptationsfähigkeit von Milieus regelmäßig und über einen längeren Zeitraum untersuchen.

In gesellschaftspolitischer Hinsicht macht die vorliegende Untersuchung in beeindruckender Intensität die hohe Identifikation, Akzeptanz und Unterstützungsbereitschaft der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund für die deutsche Gesellschaft deutlich. So kommen rund 87 Prozent der Befragten zu dem Schluss, es sei richtig gewesen, dass sie und ihre Familien nach Deutschland gekommen sind. Letztlich hätte die Studie ihr Ziel erreicht, wenn sie dazu beitragen würde, dass die deutsche Gesellschaft die hier lebende und vor allem die (groß-)städtischen Siedlungsräume prägende Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund in ihrer Heterogenität und Vielfalt verstehen und deren Potenziale (an-)erkennen würde.

Quelle: Verbandszeitschrift des vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung

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